Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I [tttfro! Worein plätttt' für öeutfelrtunr und Judentum. ' Monatsausgabr Zrbruar 7-SS ' öryan -es tentralVereius-eutfekexL. EtaaksdüryerM-ifeken Naudens e.V. AUtzsmsine ^situntz clss!)u6Sritums Was ist deutsch? Von Dr. Hermann Funke (Berlin). In jedem Volkstum, das wie unser deutsches in einer alten und reichen Kultur gleichsam ein getreues Spiegelbild seiner selbst besitzt, wird notwendig das Gefühl für irgendein Gemeinsames vorhanden sein, das alle seine Schöpfungen, aus ferner Vergangenheit wie aus frischer Gegenwart, untereinander zu verbinden und zugleich von denen anderer Völker zu trennen scheint. Und im gleichen Maße wird man in einem solchen Volkstum Bemühungen finden, diesen gemeinsamen Wesenskern, der zunächst mehr triebhaft und dunkel empfunden wird, an das helle Licht des Bewußtseins zu ziehen, ihn in Worte und Begriffe zu fassen. Das heißt: Es wird versucht werden, klar und fest Umrissen zu definieren: Was i st deutsch? Oder: Was ist französisch? Was ist englisch? Denn immer wird für die Einzelperson ebenso wie für die große Gemeinschaft, ein starker Reiz darin liegen, den ganzen Reichtum ihrer Existenz, die verwirrende Vielgestaltigkeit ihres Seins, Tuns und Schicksals in einer knappen und eindeutigen Wesensbestimnnmg zusammenzudrängen und gleichsam zu kristallisieren. Aber gerade darum droht immer die Gefahr, daß die gefundene Formel in der Freude über ihre eindeutige Klarheit überschätzt wird, daß diese verallgemeinernde Abstraktion von der Wirklichkeit „Wir wollen heute lind immerdar, vor allem in einer Zeit, wo — um mit dem alten Freilieitssänger Ernst Moritz Arndt zu sprechen — ,wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugheit hält*, wo nicht nur ein politisches und wirtschaftliches, sondern auch ein rein religiöses und sittliches Chaos uns bedroht, nicht die trennenden Unterschiede, sondern die gemeinsamen Grundlagen betonen, wollen die Liebe zu dem in langer, gemeinsamer Geschichte gemeinsam gewordenen Vaterlande, wollen Gottesfurcht, Sittenreinheit und gegenseitige Duldsamkeit zu pflegen suchen, wollen miteinander wetteifern im Ringen nach der Wahrheit, Gerechtigkeit und all den hohen idealen Gütern, die uns unser Glaube zeigt und schenkt, und wollen uns stets dessen bewusst bleiben, dass es gilt, Gemeinschaft zu pflegen unter den Menschen und Völkern, die heute zerrissener sind denn je. Nicht mitzuhassen, mitzülieben sind wir da." Aus einer Ansprache des Superintendenten Kraram (Recklinghausen) anlässlich der Feier des 100jährigen Bestehens der dortigen Synagoge. den Blick für die Wirklichkeit selbst in ihrer vieldeutigen Fülle trübt. Wie berechtigt und notwendig es ist, eine solche Warnung auszusprechen, davon legt mit besonderer Eindringlichkeit ein Schriftchen des bekannten Wiener Soziologen Othmar Spann Zeugnis ab, das im Laufe des Jahres 1929 im Widerstandsverlag (Berlin) in dritter Allflage erschien und den Titel trägt: „Vom Wesen des Volkstums. Was ist deutsch?" Uns interessiert weniger der konkrete Inhalt von Spanns Ausführungen, weniger die genaue Antwort, die er auf die aufgeworfene Frage gibt, als vielmehr die G r u n d g e s i n n u ll g seiner Schrift, die Ansprüche, mit denen sie auftritt. Spann will nicht zu einer kleinen Zahl von Fachgelehrten sprechen, er wendet sich an die weitesten Kreise, er will mit seiner Lehre bis in die Tiefen des Volkstums dringen; in jedem Deutschen, auch in dem Mann von Primitivster Bildung, wenn er nur nicht gar zu gleichgültig gegen brennende Gegenwartsfragen ist, soll eine