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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-01 · Heft 10 (Oktober 1930) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 10 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ükifrol Worein *»¥» Blätter für -eulfektum und Judentum Monatsausgabe Oktober 1-3» ' Yryan -es tentralVereius-eutfeKex^ StaatsdüryerMöifelren Klaubens e.V. /^U^srnsine 2sikunH ciss ^ucjsnturns Deutsche Trauer Alsdorf — Saarbrücken Weit über 300 Helden der Arbeit hat der grausame Tod in das dunkle Bett gerissen. Tausende von Familienangehörigen beweinen den Tod des Ernährers, des Gatten, des Vaters, des Freundes und Kollegen. Das deutsche Volk in allen seinen Gliedern steht schweigend und trauernd an den Särgen im Gedenken an die Braven, die im Kampfe gegen die Mächte der Tiefe ihr Leben als Frontsoldaten der Arbeit hingegeben haben. Möge die Achtung vor dem Tode die Lebendigen läutern, daß sie fühlen, wie wir Deutsche im Letzten Unlösliche Glieder eines Volkes sind, die fest zusammenstehen sollten in dieser schweren Zeit deutscher Sorge. Als Symbol jüdischer Verflochtenheit mit deutschem Schicksal ist auch ein jüdischer Bergmann in . den Tod gegangen. Neben dem katholischen und evangelischen Geistlichen hat der Vezirksrabbiner Dr. D. Schönberger aus Aachen vor den aufgebahrten Särgen in Alsdorf die folgenden Worte gesprochen: „Hochansehnliche Trauerversammlung! Im Namen der jüdischen Gemeinden des Nheinlandes und im besonderen der Synagogengemeinde Aachen, die unter den toten Bergarbeitern von Alsdorf ein Mitglied ihrer Gemeinschaft betrauert, habe ich die Ehre, einen letzten Scheidegruß und einen innigen Gruß der Anteilnahme zu übermitteln. Wir stimmen ein in die allgemeine Klage mit dem biblischen Klageruf: Wie sind die Helden im Kampfe gefallen! Helden der Arbeit im Leben und Wirtschaftskampf sind die Bergarbeiter alle. Die Toten grüßen heißt uns zugleich, sich neigen vor allen lebenden Helden der Arbeit im deutschen Volke. Mögen wir alle stark und einig bleiben in der Zeit unseres Unglücks und unserer Not, Helden der Arbeit!" Wir deutschen Juden wollen unseren verstorbenen Glaubensbruder und alle dahingerafften deutschen Volksgenossen dadurch ehren, daß wir der Leiden ihrer Familien opfernd gedenken und mit Spenden, diesen: bescheidensten Zeichen der Anteilnahme, nicht kargen. Dr. Hugo Lachmanski: Wer entsittlicht das deutsche Volk? Seite 71. — Wichtige Dokumente gegen die Ritualmordlüge. Seite 73. — D. Laible (Rothenburg ob der Tauber): „Du sollst alle Völker fressen". Seite 75. Appell an die Vernunft von Thomas Mann Thomas Wann hat am 17. Oktober in Berlin einen, wie es der Bedeutung dieses geistigen deutschen Führers entspricht, vielbeachteten ..Appell an die Vernunft" gehalten. Wir begrüßen es dankbar, daß Thomas Wann uns nachstehenden Auszug aus der demnächst als Broschüre erscheinenden Rede zur Verfügung gestellt hat. Denn wir glauben, daß die im höheren Sinne überpolitische Stellung des Dichters seinen Ausführungen besonderen Wert verleiht. DieSchriftleikung. ... Der Nationalsozialismus hätte als Massengefühlsüberzeugung nicht die Macht und den Umfang gewinnen können, die er jetzt erwiesen, wenn ihm nicht, der großen Mehrzahl seiner Träger unbewußt^ aus geistigen Quellen ein Sukkurs käme. der, wie alles zeitgeboren Geistige, eine relative Wahrheit, Gesetzlichkeit und logische Notwendigkeit besitzt und davon an die populäre Wirklichkeit der Bewegung abgibt. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Mittelklasse verband sich eine Empfindung, die ihr als intellektuelle Prophetie und Zeitkritik vorangegangen war: die Empfindung einer Zeitenwende, welche das Ende der von der französischen Revolution datierenden bürgerlichen Epoche und ihrer Ideenwelt ankündigte. Eine neue Seelenlage der Menschheit, die mit der bürgerlichen und ihren Prinzipien: Freiheit, Gerechtigkeit, Bildung, Optimismus, Fortschrittsglaube, nichts wehr zu schassen haben sollte, wurde proklamiert und drückte sich künstlerisch im expressionistischen Seelenschrei, philosophisch als Abkehr vom Vernunftglauben, vor: der zugleich mechanistischen und ideologischen Weltanschauung abgelaufener Jahrzehnte aus, als ein irrationalistischer, den Lebensbegriff in den Mittelpunkt des Seins stellender Rückschlag, der die allein lebenspendenden Kräfte des Unbewußten, Dynamischen, Dunkelschöpserischen auf den Schild hob, den Geist, unter dem man schlechthin das Intellektuelle verstand, als lebensmörderisch verpönte und gegen ihn das Seelendunkel, das Mütterlich-Chthonische, die heilig gebärerische Unterwelt, als Lebenswahrheit feierte. Von dieser Naturreligiosttät, die ihrem Wesen nach zum Orgiastischen, zur bacchischen Ausschweifung neigt, ist viel eingegangen in den Neo-Natronalismus unserer Tage, der eine neue Stufe gegen den bürgerlichen, durch stark kosmopolitische und humanitäre Einschläge doch ganz anders ausgewogenen Nativnalismus des neunzehnten Jahrhunderts darstellt. Er unterscheidet sich von diesem eben durch seinen orgiastisch - naturkultischen, radikal - humanitätsfeindlicken. rauscl^aft^dvnamistiscken^ unbedingt ausaFä^^ Marar^r. Wenn man aber bedenkt, was es, religionsgeschichtlich, die Menschheit gekostet hat, vom orgiastischen Naturkult, von der barbarisch raffinierten Gnostik und sexualistischen Gottesausschweifung des Moloch-Val-Astarte-Dienstes sich zu geistigerer Anbetung zu erheben, ein Ueberwindungsprozeß von Jahrtausenden, bei dem das Judentum mit seiner eingeborenen Abneigung gegen „Scheol" ihr welthistorische Dienste geleistet hat, so staunt man wohl über den leichten Sinn, mit dem solche Ueberwindungen und Befreiungen heute verleugnet werden, wird aber zugleich des wellenhaften, fast modisch-ephemären und, ins Große gerechnet, bedeutungslosen Charakters eines solchen philosopischen Rückschlages inne. Vielleicht scheint es Ihnen kühn, meine geehrten Zuhörer, den radikalen Nationalismus von heute mit solchen Ideen einer romantisierenden Philosophie in Zusammenhang zu bringen, und doch ist ein solcher Zusammenhang da und will erkannt sein von dem, dem es um Verstehen und Einsicht in den Zusammenhang der Dinge zu tun ist. Es findet sich mehr zusammen, um die politische Be-, wegung, von der wir sprechen, die nationalsozialistische, vom Geistigen her zu stärken. Dazu gehört eine gewisse Philologen-Jdeologie, Germanistenromantik und Nordgläubigkeit aus akademisch-professoraler Sphäre, die in einem Idiom von mystischem Bildersinn und verstiegener Abgeschmacktheit mit Vokabeln wie rassisch, völkisch, bündisch, heldisch auf die Deutschen von 1930 einredet und der Bewegung das Ingredienz von verschwärmter Bildungsbarbarei hinzufügt, gefährlicher und weltenfremder, die Gehirne noch mehr verschwemmend und verklebend als die Weltfremdheit und politische Romantik, die uns in den Krieg geführt hat. Gespeist also von solchen geistigen und pseudogeistigen Zuströmen, vermischt sich die Bewegung/ die man aktuell unter dem Namen des Nationalsozialismus zusammenfaßt und die eine so gewaltige Werbekraft bewiesen hat, vermischt sich, sage ich, diese Bewegung mit der Niesenwelle exzentrischer Barbarei und primr-

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