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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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vom heimatrecht öer -eutjchen ^uöen. A«S den prenstischen FretheitSkrlegen. Unter den jungen preußischen Vatcrtandsverteidigern, welche in der Schlacht bei Lützen kämpften, besand sich auch der junge I tz i g, jüdischen Glaubens, aus Berlin. Er wurde schwer verwundet nach Leipzig gebracht, Ivo er unter die geschicktesten ärztlichen Hände kam. Me Mittel wurden angewcndet, ihn zu retten, aber seine Kräfte schwanden immer nichr. Er sühllc sein herannahendcs Ende nach jedem Tage mehr und war aus seine letzte Reise gefaßt. Wenige Stunden vor seinem Tode schrieb er an sein» Eltern den folgenden Brics: „Ost hat man mir gesagt, der Tod für das Vaterland sei süß ... ja, meine teuren Eltern, er ist es wirklich ... in kurzem wird er mir zuteil geworden sein. Ich gehe ihm freudig entgegen, und er kann nur insofern für mich schmerzhast sein, als Sie sich vielleicht darüber betrüben könnten. Grüben Sie meine Geschwister und sagen Sie nreinen Brüdern, d a b sie sich dem Dienste des Vaterlandes und des Königs ebenso ^bereitwillig widmen mögen, als ich eS ge- Ein p r v t c st a n t i s ch e r Leser unserer Zeiirmg sendet uns diesen Brief mit der Bitte um Veröffentlichung, „dieses Zeugnis e d e l st e r vaterländischer Gesinnung und deutschen Opfermutes eines Juden aus den Freiheitskriegen vor Er bemerkt dazu, daß er ihn in einer heute verschollenen und sehr seltenen Sammlung: „S ch l a ch < b er i ch t e, Bemerkungen, Charakterzüge und Anekdoten vom Kriegsschauplatz im Jahre 181 2—1 5", herausgcgcben von L. Hussell, Leipzig, Baum gärtnerische Buchhandlung, gesunden und ihr entnommen hat. Habe«» die Jude»» in Bayern ein Hcimatrecht? Nunmehr ist endlich die längst erwartete Schrift von Rabbiner Dr. A. Eckstein (Bamberg): „Haben die Inden in Bayern ein Heimat» recht?", im Philo-Verlage erschienen. Am besten zeigt das Inhaltsverzeichnis, was das für unseren Kampf so wichtige Buch uns bietet. Inhalt: Das Heimatrecht der Juden. — 1. Die bayerischen Juden als Glieder der bayerisch-deutschen Schicksalsgemeinschast. — 2. Die bayerischen Juden als Glieder der bayerisch-deutschen Sprachgemeinschaft. — 3. Die bayerischen Juden als Glieder der bayerisch-dcutschen Kulturgemeinschast. — 4. Die bayerischen Juden als Glieder der bayerisch-deutschen Willensgemeinschast. — Grundsätzliche Stellungnahme. — Beilagen: I. Jüdische Inhaber der bayerischen goldenen und silbernen Tapserkettsmedaille. — II, . Jüdische Inhaber des bayerischen Militär-Sanitütsordens II. Klasse. — III. Jüdische Inhaber des E. K. I in Bayern. — IV. Jüdische Flieger aus und in Bayern. — V. Statistik der Fetdzugteilnehmer der bayerischen israelitischen Gemeinden. — VI. Unsere Toten, eine „Judenzählung". — Lichtbilder von israelischen Gefallenendenkmälern in Bayern: Kriegerdenkmal aus dem Friedhos der israelitischen Kultusgemeinde in München. Kriegerdenkmal aus dem neuen Friedhof der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. Gedächtnistasel aus dem israelitischen Ehrensricdhos in Augsburg (Westseite). Gedächtnistasel in der Friedhosshalle der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg. — Schlußwort. Dem ersten Teil entnehmen wir folgenden Absatz (S. 86/37 des Buches), der geeignet ist, die wertvolle Arbeit Dr. Ecksteins zu charakterisieren: In den schwülen Julitagen des Jahres 1870 schlug eine Schicksalsstunde für die Zukunft des bayerischen Volkes. Hoch gingen die Wogen der politischen Meinungsverschiedenheiten hinsichttich der Frage des Anschlusses an den Norddeutschen Bund und bedenklich schwankte das Zünglein an der Wagschale der Kammerabstimmung. Als bei dieser Gelegenheit ein Abgeordneter nach erfolgter Kriegserklärung des Norddeutschen Bundes zugunsten der