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Central-Verein-Zeitung · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«ntrat Monatsausgabe November/Dezember Mättrr sür0Äscktum dMoryan -es LntrokVerrms Srutkkerj unv7uSentum.EE jr -'—^'-^-yerjüvifckenrUmiven8'?v'. Allgemeine Zeitung des Judentums Die Drückeberger. Von Professor Martin Hobohm (Aniversttüt Berlin). Während des Weltkrieges habe ich als gemeiner Soldat in sehr verschiedenen Teilen des Heeres das moralische Martyrium vieler Inden mit angesehen. Diese traurigen Dinge standen nicht überall im Vordergrund, waren aber doch sehr verbreitet. Schmerz tmb Empörung drängten sich ans über das, was oft von jüdischer Seite erlitten wurde, und über die seelische Niedrigkeit des Sports, wehrlose Inden zur Zielscheibe billiger Quälereien zu machen. Es grenzte an öffentlichen Sadismus, was da Tag für Tag in Menge geschah, es war eine Psychose von ansteckender Brutalität. Soldaten untereinander übten diesen Sport und trieben so manches jüdische Opfer in die Verzn'eiflung hinein. Aber Vorgesetzte trieben diesen vornehmen Sport vielfach ebenfalls und mit den Mitteln ihrer Machtstellung. Bon ihrer Seite war er noch ordinärer, noch verantwortungswidriger. Unter den mancherlei Mißbräuchen der Befchlsgcwalt war dies eine der abscheulichsten. Wenn der nichtjndische Durchschnittssoldat auch seinerseits und mit Grund von den „moralisch prügelnden" Vorgesetzten gesprochen hat, welche ihn seelisch mißhandelt hätten, so sind jüdische Soldaten doch sehr oft noch unverhältnismäßig mehr „moralisch geprügelt" worden. Hier ist in dem alten Schnldbuch der Nation gegenüber ihre» jüdischen Volksgenossen eine außerordentlich dunkle Seite entstanden. Eine Szene ans meiner Nekrutcnzeit, im Frühjahr 1915 in einem clfässischen Nekrutcndepvt: Zu 200 Mann lagen wir in einem vorstädtischcn Tanzsaal, und wenn abends um 10 Uhr der Unteroffizier daS Licht ansgedreht hatte, dann flogen im Dunkeln viertelstnndeulang die Witzwvrte und Sticheleien hin und her, über die Reihen der Schlnssnchenden hinweg, und der beliebteste Stofs war „natürlich" das Jndcnthcma. Da kamen denn im Dunkeln die erbärmlichen Seiten der Dnrchschnittsseelen ans Licht, hemmungslos, widerlich, ein Wetteiser in der Gemeinheit. Ohnmächtig ließen die Jude» und die Mehrheit der Nichtjuden das über sich hinflnteiu lvelcher Rekrut wagte die Bestie „Masse" gegen sich herausznfvrdern? Und doch sprang schließlich eines Nachts ein Jude auf, der cs nicht mehr ertragen konnte, sprang in seinem Bettgewand empor und hielt eine kurze glühende Rede; man sah seine Gestalt, seine wilden Bewegungen gegen den bleichen Schein des Saalfensters, vor dem er stand/ Es war die urgeivaltigste Rede, die ich in meinem Leben gehört habe: von der feigen Schändlichkeit dieser Judenhetze, von der Erbärmlichkeit der uichtjndischen Mehrheit, welche sich besser dünkte als die Inden und durch ihr unwürdiges Treiben diesen Anspruch so kraß widerlegte, von der schweren Not der uns alle auf das äußerste angreisenden Parfvrccausbildniig, eine Rot, die nun für die Juden moralisch so gesteigert würde. Ob wir Nichtjuden das „Kameradschaft" nennten? Ob wir nicht alle miteinander das Joch des Dienstes trügen? Der Redner suchte über alle Wut hinweg nach Brücken: der Krieg wäre die Stunde, uns zueinander zu finden, das verfluchte Erbe des jndenfeiudlicheu Vorurteils zu überwinden — die Größe des genicinsameu Schicksals böte die innere Voraussetzung, und die Juden in ihrem volbvcrtigcn Teil hätten das Ihrige getan, die Nichtigkeit des Vorurteils praktisch zu erlveiscn, Drückebergep-MM cs bei Nichtjuden so gut wie bei Inden. f Bjs Ich weiß nicht mehr, wa8 er sonst noch alles hinanSschrie und wie er schloß — aber es >var tief tragisch, wie er gegen sein Jndennuglück ankümpfte. Die Wirkung? Dabo,, ist kaum etwas zu sagen: Erst war es still; nach einer Pause kamen etliche besonders üble Zurufe; im ganzen trat ein Stillstand ein, aber über jenen Abend wirkte der Vorfall nicht viel hinanS; nur daß die Majorität der Schweiger noch größer lvnrde und dieser oder jener Anständige am nächsten Sonntag mit den Inden spazieren ging. Der Vorgang ist ein kleines Beispiel verbreiteter Zustände und viel Schweres liegt darin ansgedrückt. Das Unheil nahnr den Krieg hindurch unvermindert seinen Gang. Der soldatische Kvinmiß begünstigte leider die judenfeindlichen Zivangsvorstellnngcn. Sie fügten sich in seine geistige Dürftigkeit harmonisch ein; sie wurden ein gewohnheitsmäßiges LieblingSthema der intellektuellen Beschäftigungslosigkeit und der Nerbeiicrmattung; die Schwätzer, welche das große Wort führten, dachten nicht daran, auf das jüdische Zugstück zu verzichten. Propagandistische und leider auch behördliche Einflüsse traten hinzu. Längst ist in Literatur lind Presse dargclegt worden, daß bau eiueiu Versagen des jüdischen Volkseleinents im Heere gewisseuhasterweise durchaus nicht gesprochen lverden kann. Längst ist darauf hiugcwiescn, daß der Prozentsatz der GesaUciieu das jüdische BvlkSctemeut vor jedein Amvurf schützen sollte. Längst ist dargetan lvorden, das; viele Juden fern von der Front beschäftigt wurden, weil sie eben an ihreni Platz vor anderen brauchbar und de» Vorgesetzten unentbehrlich ivarcn. Längst ist etwas aufgedeckt worden, was zu der geistigen Dürftigkeit des Judenhasses in beschämendstem Gegensätze sicht: das geistige Leben des jüdischen Hecreselemcnts in dessen besten Bestnudtcilen. Hier sind große Kulturwcrte spezifisch jüdischer Prägung zutage (jetreten, obwohl das Material der Briese, Tagebücher usw. natürlich imnler nur zu einem geringen Teil greifbar tvird. Ganz ähnlich wie so manche nichtjüdischc Bernssverbände sehr wirksam dazu beigetragen haben, durch die Pflege der Beziehungen zu ihren ün Felde stehenden Mitgliedern deren seelische Kraft zlim Durchhalten zu nähren und Aus dem Inhalt: Direktor Moriz Hödtstädter (Ludtentvalde): 44 Monate im Felde. — Gelehrte, Didtier und Politiker über die Sdtmadt der Friedholssdtändangen: Aussprüdte von Vizeadmiral a. D. Dr. Karl Gatster, AdoII v. Harnadt, Wilhelm v. Scholz, Wilhelm Sthmidibonn, Dr. Marie-Elisabeth Luders, Hermann Slehr. — Dr. Sigmund Feisti IVas sind „Arier“? — Pastor D. Windluhrs Der wahre Tat- "»•■v mudjude. — Herber! Eulenberg: Um das ä» X Düsseldorfer Heine-Denhmat.

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