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Central-Verein-Zeitung · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fofen Erkundigung von dem Leihenden erdeten werden darf Ebenso liegt die Sache dein, Kapitel „TnS Weib". Nach R ohIi n g darf der Jude,, gestützt aus seine religiösen Autoritäten, der Versuchung nachgebend, selbst a» Mädchen unter drei Jahren ohne Sünde seiner Lust fronen. Bei K a tz bietet sich das Bild reinster ehelicher Beziehungen und gegenseitiger Pslichten der Ehegatten, insbesondere solcher deS Mannes gegenüber der Fra», die so weit gehen, daß der Gatte ohne Einwilligung seiner Gattin nicht einmal eine weite Reise nntreten darf. Wie sind derartige Gegensätze möglich, wenn beide Darsteller doch ans demselben Boden bcg überlieferten Judentums stehen? Dazu ist dies zu sagen: Rohling steht mir mit einem Bein a »f diesem Boden, das andere schwebt in der Luft, Das heißt, ohne Bild gesprochen: D i e H ä l s t c s c i n e r Z i tn t e i st f a i s eh, lind die andere Hälfte deutet er ans B ös wi Il igk ei t und lln< I c n n t nt S f o in i fj cj ü n ft i g, das; das von ihm gewollte Gesamtbild dabei hcrnnskommt. Anders K a tz. Der stammt selber „ans des Dichters Lande" und versteht daher dessen Sprache, wie es sein »inst, mit ganzem Herzen und mit ganzem Gemüt, Die von ihm angeführten Stellen sind rcstl o8 wirklich am geken nzeichneten Platze vorhanden und auch in der U e b c r s e tz » n g richtig wiedergegeben. Selbstverständlich verfährt auch er der Masse deS Siosses gegenüber eklektisch. Selbstverständlich findet sich i» ihr auch manches, was, losgelöst vom geschichtlichen Boden, unserem siitlichcn Gefühl nicht entspricht, und er läßt e8 beiseite. Aber zn solcher Auswahl ist er in diesem Falle völlig berechtigt! denn wie jeder von »ns die Vorbilder seines eigenen Lebens nicht in den Niederungen der Geschichte oder der grobstädtischen .«lumps sucht, sondern unter den großen und würdigen Gestalten der Menschheit, so wird man auch dem Darsteller jüdischer Ethik es zubilligen müssen, daß er seine Augen airßjebt zu den Höhen innerhalb seine? Volkstums und seines Kulturkreises, Nur so wird sich das nicht nbsolnt-mnthematische, sondern stets nur relative Ideal des Sittlichen jeweils erfassen iassen. Das Katzfehe Buch bietet ans seinen 166 Seiten eine solche Fülle. von Gedanken über alle möglichen Lebensbeziehmigen, daß cs zwecklos wäre, durch Hervorhebung von Einzelheiten den Versuch der Berniittlimg eines Gesainteindriicks zu iiiiternehmen. Bei seiner Billig, teil dürfte das auch nicht notwendig sein, da jeder, der guten Willens ist, es sich selber leicht anschafsen und dnrchlescn kann. Und wenn der Nichtjnde nnlnrgcinäß bei dieser Lektüre auch hin und wieder ans Dinge stoßt, die ihn fremdartig ainmiten, stets wird er sich docl> in einer Atmosphäre finden, die ihn nicht nur nngehindert atmen läßt, sondern die ihn in seinem sittlichen Fühlen zu bestärken ganz und gar geeignet ist. Leider gestattet der nnastatisck)e Neudruck keine Acudernngen, und das ist schade. Abgesehen von einigen Sätzen der Einleitung, die sich mit der Entstehung des Christentums beschäftigen und sich ivissenschaftlich so wohl kaum halten lassen, die zn verändern übrigens auch die Pietät gegen den Verfasser verbietet, ist es besonders die längst vergangene Orthographie, die den heutigen Leser stört. Ferner wäre eine Revision der hebräischen Umschrift dringend nötig. Warum heißt es. um nur eins zu erwähnen, richtig Sukka und Nidda mit verdoppeltem Konsonanten, daneben aber stets Gitin, Chiilin, Kiduschiii. B. kaum ohne die grammatisch geforderte Verdoppelung? Doch können derartige nebensächliche Acußerlichkeitcn das große Verdienst des VersasserS nicht schmälern, den „wahren Talniiidjuden" im Oriainnlgewand unserem von Judenhaß arg dnrchtobtcn Geschlecht schlicht, wahrhaftig und liebenswürdig bescheiden vor Augen gestellt zu Um das Düsseldorfer Heine-Denkmal. Von.Herbert Enlcnberg. Man hätte sich weit mehr über die späte Begleichung der Dankesschuld freuen können, die Düsseldorf endlich gegen seinen größten Sohn, gegen Heinrich Heine, durch die Errichtung eines Denkmals für ihn abstatten will, wenn die Beratung und Beschlußfassung über diesen Plan nicht von so wüsten und törichten Reden begleitet gewesen wäre. Auch hätte es mich schöner gedünkt, wenn die dcutschnationale