Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Die echte deutsche Wahrhaftigkeit nimmt eben kein Blatt vor den Mund . . . Sie ist treu und offen." Woraus zu erwidern wäre, daß es in sernelten Dingen nur dein echten seelischen Takt möglich ist, Wahrheit und Schamlosigkeit zu unterscheiden. Und daß die antisemitische Wahrheit eben jene Sorte von moralischer Aufklärung ist, die dieselben Zeitungen, die uns jetzt damit überfluten, mit heiligem Zorn als verlogenes Geschäft bekämpften, solange dies Geschäft von anderen, insbesondere vom Film gemacht wurde. Wir rufen nicht nach denr Zensor, Nicht »ach einein neuen Schund- und Schmutzgesetz. Aber was not tut, ist dies, das; die niiständigc Presse jeder Richtung sich dieses Sehaudfleekes am deutschen Pressewesen erinnere. Und sich erinnere, das; hier mit der Jvnrnatistenehre ein skrupelloses Spiel getrieben ivird. ES gibt keine ärgere Heuchelei als Heuchelei ans GcschäftSgründen. Es i st e i n e S ch a n d e, d a s; d i e n n t i s e m i t i s ch e D e tz p r e s s e nnwidcrsp r v ch e n ihre o b s z v n e Heuchelei bis an die deutschen Jungen herant r a g e n dar f. Man Prüfe, sammle, sehe - und widerspreche. In allen Lagern des deutschen Schrifttums, in dem man sich jenes Treibens schämt. Professor Or. Julius Goldstein (Oarmstadt) gestorben. I n l i n § Goldstern hat ausgekäinpft. Seine tapfere Frau und ein enger Freundeskreis wußten seit Monaten, das; dieser Mann in der Blüte seiner Jahre und auf der Hohe seines Leben? unrettbar einen; tückischen Leiden verfalleil war. Jeder wünschte ihm leichte Erlösung, und jeder sürchlcte doch den Augenblick, ■ wo dieses mutige Her; zu schlagen aufhören würde. Ein schmerzloser Tod hat ihn von uns genommen. Noch ist die Trauer zu frisch, um der Lebensarbeit dieses Hervorragenden ruhig zu gedenken. Das deutsche Judentum und vor allem unser Centrnlverem ahnen erst, tvelche Hingabe und Tatkraft der Verschiedene mit in die Ewigkeit nahm- Seine bezwingende Gestalt steht am Aortragstisch vor uns. In fein geschlissener Rede und mit der glücklichen Gabe, ivissciifchnftliche Tatsachen leicht faßlich Vvrzntragen, zieht er ein gebildetes Publikum sofort in seinen Bann. Mit erlesener Feder schrieb er die für unseren Kampf so unentbehrlichen Betrachtungen über „Rasse und Politik" und seine so klärende und klare Schrift über ..Deutsch-völkische Idee und deutsche Bvlksidee". Wir dankten stets dem Schicksal, daß unserer Sache ein so beredter, vornehmer Kämpfer beschieden war. Die Gediegenheit und die Ehrlichkeit seiner ivifsenschaftlichen Ausführungen verfehlten auch in nichtjüdischen Kreisen niemals ihren Eindruck, lieber den Bersainmlungssaal hinaus knüpfte er zahllose Fäden zur Gelehrte»- und literarischen Welt, und im „Morgen", seiner Zweimonatsschrift, trafen sich Inden und Nichtjuden zu wissenschaftlicher und gebildeter Anssprache über all die Prvbleine, die uns bewege;;. Wer kannte besser als er die geistigen Strömungen der Zeit? Wer beriet uns besser ans dieser Kenntnis über das, tvas zu tun nötig »nd was zu meiden empfehlenswert tvar? Wer das Glück hatte, in seinem büchergesülltcn Arbeitszimmer in Darmstadt mit ihm auch nur eine Stunde ernsten Gedankenaustausch zu pflegen, der verließ ihn angeregt und erfüllt von neuen Gesichtspunkten »nd reichem Wissen. Unsere Gedanken weilen in diesen Tagen in Darmstadt bei seiner Familie, und »'ärmstes und innigstes Mitgefühl gilt seiner Gattin, die ihn, so unendlich viel bedeutete, die ihn so einzigartig unterstützte, und seinen Kindern. Julius Goldstein. Möge uns tii; gütiges Schicksal wieder solchen Kämpfer für Tcntschtnm und Judentum erstehen lassen wie Julius G v l d ft e i ii. A. W. Jakob Barschewi von Creuenberg. „Ei« geaSelter Finanzier von 1022." Cm, Freund mifcvcS Blaltcs sendet tmS nachstehenden Artikel, den er in einer alten Hamburger Zeitschrist ans dem Jahre 1858 fand. Die gdniitlcitunfl. Ei» geadelter Finanzier von 1622. Einen intercssatitcn Beitrag zur .Kulturgeschichte durfte ein kleines Büchlein „Der alte israelitische Friedhof zu Prnga", welches binnen kurzem die Presse verlassen wird, Nieten, da es uns einen tiefen Blick in die .Kreuz- und Qnerzüge der Indem insbesondere in Deutschland, tun läßt. Unter vieicn anderen darin enthaltenen interessanten Biographien durste aber die eines von den; durch seine» religiösen Fanatismus bekannten Ferdinand II. in den