Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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79 Jude" ober „Du willst wvhl mal das Hakenkreuz kennenlernen", wiederholten sich immer wieder. Als dein Vorstände der Bremer Ortsgruppe des C. V. der erste Uederfall gemeldet wurde, setzte er sich sofort mit der politischen Polizei in Verbindung. Es gelang bald, den Kreis sestzustellen, in dem die Rohlinge zu suchen sein mußten. Schon, dass die Uebersälle stets am Mittwoch nach der nationalsozialistischen Versammlung erfolgten, führte auf die richtige Spur. Dennoch konnte sich die Polizei nicht zu Verhaftungen entschließen. Die Uebersälle wiederholten sich. Trotz polizeilicher Bewachung konnten am Mittwoch, den 12. September, 11 und 12 Uhr nachts, im leichen Straße nzn ge vier Uebersälle statti n d e n! Unter anderem wurde auch der brasilianische Konsul niedergeschlagen. Als dieser bewußtlos am Boden lag, wurde er noch getreten, und zwar auch so stark auf die Hand, daß sich sein goldener Ring verbog. Der Konsul hat bei dein Ueberfall eine sechs Zentimeter lange und drei Zentimeter breite Wunde am Kopfe, starken Bluterguß im Unterkiefer und Schürßvundcn davvngetragen. An diesem Mittwoch waren bereits zehn Personen überfallen worden. Alle haben mehr over weniger schwere Verletzungen, größtenteils durch Schläge mit eirrern harten Gegenstand, erhalten. Arbeitsunsähigkeit bis zu vierzehrr Tagen war keine Seltenheit. Die Mehrzahl der Ncberfallenen sind Inden, jedoch wurden auch einige christliche Herren mißtzandelt, darunter ein Italiener. Die wirkliche Zahl der Uebersälle wird »och größer sein, denn erfahrungsgemäß erstatten Geschlagene in den wenigsten Fällen Anzeige. Durch einen Zufall konnte der erste der Täter gefaßt werden. Er befand sicl> mit etwa zwanzig Gesinnungsfreunden am 16. September tu einer Tolstoi-Feier, die diese sprengen wollten. Ein E. B.-Mtglied, dein der Hut geraubt wurde, erkannte ihn wieder und ließ ihn festnehmen. Vom ersten Ueberfall Anfang August bis Mitte September konnte die Presse von keinem der Uebersälle berichten. Auch der C. V. sah von ei ne r V erö ff en tli ch » ng seines Materials ab, um die polizeilichen Untersuchungen nicht zu stö ren. Als dem C. B. aber die Festnahme des einen Täters in der Tolstoi-Feier bekannt wurde und er erfuhr, daß die „Bremer Volkszeitung" am 19. September, entgegen den Wünschen der Polizei, einen umfangreichen Artikel veröffentlichen wollte, sah er seinerseits keine Veranlassung mehr zur Rücksichtnahme und übergab sein Material der Presse. Die Bekanntgabe erregte in Bremen großes Aussehen und bewirkte, daß die U e b e r f ä l l e j e h t endlich a u f h ö r t e ii. Nur ein einiges Bremer Blatt betrachtete die unglaublichen Vorfälle als o nebensächlicher Natur, daß es kein Wort darüber brachte, die deutschnationale „Bremer Zeitung". Trotz seiner geringen Auslage hat dieses judenseindliche Blatt ein gerüttelt Maß Schuld daran, daß unreife Burschen in eine Stimmung hineingehetzt wurden, die sich in solchen Taten auswirken mußte. Die Polizei veröffentlichte die Name» der festgestellten Täter erst nach einein scharfen Angriff der sozialdemokratischen „Bremer Vvlkszeitmrg" auf die Untersuchnngsmethvden der politischen Polizei. Es wurde insbesondere beanstandet, daß ke i n e r der B u rs ch e n f e st ge s e tz t und daß die Oeffentlichkeit nicht auf das Treiben der Hitlerinner aufmerksam gemacht worden sei. Wäre letzteres geschehen, sv hätten mindestens die letzten vier Uebersälle — darunter der ans den Konsul — nicht stattsiirden können. Die ermittelten Täter haben teils gestanden, teils stnd ste durch Gegenüberstellungen überführt. Es sind ganz junge Burschen, die in schlechten häuslichen oder beruflichen Verhältnissen leben nnd sämtlich der S.