Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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unvlrwrntum NIonatsausgabe Juni 192^ 0rymi des Llllrol-Vereius üeutfrkerj Slmttsdüryer jjwtkden lUauvenSLv. Lsilunx^ ciss Der -rutsche Talmud / Soeben hat im Verlag Biblion in Berlin eine neue deutsche Talmudübersetzung zu erscheinen begonnen. Sie ist von Lazarus G o l d s ch m i d t hergestellt, einem j ü b i» schen Verfasser. Schon seit langer Zeit ist eine Tnlnuidübersetznug von ihm bekannt, die sowohl den Urtext als auch die deutsche Uebersetzung bietet. Der hohe Preis aber und der Umfang dieser Foliobnnde verhinderten es naturgemäß, daß diese Arbeit in weiteste Kreise drang. Ganz anders ist das nun bei der neuen Uebersetzung des babylonischen Talmud. Hier bietet Gvldschmidt lediglich den deutschen Text dar und fügt nur die ganz unerläßlichen Anmerkungen hinzu. Außerdem erscheint diese Ausgabe in sehr handlichen, klar gedruckten und geschmackvoll ansgestatteten Bänden, und zwar zu einen, sehr billigen Preise. Was ist die Bedeutung dieser Tatsache? In Zukunft ist nun jeder — vor allem jeder Deutsche -- leicht in der Lago, den Talmnd a u s e i g e n e r Anschauung k e n n e n z n l e r n c n. Sobald ihm Talmudzitate entgcgeugebracht werden, kann er sie leicht ans ihren genauen Wortlaut und Zusammenhang hin nachprüfeu. Das aber ist bei jedem Urteil über irgendeine Talmndstelle unerläßliche Voraussetzung. Leider konnte sie bisher von nur wenigen bequem erfüllt werden. Da der echte Deutsche den Ruhm der Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit gern für sich in Anspruch nimmt, hat er nun, wenn es sich um den Talmud handelt, die Möglichkeit, diese Eigenschaften auzinveuden. Es ist klar, daß diese uilnmchrige Sachlage sich allmählich als sehr förderlich und zweckmäßig auswirken wird. Nicht genug kann man sich ferner die Bedeutung der Tatsache klarmachen. daß es ein jüdischer Verfasser ist, der mit dieser Uebersetzung den babylonischen Talmud in deutscher Sprache zunächst der deutschen Oefsentlichkcit zugänglich macht. Es kann doch nicht besser die Meinung derer als falsch erwiesen werden, die meinen, daß das Judentum ein Interesse daran hätte, den Talmud vor den Angen der deutschen und sonstigen Oefsentlichkeit uröglichst zu verbergen. Die Uebersetzung folgt dem Urtext sehr genau und sorgfältig. Sie ruht vor allein auf der ersten Druckausgabe des babylonischen Talmud, die Da n i e l B o m b erg" in den Jahren '1520 bis 1523 in Venedig hat erscheinen lassen: Daniel Bömberg war Christ. Denkt »>a» sich nun, daß heutige Gebildete die Uebersetzung Gvldschmidts einmal zur Hand zu nehmen — und das sollte» alle kn», die über dcik Talmud urteile» —, so >vird »innchcr sicherlich, wen» er nun etwa de» ersten bisher erschienenen Band liest, damit allerlei Schwierigkeiten habe». Vieles wird ihin, auch >ven» er einzelne Seiten wiederholt und anfinerksam liest und einzndringen vcre, völlig nnverstündlich bleiben. Er lasse sich dadurch nicht nbcken und beirren. Der Talmud ist für diejenigen, die ihm zunächst ganz fernstehcn, keine leichte Unterhaltniigslektüre. Gr ist das auch für denjenigen nicht, der sich schon längere Zeit mit ih»i beschäftigt hat. Es spricht ans diesen, Buche zu den, Leser ei» großer Scharssinn, außerdem eine Begabung, die voriviegend ans das einzelne und anscheinende Kleinigkeiten gerichtet ist. Will man daher von diese», Buche e t w a s h n v e n . so ,„ n ß man sich ebenfalls aus d n s c i „ z e l » c und a u f .E i ».