Adelsstand erhobenen Inden für das allgemeine Interesse die hervorragendste sein. Dieser Mann hieß Jacob Bnsschewi von Treucnberg, vulgo Jacob Schmilcs, seit 1621 in allen amtlichen Urkunden seiner k. k. Majestät Diener und Hoshairdelsmann genannt. Kaiser Ferdinand II. bestätigte nicht nur die Privilegien, die er sich durch seine Verdienste um das Hans Habsburg i» der Ncgierungszeit Rudolphs II. und Matthias' erworben, sondern fand sich bewogen, ihn zugleich in den erblichen Adelsstand des Heiligen Römische» Reichs Deutscher Nation mit dem Prädikat von Trenenberg zu erheben. Dieses Adelsdiplom, welches sich bis aus den heutigen Tag im Archive einer Prager Synagoge befindet, ist von Ferdinand als römischen Kaiser am 18. Januar 1622 und als König von Böhmei; im September 162» nnsgcsertigt und vom böhmischen Kanzler von Lobkowiz und dein bekannten Geheimschrciber Philipp Fnbricius lontrasigniert. Sein wesentlicher Inhalt ist in Kürze folgender: „In Berücksichtigung des redlichen Wandels und der treuen Dienste, die Bnsschewi der k. k. Kammer durch allerhand Eröffnungen in Beziehung ans die Regalien und Jntrada bisher erwiesen und noch täglich erweist, wird er samt Weib, Kindern und Haiisgcsind in besonderen Schutz und Schirm genommen, die ihm von den früheren Monarchen Rudolph und Matthias erteilten Freiheiten nicht nur bestätigt, sondern auch mehrere andere zngefügt. Es wird ihm, seinen Erben und Nachkommen gestattet, überall in dem kaiserlichen Erblande. eS sei in Städten, Märkten oder Flecken, gteichvie! ob dort Inden wohiieii oder nicht, auch in Prag, Wien oder wo iminer, samt den iLcinigen zu wohnen, Häuser eigentümlich zu erwerben und allenthalben Groß- und Kleinhandel jeder Art zu betreiben. Sowohl er persönlich als auch sein Vermögen und seine Realitäten sind von jeglicher Art Steuern und Abgaben, auch seine Waren, wenn er dem Hoftager nachzicht, von allen Maiithgebühren befreit, auch ist ihm im kaiserlichen Quartier zu wohnen gestattet. Ferner wird ihm und seinen Nachkommen ein dort ausführlich beschricbencs Wappen, einen blauen Löwen mit acht roten Sternen nn schwarzen Felde führend, ans ewige Zeiten verliehen und ihm gestattet, dasselbe in Petschaften, Insignien, Geschäften und auch sonst nach Wohlgefallen zu gebrauchen, wie er auch aller damit verknüpften Rechte und Freiheiten, Vorteil und Ehre, soivie sie allen im Heiligen Römischen Reich befindlichen Wappcnlciiten zukommen, hierdurch teilhaftig erklärt ivird. Auch ivird ihm das erwähnte Adelsprädikat erteilt, damit er und seine Nachkommen solche» Ziinainen in allen ihren Nntcrschrifteii, Titeln und Insiegeln gebrauchen sollen, und schließlich ihm das Recht eingeräumt, daß er keinem anderen Tribunal als dem Hofinarschallamte zu unterstehen habe." Das war wohl der älteste jüdische Finanzier, der mit dem Adel bclehnt wurde? Unser Rampf gegen die ßrieöhofsschänüer. De» den Mastnahmen, die der Eentralvcrvin oeulscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die grenzenlose Verrohung im össentlichen Leben Deutschlands, die sich in den zahlreichen Friedhvssschändungen in so trauriger Weise verwirklicht hat, unternahm, gibt eine Denkschrist Über die „Masmahmen zur Bekäinhsung der Friedhvssschändiinge» in Deutschland; mit einer Liste der Shungogenschündungen" ein bcntlidjcS Bild. Tie Denkschrift enthält einen historischen Ueberblick über Friedhofsschündungen, die eine genaue Liste der 71 Schändungen jüdischer Friedhöse seit 1923, eine Liste der Synagogenschändungeii, die Ergebnisse unserer Schritte bei den Behörden, ein Bild von der Auswirkung in der Presse und einen genauen Bericht über die Kundgebung „Versündigung a» der deutschen Kultur", die am 18. Oktober 1928 im Herrenhaus stattfand, auf der neben zahlreichen führenden südischen Persönlichkeiten der Neichsminister der Justiz, der Präsident des Preustischen Lairdtags, der Staatssekretär Hölscher vom preustischen Justizministerium und der Pvlizei- Vizeprüsident von Berlin sprachen. Zahlreiche Bilder-verwüsteter Friedhöfe Vermitteln ein trauriges Bild von der Auswirkung gewissenloser antisemitischer Heste. Interessenten steht die Denkschrist durch den Philo-Verlag, Berlin 81V 68, Lindenstraste 13, zum Preise von 1 Atnrk zur Derfügung. Gesamte redaktionelle Leitung: Dr. Ludwig Holländer. VeraiU Dr. Margarete E d - l h e i m. Beide Berlin 81V 08. Druck: RudolsM ° sse , Berlin 81V 1«.