-A. der Nationalsozialistischen Partei angehören. Den Ueberfall auf den brasilianischen Konsul haben ein siebzehnjähriger Elektriker und ein ciinindzwanzigjähriger Chauffeur bereits eingestanden. Der Gruppe gehören weiter an: ein achtzehnjähriger stellungsloser Handlungsgehilfe, ein Knecht, ein Schuhmacher, ein neunzehnjähriger' Kaufmannslehrling, ein gleichaltriger Drogist und ein weiterer Elektriker. Damit dürste die Zahl der mittelbar vder unmittelbar Beteiligten keineswegs erschöpft sein. Bei der Tolstoi-Feier hat sich gezeigt, daß auch eine ganze Anzahl höherer Schüler unter den Radauheldeu Am Sonntag, den 23. September» dem Vorabend des Versöhnnngsfestes, durchfuhren abends gegen 8 Uhr, von einer Veranstaltung aus Westhofen bei Worms ko«,inend, zwei Lastautos mit einem Anhänger, vollbesetzt niit Nationalsozialisten, die hessische Kreisstadt Oppenyein, a. Rh. Während der ganzen Fahrt schrien die Insassen i,n Ehor: Deutschland erwache, Juda verrecke: Aus de» fahrenden Autos wurde ein Hans mit Steinen bombardiert, die haarscharf am Kopfe vorübergehender Passanten borbeiflogen. An einer Straßengabelnng überholten die Autos einen Trupp festlich gekleideter friedlicher Männer, Frauen nnd Kinder, insbesondere auch junge Mädchen, und beschimpften sie im Vorbeifahren in nicht wiederzugebender Weise. Gleichzeitig warfen sie mit Gläsern auf die friedlich Dastehenden, die nach der Vordeisahrt im Abstande von den Autos ihren Heimweg fortsetzten. Plötzlich hielten die Wagen. Die Führer nnd eine Rotte Burschen entstiegen ihnen und überfielen die auf der Straße gehende» jungen Leute nnd schlugen ans sie mit Gummiknüppeln, Schlagringen und anderen Gegenständen ein, während sich die Umstehenven in einem benachbarten Hanse in Sicherheit bringen tonnten. Der 20jährige Ludwig Goldschmidt aus M tt h r st e i n a. Rh. sank plötzlich zusammen. Er hatte einen Stich zwischen die Rippen, dicht an der Lunge vorbei erhalten, so daß sich Hemd und Weste über nnd über voll Blut ergossen. Der Kriegsteil n e h m e r Ludwig Hirsch, ein Mann, der im Feld den halben Arm verloren hat und mit dem Eisernen Kreuz, der hessischen Tapferkeitsmedaille nnd dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet wurde, war herbeigeeilt, weil er fürchtete, daß sein Ottjähriger Vater sich in Gefahr befände. Er rief nach diesem, wurde jedoch sofort von einer Rotte nniformierter Nationalsozialisten umringt, die in rohester Weise ans seinen Kopf, Hals nnd Rücken einschlugen und ihm die Kleider buchstäblich vom Leibe risien. Er ries: „Schämt ihr euch nicht, so gegen einen Kriegsteilnehiner, der einen Arm verloren hat, vorzngehen?" Er riß sich los» wurde aber auf einer Strecke von 150 Metern von einem Hitler- Gardisten verfolgt, der mit einem feststehenden Messer aus seinen Armstumpf einschlug nnd erst von ihm abließ, als von den nationalsozialistischen Führern das Kommando ertönte: Jnngmannschaft zurück! Die Autos suchten daraufhin mit abgeblenvetem Licht Vas Weite, wurden jedoch von der Kriminalpolizei in Mainz, die sofort durch die herbeigernfene Oppenheimer Gendarmerie alarmiert wurde, mit Nummern nnd Insassen sestgestellt. Die Verwundeten fanden sofort ärztliche Hilfe und stnd noch bettlägerig. Unser Berichterstatter traf Herrn Hirsch mit einem starke» Schüttelsrost a«, der ihn nach einer Einspritzung wegen Starrtrampfgesahr befallen hatte. Der junge Goldschmidt war infolge des große» Blutverlustes sehr geschwächt. Die Bevölkerung aller Ätänve drückte allgemein ihre Empörung über die rohe und feige Untat der natioualsozialistischeu Bursche« ans nnd erkundigte sich ständig nach den» Befinden der Berletzten. 260 Jahre und — acht Jahre. In Prenzlan leierte vor kurzem die ulte, allgemein geachtete Firma Ascher Mäher ihr hundertjähriges K c s ch 8 f t s j n b i l ä » m. Die Familie, die im Jahre 1(198 den Schuhbries vom Kursnrslcn Friedrich III. von Brandenburg erhielt, und nachweislich 26V Jahre am Orte ansässig ist, wurde durch zahlreiche Ehrungen zum Jubiläum erfreut. Als auch Die Magistrats- Mitglieder — sv berichtet die „Eberswalder Volksmacht", Nr. 1G4 — um Stellungnahme zur llcberbringnng städtischer Glückwünsche ausgesordert wurde», bemerkte der rechtsradikale S t a d t r a t I n h r ni c i st e r : „Lehne die Kur ab; Mayer ist Jude nnd Ausländer." gnhrnieister wohnt acht Jahre in Prrnzlau — Mayer über 200 Jahre. TÜer kann also eher als „Ausländer" gellen? Dast der Magistrat von Preiizlau Fuhrmeisters Handlungsweise billigt, mochten wir nicht annehmen.