bewaffneten Neutralst..! als des kleineren Nebels eintrat und darüber Bedenken äußert«, ob die Pfälzer nicht vor den Greueln des Krieges zurückschrecken würden, da ergriff ein schlichter Kaufmann das Wort, der Landtagsabgeordnete Simon Lebt arls Kirchheimbolanden (Pfalz), und erklärte: „Wir Pfälzer wollen unter allen Umstanden mit Deutschland gegen Frankreich gehen, was auch daraus werde. Die Pfalz ist einmütig bereit, im Notfälle unterzugehen, als schmachvoll zu bestehen unter dem Schutze Frankreichs . . . Wir rechnen aus Ihren Beistand hüben und drüben und hoffen, daß Sie uns nicht ohne Kampf untergeben lassen. Wenn Sie neutral bleiben, sind ivir sür Sie verloren." Ebenso hat der jüdische Landtagsabgeordnete Justizrat W°ls Frankenburger (1827 bis 1889), der anerkannte Führer der freisinnigen Partei und einer der bedeutendsten Redner der Kammer, seinen großen Einfluß und seine hochangesebene Stellung dazu benutzt, um bei der Wendezeit der ncudeutschen Geschichte für die Herstellung der deutschen Rcichseinheit zu wirken. Am 18. Januar 1871 hat er seine in diesem Interesse in der Kammer gehaltene großzügige und von staatsmanmscher Weisheit zeugende Rede mit den Worten geschloffen: „Mir ist e8>. als träte der Geist Ahlands in diesen Saal, um den Gegnern der Bündnisverträge zuzuruse»: „Du hast das Ganze nicht erfaßt, Der Menschheit großen Schmerz. Tu meinst es löblich, doch du hast Für unser Volk kein Herz!" Damals, vor nahezu sechs Jahrzehnten, hat niemand es ge» wagt, Männer von solcher Denkart, von so beschwingter und überzeugender Kraft vaterländischer Hingabe art- und wesenssremde (Säfte a u[ bayerischer und deuts cher Erde zu nennen. Seit jenen Tagen haben allerdings die Zeiten und Menschen mehr als früher m Jahrhunderten sich geändert. Was sich aber nicht geändert hat, weil es sich nie ändern kann, das ist die durch Tatsachen bezeugte Wabr- Die Schrift bietet, nachdem der württembergische Landesverband unseres Centralvereins eine namentliche Liste der württembergische« Kriegsteilnehmer vcrösfmtlicht hat, die ba ye r ische L i st e d e r i ü d i sch en Gefalle> n cn sowie ein nach Gemeinden geordnetes Verzeichnis der bayerischjüdischen Feldzugtcilnehmer mit wichtigen Ausblicken auf die so oft zu Unrecht angegriffene jüdische Gefallenen- und Feldzugteilnehmerzühlung. Auf das verdienstvolle Buch wird noch eingehend zurückzukommen sein. Bor sechzig Jahren. Der Fabrikbesitzer Joses Joachim Licbermann aus Berlin, dessen Vetter der Vater des bekannten Künstlers Professor Max Licbermann war, hatte an den König von Sachsen eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Beschränkung der Niederlassung von deutschen Juden im Königreich Sachsen wendet. Aus der übrigens wohlwollenden Antwort geht hervor, mit welchen Schwierigkeiten die deutschen Juden noch vor sechzig Jahren angesichts des PartikularismuS zu kämpfen hatten. Der ministerielle Bescheid lautet. „Nach dermaliger hierländischer Gesetzgebung . . . .sind die inländischen Juden (Inland --- Königreich Sachsen) den christlichen Untertanen des Königreichs in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht zurzeit völlig gleichgestellt. Es ist ihnen mithin namentlich auch die Niederlassungssreihcit innerhalb des ganzen Landes gewährleistet und an keine anderen als die gesetzlichen Doraussehungen geknüpft. Die Niederlassung ausländischer Juden (d. h. aus dem übrigen norddeutschen Bundesgebiet) ist nach den hier maßgebenden Vorschriften allerdings noch aus die Städte Dresden und Leipzig beschränkt. Es ist jedoch zu bemerken, daß ein ausländischer Jude niit der Niederlassung in einer dieser beiden Städte in das Verhältnis und die Rechte eines Inländers eintriti und nunmehr nicht weiter behindert ist, von hier aus auch an andere Orte des Königreichs sich zu wenden- Abgesehen hiervon geht aber die Sächsische Regierung davon