Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nonatsausgabe Januar Rntmt M^v^Ln _ vlötter für-eutfckkundMvryim des keatralVerrms brutsckerj und Iluoentum.^A' W SlaatsvüryeriiMscken Mauveus?« ^ll^SlTrsins cles Iric1srHLlrns Das Warrnhmis. / Aon Sr. Kurt zielenriger. „Dcnise plaubte eine mit Hochdruck arbeitende Maschine bar sich zu scheu, deren Bewegungen sich selbst den Auslage» initleilc». ES U'aren dies nicht mehr die tut,len Schauscnfter vom Morgen: sie schienen jcbt tvie geheizt und bebend von der inneren Erzitterung. Es stand jetzt ein schaulustiges Publikum da, Frauen drängten sich vor den Schauscnster», eine ganze gierige Menge. Und in dieser leidenschaftlichen Erregung des Trottoirs gewannen die Ltvlie irisches Leben. Es ging wie ein Beben durch die Spitzen, die in geheimnisvoller Weise die Tiese des Magazins verhüllten, selbst die Tnchstlicke, dick und massig, atmeten einen vcrsührerisckrcn Hauch aus, lvährend die Paletots sich noch inchr aus den Probcpuppen spannten, die eine Seele zu gewinnen schienen, und der grvhc Samtmantel sich ausbauschtc, geschmeidig und lau wie aus Schultern von Fleisch. Doch die Fabrikhitzc, in der das Haus glühte, kam hauptsächlich von dem Verkauf, von dem Drangen an den Pullen, das man gleichsam durch die Mauern hindurch verspürte. ES war wie daS svrldauerndc Pusten einer in Bclvegring besindlichcn Maschine, einer Verarbeitung der Kunden, die zuerst vor die Cchausenstcr gelockt, dann an den Warcnpullen verblüsst und schlictzlich an die Kasse geschlendert wurden." Niemals ist das Wesen des modernen Kaufhauses meisterlicher geschildert worden als von Emile Zola in seinem berühmten Roman „Zum Paradies der Damen". Was hier der Dichter vor fast einem halben Jahrhundert mit Prophetischem Mick vorausgesehen hat, das erleben >vir in unseren Tagen: große P a l ä st e von Warenhäusern entstehen. In höchster Vollendung des Prinzips der Konzentration bieten sie die verschiedensten Waren feil: vom Druckknopf bis zum Automobil. Nicht umsonst ist Emile Zola der erste Dichter gewesen, der ein Warenhaus in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gestellt hat. Denn Frankreich war dasjenige Land, in d e m z u e r st K a n f h ä u s e r n a ch g e w i e s e n werden, die die verschiedensten Waren gleichzeitig zum Verkauf stellen. Schon rm 17. Jahrhundert finden wir Händler in Revers, die dort in kleinen Eeschästen die mannigfachsten Artikel feilboten. In einer ausgezeichneten Studie „Das Warenhaus" (1912) gibt Dr.-Jng. Alfred Wiener interessante Einzelheiten über die Geschichte des Warenhauses. Daraus ersehen wir, daß in Paris Warenhäuser wie „Le petit Saint Thomas" oder „Le Diable boiteux" schon unter dem ersten Kaiserreich gegründet wurden, und daß cS dann die Zeit Napoleons III. war, die im Jahre 1852 die Gründung des Magazins „Lu Zon Marche“ durch den Modcwarenhändler Bouciconrt erblickte, das bereits im ersten Jahre seines Bestehens einen Umsatz von 450 000 Francs erzielte. In den sechziger Jahren iverden dann ähnliche ll n t e r n c h m n n gen in England ins Leben gerufen, andere Länder folgten, vor allem Amerika. Keiner der Begründer dieses neuen Zweiges des Einzelhandels, der zum ersteninal verschiedene Waren in einem Laden zum Verkauf brachte, tvar ein Jude. Das Warenhaus i st keine jüdische Erfindung! Getviß, in Deutschland waren es jüdische Käufleute, die den Grundstein zu einem Warenhaus gelegt haben, aber sie versuchten damit nur zunächst in sehr bescheidenem Nahmen das ausländische Vorbild nachzuahmen. Im Jahre 1882 wurde in Gera v v n Her m an» T i e tz ein Kurz-, Wein und Wvllwarengeschüft eröffnet. Dieses kleine Magazin, das bald auch noch andere Waren verkaufte, wurde zum S t a in mhaus der deutschen Warenhäuser. 1885 errichtete A. Wertheim ein kleines Manufakturwarengeschäft in Berlin in der Rvsenthaler Straße. Jur Jahre 1892 eroffnete Wertheim dann in der Leipziger Straße 111 sein erstes Warenhaus in kleinstem Umfang, und Hermann und Oskar Tietz konnten 1899 in München das e r st e deutsche G r o ß k a u f h a u s errichten. Einen Monat später folgten die Brüder Wertheim in Berlin ihrem Beispiel, und am 26. September 1900 wurde das große Warenhaus von Tietz in der Leipziger Straße er- Das deutsche Warenhaus ist also eigentlich erst ein Kind des 20. Jahrhunderts. Aber mit der Entwicklung der Warenhäuser setzte sofort eine lebhafte Strömung gegen sie ein. Der Mittelstand, der Einzelhändler Und der Handwerker, fühlten sich in ihrer Existenz bedroht und riefen nach der Hilft des Staates. Die antisemitische B e w e g u n g schürte diesen Kamps, sie spannte sich vor den Wagen der Mittelstandsvertreter. Landauf, landab führte sie ihren Feldzug gegen diese neuen llnteruchmungen, die der deutschen Volkswirtschaft das Grab bereiten würden. In der judenfeindlichen „Staatsbürgerzeitung" vom 28. Juni 1912 lesen wir: „Der moderne Ramschpalast gleicht einer steingewordenen Strophe des Mignonliedes. Auf mächtig aufstrebenden Säulen ruht sein Dach, in seinem Innern schimmernde Prunkgemächer, und es fehlen auch die Marmorbilder nicht. Das arme Kind aber würde in diesem Falle der Mittelstand sein, der jedes neue Warenhaus mit dem Zusammenbruch einer Reihe von kleingewerblichcn Existenzen bezahlt." „Solch ein Einkauf im Warenhaus, ganz abgesehen von seiner Zwecklosigkeit, kommt manchmal wahrhaftig einem Martyrium gleich, und dennoch läuft das große Publikum in seiner hier schon wirklich nicht mehr heiligen Einfalt immer wieder in die Ramschbasare." ES ist also nicht einmal ein neuer Gedanke, wenn die Völkischen heute in den Warenhäusern den Todfeind des Mittelstandes zu erblicken glauben. In einer planmäßig angelegten Agitation rüsten sie angesichts des Weihnachtsfestes zum Kampf gegen diese Unternehmen. DaS „Deutsche Tageblatt" veröffentlicht eine Weihnachtsslugschrift unter der Nebcrschrift „Meidet das Warenhaus". Schauermärchen werden von den OIua £em%t£d£t: Dr. Müller-Claudius: Wir sollen uns nennen und uns bekennen. — Wehst du das? — Der 9.! November 1918 in Mündten-Gladbadt