ganz klare, eindringliche und handfeste Vorstellung vom Wesen seines Deutschtums erzeugt werden. Darum versucht Spann zunächst knapp und leichtverständlich zu erklären, welche geistige Wesensart es ist, die nach seiner Meinung den Namen „deutsch" verdient. Aber und das ist sehr wesentlich — er bleibt nicht bei der begrisslichen Auseinandersetzung stehen. Er. geht weiter. Er mustert in strenger Prüfung die Fülle des deutschen Kulturgutes; die Werke der deutschen Dichter, die großen philosophischen Systeme, die Schöpfungen der bildenden Kunst — alle müssen sie gleichsam die Zensur passieren, und das Ergebnis ist für Spann, daß nicht etwa alle Hervorbringungen deutschen Geistes, sondern lntr ganz Bestimmtes davon — nicht allzuviel übrigens — wirklich dem von ihm genau sestgetegten Begriff des Deutschtums restlos entspricht. R u r e i n s o r g s a m a u s g e w ä h l - t e r K a n o n a u s dem deutschen K u l - turreichtüm ist bis in den letzten W e s e n s k e r n deutsch. Ein Diktator tritt auf und bestimmt aus eigener Machtvollkommenheit: Deutsch sein bedeutet erstens dies und zweitens das, aber nichts, gar nichts darüber. „Deutsch" wird als engumgrenzter, für ewige Zeiten unwandelbarer Begriff der schon vor mehr als einem JahrtaujMo«2Mo^Mll^rands-Lied und der Helianl^^W^WWkn, st^stand und an dem ]h Etmmm s sich niemals irgend etwas ändern kann. Alles, was seinen Nahmen sprengen würde, ist eben mehr oder weniger undeutsch, mag es sich auch noch so entschieden als deutsch ausgeben. In dem naiven Leser wird auf diese Weise irgendeine dunkle Vorstellung erweckt, als ob es auf der einen Seite ein echtes, wahres, ursprüngliches Deutschtum und daneben ein unechtes Scheindeutschtum gäbe, das man sorgfältig vom echten unterscheiden müsse; als ob an der Hand eines objektiven Maßstabes festzustellen wäre: Diese Schöpfung deutschen Geistes ist mehr, die andere weniger deutsch. Aber dabei liegt doch alles viel eindeutiger, klarer, natürlicher: deutsch,, das kann noch niemals etwas anderes bedeuten als einfach das Kennzeichen aller derer, die dem deutschen Volke angehören, die „Deutsche" sind. Und Deutsche wiederum sind alle diejenigen, die sich als Deutsche fühlen und die gewillt sind, im deutschen Staate als verantwortungsbewußte Bürger ihre Pflicht zu tun, sich mit der deutschen S a ch e f ü r s o l i d a r i s ch z u h a l t e n. Nicht mehr und nicht weniger ist erforderlich, um als Deutscher zu gelten, es bedarf dazu nicht ganz bestimmter körperlicher oder geistiger Kennzeichen. Immer noch spukt in allerlei Variationen, oft halb unbewußt, viel zu sehr die Vorstellung in den Köpfen, das Volkstum sei, ähnlich etwa wie die Nasse, eine von der Naturgesetzte Einheit, der man unentrinnbar durch angeborene Merkmale angehöre: Ein Arier könnte ja in der Tat niemals Semit werden, ein Neger nie Eskimo. Aber mit dem Volkstum steht es ganz anders, „Volkstum" bedeutet ganz einfach eine Schicksalsgemeinfchaft, die sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende Zusammengefunden hat, die erst in einem langen historischen Prozeß, oft aus den verschiedenartigsten Gliedern, deren Ver- IIII>>IIIIIIIIIIll!l>I>IIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIII!!IIIIIIIIIIIIIII>IIIIIII»IIIIIlIIIIIIIIIIIIIIII!II>II!IIII! AUS HEM IN II A L T s Die Verfolgungen von Kirche und Synagoge in Sowjetrussland. S. 10. -- Der „Kampf" gegen unsere Gotteshäuser und Friedhöfe. S. 11. — Dr. Müller-Claudius: „Völkische Moral“ fälscht die Edda. .S. 14. — Reichswehrminister a. D. Dr. Otto*" Gessler: Unseren gefallenen Kameraden. S. 15,