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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-01 · Heft 10 (Oktober 1930) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 10 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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72 eines Paul Ehrliche des Erfinders des Salvarsan, eines Heinrich Hertz genannt, ohne dessen Theorie von den elektrischen Wellen unsere ganze drahtlose Telegraphie niemals praktische Bedeutung erlangt hätte; die Jurisprudenz ist Männern wie den Juden Friedberg, Staub, Goldschmidt aufs tiefste verpflichtet; in der Philosophie haben Hermann Cohen, als .bedeutendster Nachkaniianer und Begründer der „Marburger Schule*', sowie sein Schüler Ernst C a s s i r e r — mit seinem grundlegenden dreibändigen Werl über das Erkenntnisproblenr — Geltung und Ansehen gewonnen, und die deutsche Industrie wird Männer wie Albert BalLtn und Emil Na th en an niemals aus ihrem Gedächtnis Verlierer: können. Auch an den großen Kuliurmachten, die im Bereich von Intuition und Phantasie gelagert sind, an Dichtung und Kunst, haben die deutschen Juden einen ständig wachsenden aktiven Anteil genommen. Wer könnte fich aus der modernen deutschen Malerei den strahlenden Pleinairismus eines Max L i e b e r m a n n, des wrehrungswürdigen Lehrmeisters aller deutschen Impressionisten, fortdenken? Und wer möchte den malerischen Ernst eines Lesser Ury missen? In viel stärkerem Maße noch sind jedoch die Juden für die neue deutsche Dichtkunst ein weithin sichtbarer Kulturfaktor geworden: kaum einer unter den modernen Dichtern ist in seinem gesamten Schassen von einem so heißen Kulturwillen beseelt wie der Jude Franz Werfel; niemand hat, seit den Tagen Heinrich von Kleists, das Prinzip des absoluten Rechts mit so fanatischer Eindringlichkeit künstlerisch gestaltet wie der .Jude Jakob Wassermann; niemand ist als Dichter in den Geist der deutschen Musik so tief erngedrungen wie der Jude Ernst Lisfauer, und niemand hat das hohe Kullnrinstrument der deutschen Sprache mit der schwingenden, schwebenden Beseeltheit ferner Prosa in gleicher Weise gemeistert wie der Jude Stefan Zweig. Wo sie aber nicht selbstschöpferisch hervortraten, erwiesen fich die Juden stets als die getreuesten Sachwalter am Werk der Kultur, voll leidenschaftlicher Inbrunst der Sache hrngegeben, Diener und Herren zugleich. Es waren insonderheit Juden, die in das Goethesche Lebens- Werk, den stolzesten Külturbau der Deutschen, die Fackel der Erkenntnis hinemgetragen haben; in die klassische Welt der Musik entführte uns der Zauberstab der beiden Juden Arthur Nrkisch und Bruno Walter oder die vollendete Geigenkunst eines Joseph Joachim und Fritz Kreisler; die deutsche Bühne bekam durch den Juden Max Reinhardt, der heute Weltruhm erlangt hat, ein völlig neues, nie vorher noch gekanntes Gesicht; und die deutsche Schauspielkunst verehrte lange Zeit in den Juden Adolf von Svnnenthal, diesem wahrhaften Ritter vom Adel, undEmanuelReiche r, diesem wahrhaften Ritter vom Geist, zwei ihrer leuchtendsten Vertreter, zu denen sich in unserer Zeit die beiden elementaren Gestalter Fritz Kortner und Alexander Gran ach hinzugefellten. * Eine Vielfalt von Erscheinungen, die an der Kulturtat deutscher Juden keinen Zweifel lassen. Trotzdem hat der nationalsozialistische Abgeordnete Straffer unlängst im Reichstag für seine Partei die Forderung erhoben, die