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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-01 · Heft 4 (April 1929) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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32 Thema: „teXiS 5111c Testament und [eine Bedeutung für die Volksfdjulbilbmifl." Tabei führte er unter anderem mt§: ,,Die einseitige Betonung des Minderwertige» im Alte» Teslauient ist ungerecht lind nnzlitresseud. weil cS unbestreitbar and) für deu Stmidpnult seiner heutigen Feinde (!) viel Hochwertiges und Schönes von unvergänglicher Bedeutung enthält. Das Alte Testament hat für die Gemeinde die Funktion, ihrem Leben eine nüchterne diesseitige Wirilichlei!?- grundlage zu geben (Positive Wertschätzung des Dienstes im Berufe, der Arbeit, der Familie, der schlichten bürgerliche» Gerechtigkeit und Tapferkeit, der Hilfe und des Segen? Gottes in den alltäglichen Dingen dcS irdischen Lebens) und sie vor dem Entgleise» in eine blutleere Jenseitigkeit zu bewahre»." Hat denn Lessing seinen „Nathan" ganz umsonst geschrieben? Und wie zutressend äußert sich unter den Neuerern der berühmte Hnrnack dahin: „Das Alte Testament ist ein heiliges Buch, ein Erbaunugsbuch. ein Buch des Trostes, der Weisheit und des Rates, von unvergänglicher Bedeutung für das Leben" („Wesen des Christentums"). Judentum und Christentum haben als Verbindungsbrncke die Anschauung gemeinsam, das; tn;§ Alte Testament die Urkunde der Offenbarung des lebendigen Gottes ist. Andächtig, ehrfurchtsvoll sitzen die Vertreter beider Religionen zu den Füßen der Propheten, beide beten mit Inbrunst die Psalmen, beide erkennen und verehren in der ältesten religiösen Urkunde Wort und Willen des höchsten Wesens im Himmel. Der rastlose ForschungStricb, der ein charakteristisches Merkmal der Gegenwart ist, hat cs seit geraumer Zeit mit sich gebracht, daß auch die verschiedenen Neligione» zu eingehenden, objektiv gehaltenen Untersuchungen und Studien hernngezogen worden sind. Acngstliche Gemüter waren darob voll Sorge. Alan sürchtele, das Heiligt»»; der Religion wurde dadurch Gefahr leiden und gesclsiidigt werden. Allein die Wahrheit mag aus Zeit verdunkelt werden, zuletzt wird sie doch immer zum Siege durchdringcn. So auch hier, lim nur eines nnznsührcn. Wie sehr haben die gründlichen Forschungen aus veligionsgeschichtlichem Gebiete dazu beigetragen — trotz der vielem Rätsel und Probleme, die innncr verdeckt bleiben werden, weil sie unlösbar sind —, daß wir immer wieder ans das Hereinragen einer anderen Welt in »nscre Welt, ans eine Offenbarung Gottes hingcwicsen werden, daß wir niemals daraus verzichten können, mein; uns nicht der Boden unter den Füßen zusnnumcnbrechcn soll. Und anderes mehr. Israel selbst ist das Volk des Gesetzes. Einfach, anschaulich, leicht verständlich für jedermann steht das Gesetz bis hcntv vor uns, mir es durch den Mittler Moses, eine der ersten Größen der ganzen Weltgeschichte, ans der Hand des höchsten Gesetzgebers gekvnnnen ist. Eben diese? Gesetz sollte nicht bloß eine Scheidewand, eine Schntznmuer gegenüber der umgebenden Hciden- >vclt bilde;;, damit Israel in Gottesvorstellung und Kultus den; Glauben der Pater treu bleibe, sondern es sollte zugleich auch der Kanon, die Richtschnur für die religiöse Bildung und Bindung dcS einzelnen sowie des gesamten Volkes sein. Die Kulturgeschichte der Bulker erzählt uns davon, das; vom Sinn; ans diese Welle weit weit hinaus geflutet