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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■»¥»Ui_ Kötter sür-eutscd!umdM0rtzao -es üalrül-'verüos öeulsck§j W EüMtsdürtzer'iüöiHÄWN 1 Äll&eroeine Zeitung des CJuderuums Neues von der Raffen- und BlutöruppciifDridjiiitfl L.« §^^.„1 »r. m< LM> Den modernen „Rassentheorien" war kein langes Leben beschieden. Nach wenigen Jahren ihrer Blüte gehören sie heute schon so sehr der Vergangenheit an, daß man jetzt bereits, rückblickend, rein sachlich und ohne persönlich bedingtes Vorurteil zu ihnen Stellung nehmen kann. Zweifellos stellt Günthers „Rassenkunde" des deutschen Volkes" ihren Höhepunkt dar. Wenigstens in den ersten Auflagen. Die späteren wurden, je mehr Zugeständnisse der Verfasser einmal an Ergebnisse der Wissenschaft, anderseits an gewisse politische Zeitströmungen machen mußte, um so bedeutungsloser. Das Geheimnis der ungeheuren Wirkung des Buches ruht in dem Dilettantismus seines Verfassers. Der Fachmann kennt die Grenzen, die der Erkenntnis in seinem Arbeitsgebiet gesteckt sind. Die ersahrungsmäßigen und gedanklichen Grundlagen seiner Forschungsarbeit zwingen ihn zu scharfer Scheidung von Tatsache, Theorie und Hilfsvorstellungen. Ein Buch, in dem alle von der Wissenschaft gebotenen Vorbehalte zum Ausdruck kommen, ist für den Laien langweilig und unbefriedigend. Einen Publikationserfolg kann es nicht erringen. Das ist nur dem mchtfachmänn-ischen Schriftsteller möglich, der schwebende Fragen aufgreift und — ungehindert durch aus eigener grundlegender Forschung entspringende Selbstkritik — Versuchsanordnungen und behelfsmäßige Vorstellungen als Tatsachen hinstellt, mögliche, aber noch nicht gesicherte Ergebnisse als erwiesen vorwegnimmt. Rur der Dilettant kann so Unsicheres mit solcher überzeugenden Sicherheit darstellen, daß die Mafle aufhorcht und — wenn der Unsinn nur Methode hat — aus dem Inhalt, weil er ihr zusagt, eine Weltanschauung aufbaut. Trotz ihres Charakters als Dilettantenarbeit — oder gerade deswegen — hat das Günther sche Buch eine Aufgabe erfüllt, die auch für uns Juden von Bedeutung war. Es zwang die Wissenschaft, zu ihm Stellung zu nehmen, wobei sich herausstellte, daß sie zunächst gar nicht dazu in der Lage war, denn es schwebte alles in der Luft. Die Begriffe waren mehrdeutig, die Zuständigkeit der einzelnen Wißenschaftszweige strittig. Die Vererbungsforschung, die in erster Linie dafür rn Frage kommt, war für eine einwandsreie Stellungnahme noch selbst zu jung und geht auch heute noch — wie bei dem Internationalen Vererbungskongreß, der im September vorigen Jahres in Berlin stattfand, deutlich zu erkennen war — den Rassensragen möglichst aus dem Wege. Rur die messende und vergleichende Anthropologie war zur Stelle. Aber auf deren Ergebnisse hatte sich Günther ja gerade gestützt! Er war jedoch weit über sie hinausgegangen. Der Standpunkt der Anthropologie zur Rassensrage ist allgemein bekannt. Wir Juden haben darin unsere Einordnung erfahren als kompliziertes Gemenge nahezu aller europäischen und vorderasiatischen Grundrassen, in dem je nach dem Wohnsitz und der geschichtlichen Entwicklung bald die eine, bald die andere Rasse stärker in den Vordergrund tritt, Den Grundstock bildete wohl von Anfang an eine Mschung von „vorderasiatischen" lind östlichen Formen der „Mittelmeerraste". Im allgemeinen ist die Anthropologie in letzter Zeit bezüglich der Zahl und der gegenseitigen Abgrenzung der Rassen sehr viel unsicherer und vorsichtiger geworden. So hat F. Weidenreich in seinem Buche: „Rasse und Körperbau" den Nachweis geführt, daß sehr häufig konstitutionell« Verschiedenheiten (d. h. die individuellen — oft ebenfalls erblichen — Besonderheiten in Bau und Funktion des Körpers und seiner Teile, die eigentümliche Verfassung des Körpers, von der feine besondere Reaktionsfähigkeit und Neaktionsweise abhängt), deren Typen in allen Rasten und unabhängig von diesen Vorkommen, zu Unrecht als „Rassen"- merkmale angesehen und gewertet wurden. Recht ausfällig erkennbar ist die genannte Unsicherheit in dem bekannten Werke: Baur. Fischer, Lenz. „Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene". 3. Auflage 1927, in dem die Verfasser der einzelnen Abschnitte sehr verschiedene Ansichten vertreten. Dagegen hat eine Anzahl wichtiger Fragen in den letzten Jahren eine grundsätzliche Klärung gesunden, wobei die Klärung zum Teil in dem offenen Eingeständnis besteht, daß auf dem beschrittenen Wege nicht weiterzukommen ist. Es handelt sich vor allem um die Bestimmung der Begriffe „Rasse" und „Rassenmerkmal", im Anschluß daran um die Wertung der „seelischen Rassenunterschiede" und um die „Blutgruppenforschung". Das Wort „Rasse" hat in der Wissenschaft zw^j ganz verschiedene Bedeutungen. Die eine ist lebensge sie Hl icher Art: „Rasse" bedeutet hier das biologische Gesamtbild einer Lebensgruppe bzw. einer Einheit von Geschlechterfolgen ohne Rücksicht aus dre anthropologische Zusammensetzung. — In diesem Sinne ist die „Rasse" Gegenstand der „raffenhygienischen" bzw. „r a s s e n b i o l o g i s ch e n" Forschung. Die „Rasse" in diesem Sinne unterliegt Werturteilen, und die „Eugenik" untersucht die Möglichkeiten, die Veränderung oder Verschlechterung der „Rasse" (ein Plural „Rasten" wrrd bezeichnenderweise nicht gebildet!) aufzuhalten bzw. ihre Qualität zu verbessern, die (Erb-) Gesundheit zu steigern und zu festigen. Aus dem Inhalts General Ludendorfi fordert Einschreiten des Reidtspräsidenten, — Der Nationalsozialismus in Bayern. — Professor Dr. R. Siübe (Leipzig) t „Der Einfluss des Alten Testaments auf die Kunst“. — Vom Heimatredit der deutschen Juden.

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