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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe Juli/Mgust 1^. 0ryrm des zLntrrüllÄÄus -mttsrk^ vlüller für0eulscl»tum «nddeittum Staatsvüryer Milchen UlMvensL« Lsilnri^ <Zss IEsr^cnrins Lleugermaniflhes heiöentum. Eine Erwiderung an Herrn Pfarrer Senn. / von Rabbiner Dr. Zeiix Golömann (Leipzig), Die von Joseph Eberle heransgegcbene katholische Wochenschrift „Schönere Zukunft" veröffentlichte im September vorigen Jahres zwei Aussätze von Pfarrer S c» n (Flehingcn), die sich nntcr dem Titel „Das Komplott des Schweigens in der Jndenfrage" n. a. mit der Anfklörnngstütigkeit des Ccntralvereins beschäftigten. Die darin enthaltenen äufterst heftigen Angriffe machte Rabbiner Dr. G o l d m an n (Leipzig) znm Gegenstand einer ausführlichen Erwiderung, die er der „Schöneren Znknnst" znr Beröfsentlichnng cinsandtc. Nachden» die „Schönere Znknnft" die Slnsnayme des Artikels abgeleynt hat, bringen wir ihn auf diese Weise znr Kenntnis unserer Leser. Die Schristlcitnng. Alle Angriffe, denen Menschen oder Einrichtungen ausgesetzt sind, tragen in sich ein Objektives und ein Subjektives, Sie wollen nicht nur in ihren Wirkungen, sondern auch in ihren Motiven, Formen und Absichten gewertet sein. Je nach der Persönlichkeit eines Widersachers ivird sich die Folge in der Seele des Betroffenen darsiellcn, und der gleiche Inhnlt feindseliger Behauptungen kann ihn das eine Mal kalt lassen und das andere Mal tief treffen. So geht cs mit dem Einfluß des Antisemitismus aus die jüdische Seele! Die Feindschaft völkischer und nationalsozialistischer Kreise berührt unser innerliches Bennißtscin vom eigenen Werte und von seinen sittlichen Grundlagen nicht, denn aus ihr spricht blinder, grenzenloser und grundloser Haß, der nicht prüfen will, dessen Ursprünge nur zu oft in Torheit und Schlechtigkeit liegen, und der auch die schlimmsten Mittel, Sensation, Verleumdung, rohe Gewalt, nicht verschmäht. Dem Judenhaß dieser Parteien gegenüber suhlen wir uns stets in der Stellung der sittlichen Ueberlegeneren, der ehrlicheren Freunde der Kultur und des deutschen Vaterlandes, Anders ist es dagegen, wenn foldje Schichten der Bevölkerung sich judenseindliche Anschauungen zu eigen machen, deren politischer Ernst, deren kultnrelle und vaterländische Gesinnung als scststchcnd anerkannt sind. Und wenn eine ans katholischem Boden stehende Zeitschrift voir hoher Geistigkeit, wie die „Schönere Zukunft" es nach der allgemeine» Zustimmung auch aller nicht katholischen Kreise doch ist, Artikel verössentlicht, die inhaltlich den Produkten der völkischen Presse durchaus tvcscnsgleich sind und die auch in der Form verletzend wirken müssen, so wird ein ernstes Wort der Abwehr erforderlich sein. Die Abhandlung, die Pfarrer Wilhelm Senn in der „Schöneren Zukunft" vom 16, und 23.September 1928 veröffentlicht, nennt er: „D a s Komplott des Schweigens in der In de ns rage". Er stellt sich dabei auf den Standpunkt, daß cs ei» stilles Uebereinkommen gebe, nach dem in Politik, Wirtschaft und Kultur, wie überhaupt in der Oeffentlichkcit von der gefährlichen Nolle der Juden möglichst wenig gesprachen werden dürfe, Ein einfacher Blick in die deutsche Presse und die deutsche Literatur sowie in das politische Leben beweisen aber, wie >,»verständlich solche Behauptung ist. Es gibt n i ch t s, aber auch wirklich nichts, das nicht gegen das Judentum in aller Oesfentl i ch k e i t gesagt würde. Von der Tribüne des Parlamenls erklingt der Angriff, in