ist. Das Land, das Israel zngewicscn ward, zeigte eine Doppelnatur. Gegen Süden ans unsrnchtbaren Felsen, aus denen die Gvitosstadt Jerusalem erstand, wo lein Pstanzenwuch? zur Nahe in seinen; Schatten einlnd, da war cs der Ewige, der die erste Nolle spielte, seine Gerechtigkeit und Heiligkeit, die alles andere zu verdrängen schien. Anders gegen Norden. Galiläa zu: „Hier konnte sich nichts an Milde und Liebreiz der Natur vergleichen, besonders an einen; Frühlingstag. Da wimmelte eS vor Feldblninen an jeden; Vergcshang; blühende Hecken hielten Wacht bei Feigenbäumen und Oliven, bei Wein und Orange», In der Ferneblinken die Wogen des Gene-arcth zwischen duftenden Oleandern. Muntere Gazellen und der Ruf des Kuckuck am Jus; des Tabor, während seine Spitze im Sonnenlicht träumt und der Storch still oben in der blauen Lust segelt. In solchem Paradies ftiimute d;e Natur selbst zu Freude und Frieden. Die Bevölkerung war wohlhabend, freundlich und hilfreich, sie hatte nur wenige Bedürfnisse,;;»d gering war der Abstand zwischen nr»; und reich." hier war es, tvo die Liebe und Barmherzigkeit des gütigen Gottes recht sichtbar in die Erscheinung trat. Mit seltener Energie, mit wunderbarer Zähigkeit hat eben diese? Bolk 1800 Jahre lang den aus Aegypten mitgesührten Schatz, den Glauben an den eine» unsichtbare» Gott, beivnhrt und verteidigt. Dabei war es lein starres, eisernes Dogma, weiches jeder Weiterentwicklung, jeden; Fortschritt abhold gewesen iväre. Die babylonische Gesnngenschast, die Berührung mit Freniden ging nicht ganz spurlos vorüber. Der Kern blieb iiitatt, nur an der Peripherie machten sich kleine Verschiebungen bemerkbar. Dieses gilt für Babylon und Persien, nnch sür Griecl-entand nach der Zeit Alexanders des Großen. Aber feine göttliche Mission verlor Israel nie ans den Augen. Die Sondereigeutümliehleit dieses Slainines wird niemand leugnen wollen. Wer nur einigermaßen in der „Geschichte" zu Hanse ist, kennt das Urteil der Historiker, das darin einmütig ist, und;;>ird ihn; znstimmen. Wir leben in einer Zeit, i» der jeder Gebildete das Bedürfnis suhlt, ja gar nicht anders kann, als sich persönlich mit der „Judensrage" ankeinanderznsetzen. Allülernll, in der Gesellschaft, in der Presse, in wissenschastlichen Werken ist von ihr die Rede, wird sie bald verständnisvoll, bald und zivar meistenteils n;!t Unverstand, mit Kritiklosigteit, mit unerhörter Leidenschaftlichkeit behandelt. Die Ausgabe aller Konfessionen sollte darin bestehen, die vorhandenen Gegensätze anszugteichen und z>; versöhnen, die Kluft nicht zu eriveiten;, sondern zu Überdrucken. Aber wie wenige geben sich die Mühe. die bösen Geister z» vertreiben. Wer es dennoch unternimmt — und cS ist ein Wagnis —, seine Meinnng cniSzusprcchen, seine Iteberzeugung kundzugebe», ritzt seine Hand blutig an dem Dorngestrüpp lind liiuß sich daraus gefaßt nmchen. inns; es riskieren, daß er gcsettschastlich sich unmöglich macht, daß er Freunde verliert, daß er verlnuiit, verhöhnt und verfolgt wird. Wird es gelingen, das Alte Testament ans de>; Schulen zu verbannen, so wird die Lage nicht besser, sondern nur;;ock> viel schlimmer. Darum muß die Aufklärung, der Heilungsprozeß schon bei der Jugend beginnen. Eine Jüdin als Inhaberin des Eisernen Kreuzes von 1813 bis 1815. Zum Gedächtnis einer Vergessenen. Von L. Horwitz (Kassel). Ans der Geschichte der Freiheitskriege ist bis vor einigen Jahrzehnten nur die Heldin Eleonore Prochaska allgemein bekannt. Sie trat tintcr dein Rainen August Renz in das Lntzowsche Freikorps als freiwilliger Inger ein, wurde in eine»; Gefecht in der Göhrde schwer verwundet; dabei wurde ihr Geschlecht entdeckt. Die Nnchivclt errichtete ihr in Dannenberg, Provinz \ Hannover, ein Denkmal, eine Stiftung zwecks Fürsorge siir Veteranen, bereu Witwen und Waisen führt ihren Namen, sickert und Friedrich Förster verherrlichten sie in Gedichten, und Mich für einen Operntext gab sie Stoff. Sehr wenig weiß die Allgemeinheit, auch nicht die jüdische, voi; einer hessischen Jüdin Esther Manuel, die m Manuesklcideru die Feldzüge für die Befreiung ihres Vaterlandes mitmachte. Ihr ist kein Denkmal gesetzt, und kein Dichter besang ihre» Mut. Es ist ein bleibendes Verdienst des Historikers Martin P h i l i p p s o;s im Baud I Seite 8b seiner „Neuesten Geschichte des jüdischen Aollcs" aus die Heldin hin gewiesen zu haben, wie schon 1906 in der „Monatsschrift für Geschichte und Wisscusckiast des Judentums", ihm folgte Vogelstein in; „Schulberichl der jüdische;; Gemeinde Königsberg", 1913, gelegentlich der Jahrhun-dcrtscier. PhiliPPsvus Quelle war die „Bossische Zeitung" vom V. Dezember 1815. Er schreibt von der Jüdin Manuel: „Luise Grnsemus (eigentlich Esther Manuel, ans Hanau gebürtig, 3V Jahre att, jüdischer Abkunft und Religion), Witwe des Wachtmeisters GrasemuS im Regiment Konstantin Gnrdc-Itlanen, wollte ihrem Manne, der sie und zwei Kinder (ein Mädchen, jetzt 10 Jahre alt. und einen Knaben, 8 Jahre alt) verlassen hatte, in; Jahre 1813 nach Schlesien imchzichen, entschloß sich aber, in der Hilflosigkeit, ivorin sie sich befand, als sie Berlin erreicht hatte, selbst Kriegsdienste zu nehmen, nelches ihr um so leichter ward, -da sie in Mamiskleidern reiste. Sie trat daher in das Köuigsberger zweite Landwehr-Ulanen-Negiinent unter den; Major Hcrinaim, inachte die Feldzüge 1813 und 1814, erst als Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister init. wurde Ztveimal verwnndct, lei' Jüterbock an; Fuße, in der Gegend von Metz, erhielt aus -den; Marsche durch Holland 1814 im Arnwekorps dcS Grasen Bülow von Dennewitz daS Eiserne Kreuz, traf unvermutet am 29. März 1814 mit ihrem Mmme (der noch immer in russischen Diensten stand) lei Montumrtre zusauunen, verlor ihn aber schon au; folgenden Tage durch eine Kanonenkugel. Mit ehrenvollen Wunden und Auszeichnungen ledeckt, mit den ehrenvollsten Zeugnissen des Wohlverhaliens entlassen, ist sie seitden; vom Regiment abgogaugen und kehrt nun nach einigen; Aufenthalte in Berlin, nach Erfurt oder Hanau, ihrer Heimat, zu ihren Kindern zurück. Möge sic dort ihre Mntterpflichtcn mit eben dcr Treue ersüllen, die ihr als Krieger den Beifall Sr, Majestät deZ Königs und des prcnstischeu Heeres erwarb! Möge ihr aber auch allgemeine Teilimljme werden, und Unterstützung Vvn vielen Wohlwollenden und Edelu, damit sie, ihrer vorigen Lebensbahn zurückgegeben, im Staude sei, sie zu ihren; und ihrer Kinder Glück, heiter und sorgenfrei zu durchlaufen!" Dieser Bericht wird in der amtlichen russischen Militürzeitnng „Der Nussische Invalide" von; 25. Januar (6. Februar) 1815 bcstäiigt. Außer ihr wurden noch 72.jüdische Kämpfer in Preußen init dem Eiserne:; Kreuz ausgezeichnet.. ' Gesamte redaktionelle Leitung: i. B. Dr. Alfred Wiener. Verantwortlich! Dr. Margarete Edel beim. Beide Berlin 84V «8. Druck: Rudolf M o s s c, Berlin 84V 4M.

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