Partei in der Stadtverwaltung ihre Abneigung gegen den Dichter nicht hinter angeblich dringenderen wirtschaftlichen Verpflichtungen der Stadt verborgen hätte. Da war der olle feuchtfröhliche Otto Erich Hartleben ehrlicher, als er auf eine Aufforderung zu einem Beitrag für eine Werbeschrift zugunsten Heines sich die lakonischen Worte enlpreßte: „Heinrich Heine war mir stets unsympathisch," Daß die völkische Presse gegen dieses Denkmal, für dessen Sockel eben erst das Geld mit knapper Not bewilligt worden ist, laut toben würde, war vorauszusehen. Immerhin bleibt zu hoffen, daß sie ihren Unmut über das Monument Heines in Düsseldorf bis zn seiner Errichtung, ans die wir wohl noch etwas warten werden müssen, jo tveit dämpfen wird, daß man nicht demnächst nach seiner Enthüllung noch mit einer heutigentags ja so beliebt gewordenen Verschandelung dieses Denkmals zu rechnen hätte. Dann möchte man freilich diese recht späte nachträgliche Ehrung des rheinischen Dichters ungeschehen sein und lieber den Vorwurf der Undankbarkeit lveiter ans Düsseldorf sitzen lassen. Die völkisch eingestellten Männer und Frauen an der Spitze mögen sich aber doch ins Gedächtnis rufen, das; Bismarck keinen anderen deutschen Dichter nach Goethe so sehr gelesen und geliebt hat wie Heine, von dem sogar der verstorbene Hofprediger und Judengegner Stöcker zngeben mußte, daß einige tvcnige seiner Gedichte tvahre Perlen und mit Recht echtes Volksgut der Deutschen gelvvrden seien. Unter den neuerlichen eiferwütigen Angriffen gegen Heine Ing ich zu meinem Ergötzen auch wieder das alte Märchen, daß er ein Spion in französischen Diensten gewesen sei. Warum? Etwa weil er eine Jahresrente von der französischen Regierung empfing? Dann sind Klopstock und Hebbel, die ein solches Einkommen von der uns nicht weniger freundlich gesonnenen dänischen Regierung bezogen, wohl gar auch Volks- und Vaterlandsverrntcr an „ns gewesen? Wäre wohl gar Katharina von Bora, Martin Luthers Eheliebste, eine Spionin gewesen, weil sie bis an ihr Lebensende — zur Schmach der damaligen deutschen Fürsten sei es erzählt — einzig von dem dänischen König eine beträchtliche Leibrente erhielt? Und lvas soll dann der arme Heine, der später da? preußische Gebiet mit keinem Fuß mehr betreten durfte, trotzdem der ihm gut gesinnte Alexander von Humboldt sich mehrfach für ihn Verlvandte und Friedrich Wilhelm der Vierte selber eine große Schwäche für ihn hatte, lvas in aller Well soll er denn spioniert und zwischen Deutschland und Frankreich hin und her getragen haben außer geistigen Dingen? Auch in seinen letzten acht Leidensjahren in der Matratzengrnft in Paris wird er kaum Gelegenheit zn Spionagediensten gehabt haben. Was endlich seine deutschfeindlichen Aeußerimgen angeht, o heilige Einfalt! Ich will euch ans ihren eigenen Zitaten Goethe, Hölderlin, Nietzsche und andere echte Teutonen als weit stärkere Deutschenfeinde zurechtstutzen, als es der Dichter der Loreley, der Beschreiben des klassischen und romantischen Deutschlands gewesen ist. Wir hier am Rhein wollen die Angelegenheit des geplanten Heine-Denkmals in seiner Vaterstadt allmählich als unsere eigene rheinische Sache aufgefaßt wissen, das heißt weder als eine jüdische noch als eine deutschvölkische. Die Inden haben sich erfreulicherweise bisher in diese rheinische Frage kaum hineingemischt. Möchten nun auch die dcutschvvlkischen Kreise diesem Beispiel folgen und uns die Würdigung unserer Dichter lind Denker selber überlassen. Das Volk am Rhein hat ein Recht darauf, seine Dichter zu ehren, einerlei ob sie stockkathvlisch wie Clemens Brentano, cvangelisch-pietistisch wie Gerhard Terstengen oder jüdisch-freidenkerisch wie Heinrich Heine gewesen sind. Wer Schlagctcr ein Denkmal setzen will, mag es tun. Aber er soll auch nicht länger Zetermordio oder Wehe darüber schreien, wenn Stadt und Bürgerschaft von Düsseldorf endlich ihrem Dichter ein Monument setzen wollen; ihrem Dichter, der sich stets gern und freudig zu der Stadt seiner Jugend bekannt und sie und ihre Schönheit in der ganzen Welt gepriesen hat. Verlag u. Schrlstleltrmg: Centralverein deutsch. Staatsbürger Uli). Glaubens c. 35., Berlin SW 68, Llnd-nstraß- 13. Für dl- Schriftl. verantw,! i. B. Dr. Alfred Wiener, Berlin SW 68. Druck von Rudolf M o f! e, Berlin SW 100.

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