Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 3 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nonatsausgabe _ _ _ Rttfrel H^eLrr; VMttzr M-eutsrktumdMl>rtzlm des tentnüVerems örulsrK« L Allgemeine Zeirun^ des Judenrums Der Talmud und die vier Fakultiiten. Bon llk. o. Rani Mig, Rrwatdomt an der Mivmilät LoWg. Bekanntlich wird der Talmud viel umstritten. In diesen Erörterungen ist meines Wissens ein tvichtigcr Gesichtspunkt bisher noch nichtzur Geltung gebracht worden, der zugunsten des Talmud in '.'lnschlag gebracht werden muß: seine große wissenschaftliche Bedeutung. Bon dieser soll hier in einer Weise die Rede sein, die iveiteren Kreisen zugänglich ist. Tie Nniversitätswissenschaft Pflegt sich nach den sogenannten vier Falnltnlen zu gliedern. Diese vier Fakultäten sind: die theologische, die j u r i st i s ch e, die medizinisch-naturwissenschaftliche und die philosophische. Freilich ist diese alte Einteilung infolge der Ausdehnung der heutigen wissenschaftlichen Forschung namentlich für die inedizinisch-natnrwisscnfchastliche und die philosophische Fakultät unbequem. Besonders bei der philosophischen Fakultät sind eine Reihe von Unterabteilungen zu machen, die wiederum in sich sehr große Gebiete innsasscn. Sv kann inan hier die Philologie (orientalische, romanische, slawische, bcrmanistischc) unterscheiden, ferner die Geschichtswissenschaft mit ihren Unterabteilungen, außerdem das reiche Gebiet der Geographie und Völkerkunde, ferner die eigentliche Philosophie, endlich die wissenschaftliche Pädagogik. Was soll es nun heißen, daß der Talmud für alle vier Fakultäten eine wissenschaftliche Bedeutung hat? Es handelt sich dabei nicht etlva um etwas künstlich Konstruiertes, sondern um etwas, was in der Natur der Sache liegt und auch schon weithin innerhalb der Wissenschaft tatsächlich zur Geltung^gcbracht worden ist. Natürlich kann im folgenden nur eine kurze «kizze geboten werden. Ich gehe die genannten Fakultäten in der angegebenen Reihenfolge durch und beginne mit derjenigen Fakultät, die mir am nächsten liegt, d. h. mit der theologischen. In erster Linie denke ich dabei an die e v n n g e l i f d) - theologische Fakultät. Der Talmud nnv die theologische Fakultät. Im Zusammenhang mit der evangelisch-theologischen Fakultät besteht sowohl in Berlin als in Leipzig ein eigenes wissenschaftliches Institut zur Pflege der rnbbinischcn Wissenschaften. Ich fasse im folgenden „Talmud" iin weitesten Sinne der „rabbinischen (Wissenschaft"; denn alle Zweige dieser Wissenschaft hangen nüt jenem großen, um 500 nach Christo abgeschlossenen Sammelwerk jüdischen .Gelehrtentums und jüdischen Levens zusammen, das der Talmud Par stellt. Inwiefern dienen denn nun jene beiden genannten Institute der theologischen Wissenschaft? Mit anderen Worten: Wie kommt die evangelische Theologie und Religionswissenschaft dazu, sich um die sRabbiniea jetzt mehr als bisher zu betümmer»? Daß diese Entwick- 'l»ng cintrcten mußte, läßt sich auch jedem der theologischen Wissenschaft Fernstehenden leicht klar.nachen. ' Kürzlich erschien in vier starken Minden ein „Kommentar zum Renen T esta man t a u 8 Talmud und Midrasch", cherausgegeben von Strack und Bill er deck, versaßt von Bilckcrbeck. Weitere Kreise sollten wenigstens einen Blick in diese (rcichlMige Fundgrube zu wissenschaftlichem Verständnis dos Nene n -Testamentes tun. Dann würden sic sehen, wie oft das Neue Tcstasinent dazu Anlaß gibt, pabbiNische Stoffe heran,znziehen, wen» es -gilt, es