-, zelheiteII ein ft dien. Man sicht ja auch sehr bald, das; es sich hier um ein Buch handelt, das Ueberlicferunge» bringt, eine Fülle von Eiiizclansspriichcn, Sentenzen. Gleichnissen, Ancldoten, Bibclanslcgniigcn und Bibelzitnten, Wundergcschichten „sw. Stellt man sich de,»gegenüber auf das einzelne ein, so füllt fast auf jeder Tnlmndseite viel Lehrreiches und durchaus Verständliches ans. Solche Einzelheiten sind z. B. in dem erste» Bande folgende: Der erste Abschnitt des Talmud will das Gebet sieben, das gottesdienstliche, shiiagogale Leben, genau regeln. Da sieht man denn deutlich, wie der Talmud zu eifrigem Gebet ermahnt und znni Besuch des Gcbetshauses. Da ist von dem für jeden Frvninien sehr wichtigen Problem die Rede: „Wie reimen sich die Leiden der Fromme» mit der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes?" Es werden für die Frage die Z ü ch t i g u n g e n d e r S t r a f e und die Züchtigungen der Liebe Gottes unterschiede,,. Die Pflicht zu», Krankenbesuch wird eingcschnrft, von Hochzeit und Tranerfnll in den Häusern der Nabbinen wird berichtet, auch gelegentlich von den letzte» Worten eines Rabbis, die er angesichts seines nahen Todes gesprochen hat. Man sieht, wie das ganze Leben des srvmmeii Juden bis in alle Einzelheiten ,,»d Bereich, tiingen hinein von Verpflichtungen zum Gebet durchzogen ist. Auch der B r n u t i g a „i und der Arbeiter haben ihre religiösen Verpslichtiingen. Dabei läßt naturgemäß die genaue Regelung alles dessen in bestimmten Eiiizelfällen allerlei Erleichterungen und Ausnahmen zu. Es steckt in dein allen der z i c l b ew n s; t e und e»c r g i s,ch e Versuch, das gesamte Leben des c i n - z e l „ e n und des Volkes mit der Frömmigkeit in B e r b i n d „ „ g z ri s e tz e n u n d m i t i h r z u d u r ch dringe n. Ans den zahlreichen kleinen Gebeten, die vor dem Essen oder Trinken Pflicht sind, sicht man, wie namentlich auch diese Tätigkeiten deS Mensche» mit dem Dank an Gott und dem Lobpreis Gottes als des Gebers dieser Gaben verbunden sind. Diese Gebete hatten und haben, je »ach der Art dessen, was man ißt oder trinkt, einen verschiedenen Wortlaut. Daher erziehen sic zur religiösen N n t >i r b e t r a ch t» „ g. Man ist ja auch bei besonderen Statur* erscheiiiniigen verpflichtet, einen Lobpreis Gottes zu sprechen. Auch ei» T r a » m b n ch findet sich in diesem Tnlinndtraktat, d. h. eine lauge Reihe von Angaben zur Deutung von Träumen. Diskussionen und Anekdoten wechseln in bunter Folge mitciuander ab. Oft läßt sich beobachten, daß man mehrere Aussprüche desselben Rabbis znsanimeiigestellt hat. Man muß ja bedenken, daß diese Stoffe »rspründlich mündlich überliefert worden sind. Do brauchte man solche Gedächtnishilfen. Oft läßt sich auch eine Sochordniing der einzelnen Stücke erkennen. Man ließ Aussprüche verschiedener Rabbinen zu demselben Thema aufeiiiaiiderfolgen oder auch Aussprüche und Lehren, die durch die gleiche Form miteinander Zusammenhang hatten. Alles dreht sich dabei um die Auslegung der „Thora", d. h. des alttestnmciitlicheii Gesetzes, der fünf Bücher Mose, und dann überhaupt um die Auslegung des gesgmtei, Alten Testamentes. Außer dem Traktat über die Gebete enthält der erste Band der neuen Tnlmndnbcrsetznng vor allem auch noch den Traktat Sabbat. Schon daran, «daß dieser Traktat 24 Kapitel hat, sicht man, >vic lvichtig die Heiligung des Sabbats für die jüdische Frvmmig- Aus dem Inhalt: „Die vluklüge in aller und neuer Zeit" — Professor Dr. Basnihk« (Heidelberg): Zwei Streitschriften Gabriel Rießers — Nutznießer der Lüflernheik.