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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-01 · Heft 10 (Oktober 1929) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 10 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Qudenrums Wir die MtitmlsoziMen die deulMe WirtWft Men weilen. Ven Sr. Margarete Wiener. Es ist noch i» oller Erinnerung, dos; i„ den Jahre» unmittelbar nach dein Kriege eine vielfältige Brvschürcittiterntnr erschien, die in verschiedenster Weise den vvlksivirtschafllichcn Problemen, die der Krieg herausgesührt hatte, bcizukmnmcn suchte. Ncfvrmplnnc, Programme, Systeme nberschwenmttcn den Büchermarkt. Die Nationalökonomie wurde volkstümlich. Schon in den Kriegsjahre» hatte vaterländische Begeisterung einerseits, die Schwierigkeiten der Wirtschaftsführung anderseits, das Interesse an vvlkswirtschastlickM 8ragen geweckt. Am meisten wurden die Frage der Selbstversorgung eutschlands mit Nohstvsscu. und Lebensmitteln »nd späterhin die Fragen der Zwangswirtschaft diskutiert. Nach dem Kriege rückten tvährungs- und finanzpolitische Probleme in den Mittelpunkt des Interesses, je mehr mit fortschreitender Inflation jedem einzelnen ihre Aktualität fühlbar wurde. Abgesehen von der unglückseligen Vcranlassnng ivar ein solches „nationalökonomisches Envacljen" eines ganzen Volkes nur zu begrüßen, denn >vo daS rein privatwirtschaftliche Denken zugunsten volkswirtschaftlicher lleberlegung zurücktritt, ist schon ein Schritt zur Volksgemeinschaft getan. Aber dieses völlig unkritische Interesse sand nicht immer die geeignete Nahrung. Man bot ihm vielfach unausgerciste Früchte vom Baume »ationalbkonouiischer Erkenntnis. Damals entstand auch das, >vas inan als nationalsozialistische Wirlschaftstheorie bezcichnrn kann. Eie trägt alle Zeichen ihrer Entstehungszeit an sich. Kriegsanleihen und Inflation bestimmen und beschränken zugleich ihre Gedankengnnge. Sie steht unter dem Alpdruck der großen Zisfern, nntcr dem fast alle damals litten; sie atmet einen gewissen Katastrophenglanbc», dem viele damals verfielen in der Pessimistischen Aufsassnuy, daß das Gleichgcivicht der wirtschaftlichen Verhältnisse unwiderbringlich verloren sei; sie trügt schließlich das Zeichen der Geivalttätigkcit, als einen Rückstand aus der Zeit des Krieges, den viele sonst dnrchaiis gntinütige Menschen nicht mehr aus ihrer Borstellniigswclt verdrängen koiinten. Dies alles sind Mängel, die zeitlich begründet und daher, >vic man meinen sollte, seitdem überwunden worden sind. Jedoch, während die meisten Ncsormvorschläge der Nachkriegszeit nach der wirtschaftlichen und Politischen Stabilisierung aus der allgemeinen Diskussion ixnschwandcn und heule fast nur noch als Studienmaterial für volkswirtschaftliche Seminare ein zurückgezogenes Dasein führen, ist uns die nationalsozialistische WirtschastSthevrie in unveränderter Friscl)e erhalten geblieben. Sie ist in das Programm der Nationalsozialistischen DentsclM Arbeiterpartei eingesügt worden. Dieses Programm, das im Februar 1920 (I) das Licht der Welt erblickt hat, wird in der Satzung der Partei l§ 2) als „unabänderlich" bezeichnet; es ist tatsächlich 1928 unverändert wieder abgedruckt worden, und Gottfried Feder, der Verfasser des Programms, wzieht sich noch 1928 aus seine Schristen ans den Jahren 191», 1921, 1923 und 1926. Die ErsclMmng, daß gerade sehr starke politische Parteien starr an ihren prograinmatischeu Erklärungen scsthalten und sie nur zögernd einer veränderten Zeit anpassen, war schon oft