aus, daß der von Ihnen geäußerte Wunsch in bezug auf das Niederlassungsrecht voraussichtlich in nächster Zeit durch die Bundesgesetzgebung, wenigstens soweit es sich um Juden der zum Norddeutschen Bunde gehörigen Länder handelt, Erledigung finden dürste. Dresden, den 13- Februar 1887. Königlich Sächsisches Ministerium des Innern, ge,, v. Nostiz. Dr. Siegmund Rothschild (Frankfurt a. M.), AuS der Chronik von Schöningen. Im Rahmen einer Chronik der Gemeinde Schöningen in Hannover legt uns der dortige Oberlehrer K. Rose eine Chronik der Jüdischen Gemeinde Schön in gen vor. Wie alle derartigen Einzeldarstellungen enthält sie viele Angaben, die um ihrer typischen Bedeutung willen wertvolle Beiträge zur E e - 'chichte der Juden in Deutschland darstellen. Interessant ist >ie schriftliche Aeußerung des Gemeindeältesten Israel Jacobssohn .n Braunschweig, die am 20. März 1801 an den Schöninger Bürgermeister gerichtet wurde. Sie spricht dein Stadtvater den Dank sür das Jntereffe aus, das er den Juden stets entgegengcbracht habe, und fährt sort: „Nach meinem Prinzipium scheint der Grund, warum meine Glaubensgenossen sich säst alle mit dem Handel befassen, nicht darin zu liegen, weil sie sich von Natur zu dieser Lcbensnot am besten geeignet fühlen, sondern lediglich darin, weil ihnen die Lbrigleit, und besonders die Gilden und Zünfte, keinen anderen Verkehr, womit sie sich sonst wohl ihren Lebensunterhalt verdienen könnten, gestatten will, ja, ich kann Ew. Wohlgeboren aufrichtig versichern, daß ich selbst deshalb hier manchen vergeblichen Versuch gemacht und keinen Kostenaufwand gescheut habe, dem ohngeachiet aber alles fruchtlos geblieben ist. Was bleibt also nach allem diesen dem Juden weiter übrig, als zu dem einzigen, ihm überbleibenden Mittel, wodurch er sich und die Seinigen aus eine redliche Art ernähren kann, seine Zuflucht zu nehmen, wenn man ihm jeden anderen Ausweg gleichsam abgeschnitten hat." Diese von einem klaren Blick sür die damaligen Verhälinisse zeugenden Worte können noch heute als ein Dokument sür die erzwungene Berussgruxpierung der Juden gelten, das besonders beweiskräftig ist, weil cs in einer Zeit^niedcrgelcgt wurde, die für die Zusammenballung der Juden in dm handeltreibenden Berufen enffcheidend war. In. Eine goldene Medaille für die Heldeittai eines Juden 174b. Die Zeitschrift „Scnnmelsreuden", 1. Heft, das soeben erschienen ist, bringt folgende Mitteilung: „Der .Bote aus Thüringen', 42. Stück 1798, bringt unterm 3. Oktober eine Post aus Nürnberg, in der folgendes mitgcteitt wird: Der österreichische General W» r m s e r war in Italien von den Franzosen abgeschnitten und seine Lage sehr bedenklich. Zum Glück fand sich ein Jude, der sich erbot, ein Schreiben über die Etsch und an den General V u k a s s o w i ch z» bringen. Nach seinem Verlangen wird das Schreiben in eine Flasche gelegt, mit welcher der kühne Mann den reißenden, mit eisigem Glctscherwasser gefüllten Strom angesichts des Feindes durchschwamm und diese dem General glücklich überbrachte. Nach Wurmsers Vorschrift griff nun Bukassowich die Franzosen an und errang zusammen mit Wurmser einen glänzenden Sieg. Der oben erwähnte Jude ist von dem General Wurmser als Kurier mit dieser Sregesnachricht an Se. Majestät den Kaiser nach Wien abgeschickt worden, wo er zur Belohnung seines sehr gewagten Unternehmens eine goldene Medaille, dann 700 Dukaten und die Zusicherung einer jährlichen Pension von 1000 Fl. erhalten." Der Nanie dieses Helden ist auS begreiflichen Gründen in dem zeitgenössischen Bericht nicht angegeben. Vermutlich wurde ihm die österreichische Tapse rkeits- Medaille (in Gold) sür dm Feldzug in Italien verliehen. Vielleicht befindet sie sich noch in irgendeinem Münzkabinett und der Name ist aus dem Rande eingraviert. Norbert Rosentl-al (München).

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