richtig und genau zu verstehen. Und diese Sachlage liegt Iß in der Natur der Dinge: denn Jesus, Paulus, Johannes waren Pm Geburt Inden. Pharisäische Gedanken, Lehren, Ansdruckssvrmen wegegncn uns im Neuen Testament auf Schritt und Tritt. Plan hat er- Nnnt, daß die Gleichnisse Jesu, seine Aussprüche, seine Münder, die kleinen in den Evangelien vorliegenden Anekdoten aus seinen! Lebe», daß die Art der ursprünglich m u 11 d - auss engste mit den entsprechenden rabdnchchen Stonen zusammenhängen. Tn die heutige neutestammtliche Wissenschaft eingeschen Imt daß man die Umwelt des 'Neuen Testamentes kennen muß. irenn inan das Neue Testament richtig beurteilen und verstehen ivitl. so untersucht man denn auch notivendigcrweise die rabbin i sche Literatur, da sie zu dieser Ninwelt gehört, nin ihr alles das abziigewinnen, >vns sie für die nentostamentliche Forschung abwirst. Die älteren Schichten und Neberliefernngen des Talmud gehen ja in die erste christliche und sogar in vorchristliche Zeit zurück und stammen aus Palästina, so. daß sie schon aus diesen Gründen über die U in weit Jesu unb d e_8 R tuen Te st a w c n t c § viel ausznsagcn haben. Außer ans Ltrack-Billerbeck weise ich noch auf Herford, „Die Pharisäer", hin, ferner ans G. F. Nt oorc, „.luckaisiu ui!!>«> first eeiituries of tlio Christian aera", außerdem auf meine Schriften „Rabbinische Gleichnisse" „Der Erzählnngsitil der Evangelien". Die Gesamtlage der heutigen ncutestamenttichen Wissenschaft den' rabbinischen Studien gegenüber wird sehr gut ski.zziert in G. Kittel, „Tie Probleme des palästinischen «pätslidentums und des Urchristentums". Bor allem sei auch darauf hingewiesen, daß H. L. Stracks „Ansgewähltv Atischnatrnktate", ferner die gesamte Lebensarbeit G. Dal in ans die Notwendigkeit der Rabbinica für das Verständnis des Neuen Testaments beweisen. Man denke da an Dalinans „Orte und Wege Jesu", ferner an sein Buch „Arbeit und Sille in Palästina", außerdem etwa an sein „Aramäisch-Neuhebräisches Wörterbuch" und seine „Aramäischen Tinlettprvben". Damit, daß die rabbinischen Studien ihren Sitz in der neut e st a in entti ch e n Wissenschaft haben, die ja für die gesamte Theologie zentrale Bedeutung hat,!st deutlich, wie grundlegend sie lür den Theologen sind und daher immer mehr werden sollten. — Außer der n c u testainentlichen Wissenschaft gehört die altr e st a nr e n t I i che zur Theologie mit 'Notwendigkeit hinzu, ferner die K i r ch e n ge sch i ch te und die allgemeine, vergleichende Religio n s g e s ch i ch t e, außerdem die s y st e i» atis ch e Theologie tDogmatik und Ethik und Apologetik!, endlich die Praktische Theologie (Liturgik, Homiletik, Pädagogik und Katechetik). Daß das Berliner Institut zur Pflege der rabbinischen Wissenschaft von dem A l t t e st a ui e n t l c r Professor strack begründet und das entsprechende Leipziger Institut als „spätjüdische Abteilung" dem A l t t c st a in e n t l i ch c n ^cnininr angegliedert ist, zeigt, daß cs gerade Alttestamentlern wie Professor Strack in Berlin und dem Begründer des Leipziger Lektorats für Rabbinica, Professor 0i. Kitt e l, nahegelegen lfat, den Rabbiuien eine Stätte innerhalb der Universitätswisseiischnft und auch zum Ausbau der a l t tcstamentdtuA Selbst am Volkstrauertag —LudendorH spridit. > WeissiDu das? -RedttsamvaltDr.HansReidimann: Religionsvergehen ' — ein reaktionäres Delikt? Dr. Allred Wienert Zum Tode Jakob Loewenbergs - I. Lichtenstädter (Hamborg)* Von der Hamburger Typhusepidemie 21864