zu beobachten. Allein diese nationalsozialistische llnfehlbnrkeitscrklärnng läßt eher ans Schwäche als ans Stärke schließen. Zwei Gründe sind wohl dafür maßgebend: man will die vvlkstmnliclM Argumente, die sich aus den Zuständen der NachlriegSjnhre ergaben, nicht an? der Hand geben, und »mit will nicht zugeben, daß sich seitdem im Wirtschastsleben manclM wieder zum Guten gcwcnoet hat, ohne daß das tatkräftige Eingreifen der N, S, D, A. P. dazu notwendig gewesen Die Nationalsozialisten legen ihrem „Staats- und Wirtschastsprograinm" die allergrößte Bedeutung bei. Es soll den positiven Ilcberbn» zu dem „zwar grundlegenden, ober negativen antisemitischen Kampf" dnrstellen. Nur deshalb interessiert es an dieser Stelle, Alan konnte mit Recht einwenden, daß hier nicht der Ort ist, wirtschnftSthevrctischc oder wirtschastspolitische Darlegungen zu prüfen. Bor allem — »nd das muß, um Mißverständnissen vvrzubcugen, besonders betont werden — kann und soll hier nicht für oder wider Kapitalismus, für oder wider Sozialismus, für oder Wider den Zins, für oder wider Anleihe- oder Papicrgeldpolitik Stellung genommen werden! Nur in ihrer Eigenschaft als Positive Kehrseite des völkischen Antisemitismus beschäftigen uns die nationalsozialistischen WirtschnstSideen, Es ist uns hier nicht um die schon oft ansgeführte Widerlegung ihrer judcnfeindlichen Grundlage, noch mn Kritik am kulturpolitischen Teil des nationalsozialistischen Programms zu tu», sondern es soll versucht werden, die inneren Widersprücl)e i», Aufbau der nationalsozialistischcu Wirtschaststheorie zu kennzeichnen. Die Bezeichnung „national s v z i a l i st i s ch" ist irreführend. So viele Sozialismen cs auch gibt und schon gegeben hat — allen ist eiuS gemeinsam: die Kritik am Privateigentum, Der Nationalsozialismus nbt keine Kritik am Privateigentum. Er erkennt es vielmehr ausdrücklich an. Unter der Devise „Produktion und Konsumtion sind individuell" lehnt er jeglichen Kommunisums, aber auch jede Sozialisierung industrieller Betriebe entrüstet ab. Nur einen gewissen Stnatssozinlisimis laßt er zu: „Handel und Verkehr sowie das Geldwesen" werden als „Ausgnbenkreis des Staates" nnerkaunt. Die scheinbar radikale Forderung, de» Handel zu sozialisieren, wird aber cingeschräukt aus „Masseukonsumgütcr", offenbar unter dein Eindruck der glänzenden Erfolge, die die Zwangswirtschaft im Kriege aus dem Gebiete der Vvlksernührung auszuwcisen hatte! Das hindert allerdiugs iviederum nicht, daß die Kriegsgesellschaften an anderer Stelle als „staatlich konzessionierte Ausraubungszentralen", die „fast dnrclp ans von Inden geleitet ivaren", geschmäht werden. Feder ist sogar so großzügig, hinsichtlich der Sozialisierung des Handels aus die Leistungen „seiner Antipoden ans wirtschaftlichem Gebiet, der Bolschewisten" hiiizuweisen und ihren, Beispiel folgend ,n~ ' ' der Produktivgenvssenschasten und der V ' unter staatlicher Aufsicht" zn empfehlen, . auch kein „Bodenrcformcr", DaS Privateigentum an Grund »nd Boden ist ihm heilig; er bedauert die Verschuldung des Großgrundbesitzes und will dem Bauernstand besonderen Schutz zukommen lassen. So laut also auch der Nationalsozialismus die „Abschasfnug des (Jim $em,%iAä£t:s> Gertrud v. Sonden: Was ist wahres Deutsdttum? — Dr. S. Weinberg: Des Judentums hutturbitdende Kraft. — Hermann Fuchs; Die Gier und der Tod juiuiujeui vdcuwi., uvt el folgend „Zusammenschluß Verbraiichergenossenschasten ii. Der Nationalsozialist ist

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