vornehmerer Form nimmt ihn die deutschnntionale Presse aus, mit großem Geschrei und in unendlicher Bcrzerrung des Tatsächlichen trägt ihn die völkische Zeitung ans die Straße, Tausende von Volksversammlungen laden das deutsche Volk ein, um ihm die „Wahrheit" über Juden und Judentum zu verkünden, Hunderte von Büchern sind erschienen, die dem gleichen Zwecke dienen, und seit Jahren hallt das ganze össentliehe Leben von der „Judenfragc" wider. Wer schweigt also eigentlich? Und wer beteiligt sich an solchem „Komplott"? In Wahrheit ist cs gerade umgekehrt! Die Jude-Frage wird in alles künstlich hineingetragcn, ob sie nun für den Gegenstand eine Bedeutung hat oder nicht. Bei wirtschaftlichen, bei wissenschaftlichen, bei künstlerischen Erwägungen ist immer wieder ohne jeden ersichtlichen und inneren Grund von ihr die Rede, oft zum Schaden für die Sache, In Wirklichkeit hat man im deutschen Kulturleben dem Jiidcntiim die traurige Nolle zugewiesen, daß es zum Abstcllgelcise für olles geworden ist, was dem eiuzelucu unsympathisch erscheint, was man einmal nicht leiöen kann, öas fleht man flugs als jüöisch an. Jede Richtung, die einem nicht paßt, fei cs in der Politik, in der Kunst, in der Literatur, wird ganz einfach abgetan, indem man sie mit Aas dem Inhalt: Rilualmordprozess in Köln. — Der zweite Mütke-Brief. — Irrungen und Wirrungen der deutschen Studentenschaft. — -Die grossen kmMtttäM der Aufschrift „jüdisch" versieht, ilnd es fällt einem gar nicht aus, welche ungeheuerlichen Gegensätze dabei friedlich nebcneinandcrstehen. Der Sozialist hält den Kapitalismus für jüdisch, der Konservative nennt den Sozialismus genau so. Das Judentum wird im gleichen Atemzuge des zähen imvernünstigen FesthaltenS am Alten und der hemiiniugslosen, destruktiven Hingabe an alles Neue beschuldigt! Alan säbelt vom jüdischen Reichtum und weiß doch, dah neun Zehntel der gesamte» Zudeuheit, die Massen des Ostens, in einem wirtschaftlichen Elend leben, das in seinem Granen einfach unbeschrcibbar ist. Man spricht von der jüdischen Weltmacht, ohne sich darüber zu wundern, daß cs ihr nicht gelingen will und kann, auch nur die elementarste Gleichberechtigung der Juden — und das gilt nicht nur für den Osten — zu erreichen. Man entsetzt sich vor der Judenherrsclpst in Eowjeirnsiland und übersieht — vielleicht will man cs auch nicht wissen, — daß noch niemals, so lange die Welt besteht, eine so kraftvolle Unterdrückung der jüdischen Religion Vvrgekommen ist, wie dort. Und dasselbe Bild, dieselben Widersprüche kehren allenthalben wieder! Wenn man mir in der Allgemeinheit ein wenig folgerichtig dächte, würde man auf Schritt und Tritt das Unlogische einer Denkivcise spüren, die die Worte „unangenehm" und „schädlich" ohne Bedenken mit „jüdisch" gleichstellt. Es schweigt also keiner! Man redet vielleicht zu viel über das Judentum; und wir Juden haben am allerwenigsten ein Interesse am Schweigen, Wir wissen, daß Juden Menscheu sind wie andere auch, mit Vorzügen und mit Fehlern, mit Tugenden und Lastern! Wir verlangen nicht, daß man das Vergehen eines Inden, seine schlechte Handlungsweise vertusche, wir wollen nicht, daß man uns Toleranz erweise, aber wir verlangen Gercchtig» keik! Und wenn wir uns auch damit ab, finden, daß völkischer Fanatisiims dieses Be. gehren niemals erfüllen wird, so hoffen wir doch, daß wir an einen gläubigen Katholiken und ganz besonders an einen Priester mit der Aussicht aus Erfolg das Ersuchen richten bütjim,

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