Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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-» was sagt Religion zum Zudenhatz? Von Pfarrer G. Fritze (Köln). In der Juniausgabe der in Köln erscheinenden „Karthärrser Psarrblätter" gibt Pfarrer Fritze eine Rede wieder, die er vor einigen Monaten in einer vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Düsseldorf veranstalteten ösfentlichen Versammlung gehalten hatte. In dieser Versammlung halten neben Pfarrer Fritze noch Peter Augustin A r e n d aus Siegburg und Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r aus Düsseldorf gesprochen. Mit Erlaubnis von Pfarrer Fritze drucken wir seine Rede nachstehend ab. Die Schristleitung. Es geht heute abend um Entgiftung der politischen Atmosphäre. In der Art, wie der politische öffentliche Kampf bei uns gekämpft wird, ist ein Tiefstand erreicht worden, der uns im Hinblick auf manches andere Land mit Scham erfüllt. Unsachlichkeit, Lüge, Fanatismus, brutale Gewalt kennen keine Grenzen. Insbesondere stellen die Schändungen jüdischer Friedhöfe Deutschland bloß vor aller Welt! Die „Religionen" sind aufgerufen, daß sie mithelfen, diesen Zustand zu überwinden; vor allem sind die großen nichtjüdischen religiösen Organisationen gefragt, was sie dazu zu sagen haben, daß in unserem Vaterland Volksgenossen jüdischen Glaubens deswegen, weil ste Juden sind, von anderen Volksgenossen gering geachtet, verfolgt, bohkottrert werden, ja aus dem deutschen Staats-, verband ausgestoßen werden sollen. Ich soll als deutscher evangelischer Christ dazu Stellung nehmen. Was habe ich als solcher zu der angedeuteken geringschätzigen Haltung unseren jüdischen Volksgenossen gegenüber zu sagen? Zunächst als Christ dies: die Christen haben Ernst zu machen mit dem Gehorsam, den sie dem ihnen in Christus offenbar gewordenen Gott schuldig sind. Solcher Gehorsam macht es schlechterdings unmöglich, daß ern Christ sich über irgendeinen Menschen oder irgendein Volk in der ganzen Welt überhebe, daß z. B. deutsches Volk, deutsche Sprache, deutsche Art oder irgendein anderes Volk, Sprache, Volksart als die gottgemäßeren betrachtet werden. Gott hat sein Volk in aller Welt, in allen Völkern. „Haben wir nicht alle einen Vater? Sind wir nicht alle eines Gottes Kinder?" „Allen Bruder sein, allen helfen, dienen ist, seit Er erschienen Ziel allein." So!u sein, danach zu handeln, ist oft sehr schwer; wer dagegen fehlt, ehlt gegen das, waS vor Gott gilt! — Und nun als evangelischer Christ! Als solcher habe ich dazu noch etwas Besonderes zu sagen; nicht grundsätzlich, denn die-eben, gezeichnete christliche Haltung deckt sich-Dritf der grundsätzlich evangelischen, sondern im Hinblick auf die konkrete, gegenwärtige Läge! -Es ist. uns doch schmerzlich, . zugeben zu müssen, daß evangelische Kreise, die in der evangelischen Kirche zeitweise eine gewisse Bedeutung hatten und Aum Teil noch haben, .Träger , des mit evangelischer Art - unvereinbaren Antisemitismusgewesen, sind und zum Teil noch heute sind. Gott sei Endlich aber: Auch als deutscher evangelischer Christ kann ich mich dem Judentum gar nicht anders geaenüberstellen als so, wie es aus allem bisher Gesagten ersichtlich rst. Entscheidend ist auch hier: Ueber aller nationalen Gebundenheit steht dem von Gott Ergriffenen, der den Gott Jesu Christi ernstnimmt, die Gottgebundenheit! Es ist ein elementares Stück der christlichen Weltanschauung, daß der Versuch, christliche Frömmigkeit mit einem ungebundenen, leidenschaftlichen und rücksichtslosen Nationalismus zu verschmelzen, die christliche Gottesvorst,ellung, das Bekenntnis zum Erlöser und die Idee der Kirche zerstört! Anderseits können wir unserem Volk unb Vaterland in Wirklichkeit gar keinen größeren Dienst erweisen, als daß wir uns, und soweit wir das überhaupt vermögen, unser ganzes Volk unter Gott stellen. Von da her müssen wir gerade als deutsche .evangelische Christen sagen: es ist Lüge oder Blindheit, nicht Wort haben zu wollen, daß auch unsere deutsche Kultur dem Judentum ganz Außerordentliches verdankt, daß es, wenn es je gelänge, das Judentum aus unseren Grenzen und aus unserem Geistesleben zu verbannen, eine Verstümmelung und Verarmung Einige Urteile über den Antisemitismus Kaiser Friedrich III.: „Antisemitismus ist die Schmack des Jahr hundert s.M Bismarck: „Ich missbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden.4* (v. Poschinger, Fürst Bismarck.) Dr. Walter JLotz (Geh. Rat u. Univ.