Juden sollten aus dem deutschen Leben völlig ausgeschaitet werden. Vielleicht liegt dieser utopistijchen Forderung die uneingestandene Besorgnis zugrunde, daß die Positiv gerichteten Kräfte und Energien der deutschen Inden in evolutionärer Folge eine turntet höhere Stufe der Entwicklung erreichen und sich dann inn so freier auswirken könnten. Denn es war Friedrich Nietzsche, der in seiner „Morgenröte" den Lauf dieser Entwicklung mit der: vorausschauenden Worten bezerchnet hat: „Eduard S ü ß, der berühmte Geologe, der den Wienern das Hochquellenwasser gegeben hat, und dessen Lehrkanzel von fernem Sohn eingenommen wird, hat Enkel, vie nicht zur deutschen Studentenschaft gehören können, weil Eduaä) Süß der Sohn der Grazer Jüdin Z d -e k a n e r war. Die Brüder Exner, deren Mutter eine Arnstein warr, der Jurist, der Physiker und der Physiologe, wären nach dem Studentenrecht unmöglich, ja Max, Karl und Anton Menget haben eine jüdische Großmutter und sie fänden vor der deutschen Studentenschaft keine Gnade. Die Rechtsgelehrten Ungen und Glaser haben den Ruf der Wiener Hochschule in die fernsten Länder getragen, ihre Nachkommen find verfemt. B ö h m - B a w e r f war Halb;ude. Ich rede nicht von den Professoren Freud, Schnitzler, von dem Änatom Zuck erfand l, vom Internisten Bamberg er, vom Begründer der Ohrenheilkunde Pollitzer, von Dittel, dem Schöpfer der Urologie, sie alle haben Nachkommen und keiner wird deutscher Student sein können. Ich erwähne Grünhut und Schey, den Ökologen Heinrich Neumann, den Dermatologen Moritz Oppenheim, deren Kunst Fremde ins Land lockt, den Professor der pathologischen Anatomie Dr. Karl Sternberg, den RöntHenvlogen Holzknecht, der mit einer Jü-dru verheiratet war, und Gottwald Schwarz, den Gynäkologen Halb an, die Kinderärzte Professor Knöpfel machet und Neurath, die Internisten Professor Schur und Wilhelm Reumann. Die Kinder aller dieser Leuchten der Wissenschaft sind aus der deutschen Studentenschaft ausgeschlossen, Ja selbst der Nobelpreisträger. W aDner -- I <r u r e g g darf seine Nachkommen nicht zur deutschen Studentenschaft rechnen, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Auch die Nachkommen Bill - r v t h s können nicht in die deutsche Studentenschaft aufgenommen werden, denn seine Tochter ist mit dem jüdischen Sektionschef G o t t l i e b verheiratet. Auch der gewesene Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät Professor Dr. Beeth ist mit einer Jüdin verheiratet. Der gegenwärtige Dekan der philosophischen Fakultät Professor Ja Her, der unter meinen Anklägern ist, hat eme Jüdin zur Frau. Ei sielsberg hat eine Pereira zur Frau, aus jenem spaniolisch-jüdischen Geschlecht, das unter Kaiser Josef geadelt wurde. Schwäger von ihm waren der verstorbene Professor Pirquet und der jetzt nach Wien berufene Professor R a nz i. Der Professor der philosophischen Fakultät Arn i m hat seine Tochter mit einem Juden verheiratet. Professor Obe r st ein er hat eine Jüdin namens Leidesdorf geheiratet. Rokitansky, Chowst ek und Skoda waren Tschechen, Hyrtl Ungar, Jagte Slowene. Professor Wuch hat. zwei Mische Schwäger, Bruckner und Moskowits. Es ergibt sich auch, daß der Frankfurter Professor Ehrlich, der Erfinder des Ehrlich- Hata 606, der vor wenigen Jahren gestorben ist. niemals Mitglied der deutschen Studenten- „Wohin soll auch diese Fülle angesammelter großer Eindrücke, Elche die jüdische Geschichte für jede jüdische Familie ausmacht, diese FMe von Leidenschaften, Tugendelt, Entschlüssen, Entsagungen. Kämpfen, Siegen aller Art — wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige M e n - s ch e n und Wer ke V schaft, zu deren Führern ein Herr T r u k a zählt, hätte werden können. Ebenso verhält es sich mit dem Breslauer Professor N e i s s e r, dem ersten Syphilioolvgen der Gegenwart. Wir leben nun einmal in einem Staat, in dem Rassennüfchungen nichts Seltenes sind, nnd das, was die preußische Regierung abgelehnt hat, nämlich die Normierung eines Studentenrechtes, das die Studenten nicht mehr einteilt in ordentliche und außerordentliche, sondern in arische und nichtarische, dieses Studentenrecht wurde in Oesterreich zur Tat. Das kulturgeschichtliche Werk des Antisemiten H o u st o n Stewart Chamber I a in: „Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" wurde vom Autor dem Professor Julius Wiesner gewidmet, von dessen „Rasse" — er ist Vollblutjude — Chamberlain allerdings keine Kenntnis hatte. Die Physik des letzten Jahrzehnts weist fast nur jüdische Berühmtheiten auf: Einstein, Bohr, Michelson, Heinrich Herz, Sommerfeld, den Erfinder der Elektronenlehre Lieben. Die Professoren Willst ä d 1 e r. und Haber haben auf dem Gebiet der Chemie Unsterbliches geleistet. Als Mathematiker ragen Minkowsky und K r on - eg g er hervor. Das Studentenrecht will die Sohne eines Theodor Lvmperz, Jakob Bernais, Adolf MussaffLa, des Geschichtsschreibers Max B ü d i n g e r, des Orientalrsten David Heinrich Müller ausschließen." Strass«, Müller und Sas 3. Such Mose A. H. Nach der Programmrede des nati onalsoz iälist i sche n Reichstagsabgeordneten Straffer machte Hermann Müller die Nationalsoziailisten darauf aufmerksam, daß sie ihre Zins- und Bodenprogramme von den Juden, und zwar aus dem 3. Buch Moses, Kapitel 25, entnommen hätten. Straffer antwortete darauf, er erkenne Moses als hervorragenden Gesetzgeber und großen Staatsmann an, aber wenn er in diesem Gesetzbuch Wucherverbote erlassen habe, so sei das eben ein Beweis dafür, daß die Juden schon damals gewuchert hätten. — Es ist notwendig, diesen Behauptungen St raffe rs, die vom Reichstag unwidersprochen blieben, an dieser Stelle ent-, gegenzutreten, damit diese ungerechtfertigten Angriffe auf die Ehre des Judentums nicht aus Menschen vergiftend einwirken, denen der Judenhaß fernliegt. Das ist eine zrvar schlagfertige, aber in jÄ)em Punkt unrichtige Auffassung. Es ist von Straffer und seinen Freunden nicht zu verlangen, daß sie sich gründlich mit der Ge- . schichte und der .Lehre des Juden tunrs befassen und noch weniger, daß sie Max Webers „Gesammelte Aufsätze zur Religionsfoziologie" und darin besonders tm dritten Band die Seite 38 beginnenden Ausführungen über „Das antike * Diese Darlegungen Dr. Lachmanskis finden wirkungsvolle Ergänzung durch die Verteidigungsrede des Herausgebers der „Sonn- und Montagszeilung*' Ernsk ktebin der jWien), der fich kürzlich wegen Beleidigung des akademischen Senats und des Rektors der Diener Universität, Dr. Gleifpach, zu verantworten batte. Ernst Slebinder hatte die Wiener Slndenlenordnung scharf kritisiert und vor allem die Abwegigkeit der Rassentheorie dargelgk. In feiner Verteidigungsrede führte er als Beweis für seine Behauptungen, wie wir dem „Prager Tagblatt" Nr. 146 entnehmen^ u. a. aus: &

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