Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2571117-2571156-2571158--331-2571651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vlällrr sür-eufscdtmn^ undTnocntum.^#’ i vryan -es CentrnJ-Vmins -cutfckerl Stlmtsvüryerjü-isclrenklmlvens'Lv. Allgemeine Zeitung des Judentums / Von Raimund Eberhard (Schwerin) Ein christlicher Leser unseres Blntteö schreibt u»ö: Unser Antisemitismus in seinen verschiedenen Spielarten, insbesondere auü) in seiner religiiis gefärbten Richtung des „Deutschchristentums", nimmt immer mehr wahrhaft" groteske Formen an. Es tritt eine geradezu ungeheure Ueberschätzung des sogenannten „arischen" Blutes und eine sich immer steigernde Herabsetzung des sogenannten „semitischen" Blutes ein. die an die schlimmsten Zeiten des Hexenwahns erinnert. So hörte ich vor einiger Zeit eine antisemitische Wanderrednenn. die sich unsere Dcutschvölkischen für öffentliche Vorträge hatten kommen lassen, mit Begeisterung und unter lebhaftem Beifall der Zuhörer die Botschaft verkünden: „Dem Semiten ist sein Gesetz das Höchste und Heiligste, dem Arier sein Blut." Und in eineni anderen judenfeindlichen Vortrag wurde dein „Trottel" Abraham der Semiten, als Heros der Juden, die „Lichtgestalt" des arischen Siegfried als Heros der Germanen gcgenübergestellt. Und in einer Nummer des Streicher-Blattes „Der Stürmer" (Nürnberg, August 1928) las ich unter der Ueberschrift: „Der» Sieg der Niederrasse" folgenden Erguß: „Der Jude gehört einer Nicderrasse, einer an. Ter Jude ist unter Nicnschen urtflcfälit bas, was bot il'aftarbfüiet unter den Sunden bcdenict. Er ist die gesät,rlichstc und säunisstichslc von rillen menschliche» Abarten. In seinen Adern stielst Mischblut, das in der Hauptsache aus Mongolen- und Negcrblnt, aber auch aus Tierblut zufainmciioefdjt ist. Und dieses Blut irrt»! über bas rein germanische stets den Sieg davon." Ich enthalte nrich nun zunächst jeder Kritik über dieses Wort, lasse cs vielmehr allein durch sich selbst wirke». Aber ein Gesichts-- Punkt drängt sich mir bei diesen, nnd de» anderen angeführten oder de» sonstigen zahlreichen Aentzcrungen des jiidenfeiiidlich-deutschvölkischen Geistes nnwilltürlich auf, und das ist der: dieselben Leute, die sich nicht genug tun tömu'», das Volk, das sich „das auserwühktc" nannte, zu schmähen, zu verachte», z» verlästern, eben diese m iidjen s i ch selb st z u m a u s e r >v ä h l t en A vl f. Das arische Blut und speziell das „rein germanische" ist nun das edelste, beste, höchste, reinste. Es vereinigt in sich alle Tugenden, alle Vorzüge, allen Adel, und lvv es eliva Mängel aiistvciseii sollte, da ist es durch das Blut einer Nicderrasse entartet, und es gilt nun, dies Edelblut tute in einem germanischen „Zeugungstigel" durch reinrassige Züchtung wieder zu reinige» nnd zu regenerieren. Gegenüber dieser Kulmination der arischen Nasse int germanischen Blut aber sind alle anderen Nassen Nicderrasscn. Die abscheulichste und verworfenste aber ist die jüdische Nasse. Ich sage, ist diese Bergöttcrung des arisch-gcrnianischen Blutes nicht ein 'Götzendienst schlimmster Sorte? Die Natur — den» diese Blgtthevrie bewegt sich durchaus im Materiellen und läßt jeden cistigen Gesichtspunkt aus den Augen —, die Natur — sage ich — at irgendwie die merkwürdige Laune gehabt, im Weltgeschehen verschiedenwcrtigc Nasse» werden zu lassen. Die Ario-Germanen sind die höchstwertige, die Inden die niiiidestwcrtigc. (Frage: Wo sianimt der Wcrtmatzstab her? Woher ivird das Recht genommen, die (vorgeblichen! Vorzüge gerade der sogenauiiten Arier als die höherwertigen zu werten?) Nun, nusere Deulschvölkischen mögen die aufgeworfenen Fragen selbst beniUivorten. Ich aber frage: - W or i n e r b l i ck t c n d e n i, d i e I u d e n d i e B c s v » d e r - heit ihres A » s c r w ü h l t s e i n s? Was bedeutete für sic ihr A u s e r wü h l t s e i n? Und da ist zu sagen, daß dieses Auserwnhltsein für sie in erster Linie eine Verpflichtung, und zwar eine solche sittlichreligiöser Art, bedeutete. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!" Und: „Höre. Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott!" Und zum dritten: „Tn sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen. Tn sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Denn ich bin der Herr!" Diese drei Grundgcbote: sie sind die Grundlage des Ansenvahltseins. Und in diesem ethisch-religiösen, einem universalen Mvnotheismus anbnhncnden und heransarbeitenden Sinuc haben die Grössten des jüdischen Volkes dies Auscrwähltsein stets verstanden. So heißt cs immer wieder: „Ich, der Herr, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat." „Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrend Feuer und ein eifriger Gott." Und so verkündet der Prophet Ainos: „Aus allen Geschlechtern der Erde Hab ich allein euch erkannt: darum will ich auch euch liciinsiichcn in all eurer Missetat." Sv klagt auch der Prophet Iesains: „Ein Ochse kennet seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn. Aber Israel kcnnet's nicht, und mein Volk vcrninimt's nicht. O weh des sündigen Volkes, des Volkes von großer Missetat, des boshaften Samens, der verderbten Kinder, die de» Herrn verlassen, den Heiligen in Israel lästern . . ." Und nun verkündet der Prophet die Zorngerichte des Herrn über sein auserwähltes Volk. Und ebenso der Prophet Jeremias: „Bessert euer Leben und Wesen, so null ich bei euch ivohnen an diesem Orte." Und: „Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit, wann sie wicderkominen sollen; aber nieiii Voll io Ul das Recht des Herrn nieist wissen." Und so geht» durch die ganze Prophetie hindurch. So steht es schon mit geradezu furchtbare,, Drohungen im 8. Buch Moses, Kapitel 26. Und das ist nun das Wunderbare. Sobald das von den Propheten angekündigte Unheil hereint> r i ch t. c r kennt d a s j ü d , s ch c V v l k i n i l, in d a s g ö t t - l i che Zvrn cs gericht über feine tt c b e r t r c t u n g c n u »d tut n >, n B u |i e vor d c m H enn, feinem G vt t. Immer wieder bricht dies hindurch, so etwa in dem „Bußgcbet Daniels für das Volk Israel (Daniel, Kapitel fl) und in dem Apokryphenbuche des Baruch (Kapitel 8) mit seinem ergreifenden „Vußgebct des jüdische» Volkes", angesichts der Wegführung in die vabhkouische Gcfaugcuschast. Derart also, als eine grundlegende r e l i g v s - s i t l l i ch e Vor- Pflicht,, ng, verstanden die Juden ihr Auserwähltsein und aus diesem ihr ganzes Wesen durchdringenden Bewußtsein der in dem Auserivühltsein enthalte,!en Verpflichtung haben sie der Menschheit religiös-sittliche Werte geschenkt, von der die gesamte Menschheit des christlichen Kiilturkreises Jahrhunderte gelebt hat nnd auch — einschließlich unserer Deutschvvlkischcn"mit ihrer Verketzerung des Allen Testaments — heute und diesen Tag noch lebt.. Und nur auf dem Boden dieses geistigen Milieus Tonnte das Edelreis Jesus von Nazareth, de» wir den „Christus", den Gesalbte» (den Messias) nennen, hervorwachsen. Und nun unsere Deulschvölkischen. wie der- . stehen sic ihr Auserwähltsein? Aus dem Inhalt: GemeinderabbinerDr.Reinhold Lewin (Königsbergi. Pf.), „Ehe, Liebe und Sexualproblem.“ — Weissf Du das? — Oberstadiendirektor Professor Dr, Paul Hildebrandtt Mein Erlebnis miKAIexander. — Rabbiner Dr, R&M, (Bamberg): Ein Talmudfeind. — L Landau: Leasing und Mendelssohn.