-Prof., München): „Können wir Deutsche, wenn wir für Schutz der deutschen Minderheiten im Ausland uns bemühen, Erfolg haben, solange man uns entgegenhalten kann, dass Deutsche daheim für Brutalität gegenüber der jüdischen Minderheit eintreten?“ Peter Rosegger (Dichter, Nobelpreisträger) : „Antisemitismus ist eine Abscheulichkeit, die, sittlich aufklärend, bekämpft werden muss.“ Tolstoi (der grosse russische Dichter) : „Antisemitismus ist ein gewissenloses Treiben, um die Wut ungebildeter Massen gegen eine Minderheit zu erregen.“ General von Deimling: „Ein Verbrechen ist in jetziger Zeit den Hass gegen unsere jüdischen Mitbürger noch besonders zu schüren.“ . unserer Kultur bedeuten würde. Es genügt, neben der Bibel Hin- Dank flüchket sich -dieser'Antisemitismus jetzt immer mehr »in. die zudeuten auf Namen wie Hertz, Einstein, Rathenau, Mendelssohn, eWemen, radikalen Kreise, die kein Hehl daraus machen, daß ihnen Spinoza und andere, per Motanskult viel < lieber ist als der Kult Christi. Aber aus- ' — " ~ Worben ist auch in dön nicht radikalen evangelischen Kreisen die Zähl derer nichts die Ich nur ungern daran erinnern lassen, daß 7chAstkiche.-RMgiön-.-undjüdischer Glaube in so engen Beziehungen ^ueinadx PWn,'wie^nst zwei grundverschiedene Glaubensarten ' niK^wtPerl. .^Lutherhat^häglich im Psalter gebetet; e8 iMnicht Mszüsägen^ welche"", .äew'Wge.^Hraft vom Psalter,, her durch che- Sutt^erte^in chriUichU Lebest^ eingeströmt ist und bis in diese. Christen das Problem der Theodizee! üdischen Relitztöyj. „T Sender lethischWMvnötM^A ...? MäUchi chttWMMrW Lottes; wir lebesi^religiöD äüch N Wort gelernt^ das heißkWör WsMsMWWibihW ist oMgrptze Hoffen auf.das kommende: Wttes MM-^DüS aües oleibt "xiäyt;] trotzdem wir: keinen ÄuWblWD Richtscheites als Funktionen des Blutes stnh/Und die-dänn noch ,soiiasecheisund-geschmacklos, sind, ihrer eigenen Blutart-selbstveitstandlich: die höheren Qüalitäten .zuzuschreib^n! Ggtt, hat .Whl °tzefqlleil amallen-Völkern. h Es ist gottlos geredet, irgendeinem Men rgxÜ&A'.jiiiaU'* mAr* v fAiüAa mr*.**» . Wirr*** :oh..' Daß es auch im Judentum Mächte gibt, die zum Unheil unseres Volkes sind, wird damit nicht bestritten; aber das sind Mächte, die nicht , an das Judentum gebunden sind, sondern die auch bei den Nichtjuden ihr verhängnisvolles Wesen entfalten. Wenn mir aus Düsseldorf vor ein paar Tagen jemand, der mich warnen wollte, schWb: „Die Juden sind schuld am moralisthen Verderben im deutschen Molk", so ist das doch geradezu eine Beleidigung der DeutschenbMie 0,9 Prozent Juden sollen einen solchen Einfluß^ Habens.däßHe die gesamte giftige und moralische Haltung des jes bestimmen? Merkt man denn gar nicht, wie man Wem Gerede selber ins Gesicht schlägt? Und wenwche- - KHWmteÄüWöne Eigenschaften im Judentum hier und da stärket ÄzWWWkM weiß man denn nicht, daß daran nicht zum wenigsten > ' Äd'MJHrhMderte währende Verfolgung und Ausstoßung und gesell- KMaftlilMWhtung, die den Juden von Nichtjunden bereitet worden stEMKüttelt und geschüttelt Maß von Schuld für, die letzteren O bMnW?l / . . v rDämii^kommen wir zum Schluß, zum Praktischen: wir sehen . vomMssligiösen, aber auch vom recht verstandenen Interesse des; deutschen Volkes her keine andere zu rechtfertigende Forderung als sich uns mit zwingender Macht aufdrängt: daß unseren jüdischen Volksgenossen politisch und gesellschaftlich das völlig - ^leMWecht mit allen Nichtjuden zuteil werde, auch im wirklichen : pWttschen Leben! . „ *fgöir. stehen in einer ungeheuer ernsten Zert! Dre Erschütte- - Lungen, die wir erleben, find Anzeichen größerer, die sich vorbereiten. Alle, die guten'WmenS sind, sind gefragt, ob sie rückhaltlos bereit sind, in die 'Schichsalsgemeinschaft einzuwilligen, zu der die heute Privilegierten^ mit allen Leidenden zusammenwachsen ztMAvertung'jüdischen Geistes; auch aus einer der unseren der-' Mltnismäßig nahen Zeit sind MS einzelne Juden und auch jüdische, Bewegungen bekannt, denen wir mit innerster Dankbarkeit und' Ehrfurcht gegenüberstehen. "Wer je einen tieferen Blick z. B. in' die in unseren Tagen durch Martin Buber vergegenwärtigte Be-! wegung des Chassidismus getan hat, versteht, was ich meine. —! Ach, kennten doch alle Judenhasser das Judentum! ' ld/njEeir .. . .. öer Brutalität^ ..«in jeglicher murre wiW. setnKMW^LrxMhMMNMWsu &E Todfeind allen Mnfch^häM-niMHMtfta^ieglichen Hasses gegen die Indem Verlag: LenträWrein - deutMer?.Staätsbllr. lin SW 68, LtnEMe laubens e. B., Ber- EDr.^ÄÄKH i g H o l l it n d e r, SW 68. - Druck: