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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 8 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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76 Das schwarze Auto. Ein Märchen ans unseren Tagen. Vorbemerkung: In den tci;tc» Monaten tanchien in O b c t * fd)lc(ien Gerüchte vm, den tlntafcn eines ,,s ch >v a r z e n Autos" immer wieder mtf. Tn den Geschichten hier und da Iudenseindichnst ,n>- hnsiete, und da auch neuerdings das bekannte Wochenblatt des Herrn Tr. Gvebbels, „Der Angriii", Cnllührungcn Atinderjähriger in Berlin durch ein von „d n » k l e n Männern" gejül>rtes Auto, ans dessen Jusaise» slngs „Juden" gemacht ivcrdeu, in großer Ausmachung vcrlueiiet. ist der Syndikus des Landesverbandes Ober sch tesien des 15. B. diesen Erzählungen gründlich nachgcgangen. Tie Ergebnisse seiner Ätachlorschnngen Iverden lebhastein Interesse bei dem jüdischen >vie nichljndischcn Teil unserer Leser begegnen. Im letzten Winter waren in Ob e r s ch l e s i c n, insbesondere unter der Landbevölkerung, Gerüchte über ei» „schwa rzes?ln to" verbreitet, von dessen Insassen eine ganze Reihe Kinder, Mädchen, aber auch erwachsene Männer, mit Gewalt verschleppt ivvrden sein sollten. Da insolge der allgemeinen Beunruhigung stellenweise sogar die Lehrer in der Schule die Kinder vor dem „schivarzen Auto" warnten, suchte die Polizei eine Klärung dieser mysteriösen Angelegenheit mit allen nur denkbaren Mitteln zu crrciclzcn. Polizeibenmtc gingen, als Frauen verkleidet, auf den als besonders gefährlich angesehenen Straßen spazieren, tun (idj entführen zn lassen, aber, wie voraiisznschen war, ohne Erfolg, Lchließlich gelang cs, alle bekannt g c w v r d e n e n F ä l l e n l 8 M ä r ch e n a u s z u k l ä r e n, durch die ein längeres unerlaubtes Fernbleiben von Haus, Schule oder Arbeit beschönigt iverden sollte oder bei denen eine gehörige Portion Hysterie oder Vagabundcntinn mitspiclte. In Gleiwih mußte ein junger Mann zngebcn, daß er ein ans der Kanalstraße stehendes Wellblechhänschcn in der Dunkelheit als schwarzes Auto und die Bäume als Männer angesehen hatte. Am 28. Januar wollte In Cosel ei» junges Mädchen bei einer solchen Entführung sogar einen Mes ferst ich in den Rücke» erhalten haben. Als sich aber bei einer ärztlichen Untersuchung weder eine Wunde noch eine Narbe fand, mußte sie schließlich zngeben. geschivindclt zu haben. Ter ernsteste Fall war zweifellos der, da ein Mann, der iaisächtich mit erfrorene» Füßen in das Krankenhaus eingcliefert werden mußte, nngab, Insassen eines „schwarzen Autos" batten ihin ein Fläschchen unter die Nase gehalten und ihn dann betäubt ins Auto gezogen. Nachts sc! er dann mit erfrorenen Füßen im Walde bei Labnnd erwacht. Die in diesem Fall besonders schivierigcn Ermittlungen ergaben schließlich, daß cs sich um einen Arbeitsscheuen handelte, der sich bei einem vielleicht kranlhasten Herlimstreichcn nachts im Walde verirrte und sich dabei die Füße erfror. Ein Schuljunge in Gleiwitz wurde Anfang März im Skadtwntd mit verstauchtem Bein anfgcfmiden. Er lvollte sich das zugezogen haben, als er ans bem „schwarzen Auto", in dem man ihn habe entführen wollen, herausgcsprnnge» sei. In Wirklichkeit hatte er sich, wie er schließlich selbst gestelien mußte, an ei» Auto angehängt und sich beim Hernnlersnllcn den Sckadcn geholt. Am 14. März sollte i» Schal sch a ein dort vermißtes Mädchen in einen Sack gesteckt und von dem „Wvar,zen Auto" verschleppt worden sein. Es wurde kurz daraus in Glciwitz ansgrgrisfc» und wegen Herunistrcichens in Fürsorgeerziehung gegeben. Als schließlich ein nnausgcklärtcr L u st m v r d an einer Frau in der Nähe von Benthen mit dem schivarzen Auto in Verbindung gebracht ivurde, unterbreitete die Polizei in einer Pressekonferenz ihr Material zur allgemeinen Beruhigung der Oeffentlichkcit. "Die Gerüchte vom schivarzen Auto verstuininte» mm für längere Zeit. Die Aufklärung der Polizei schien aber doch nicht überall hingedrnngen zu sei», denn ein dreizehnjähriger Schuljunge in Schewt o w i tz bei Gr. - Strehlitz erzählte, daß er am 6. Juli beim Gnnsehüteii von einem Mann „mit langem Bart und gedrehten Ohrcnlockeii" in einem Automobil nach dem Weg gefragt ivvrden sei. Dabei sei ihm dieser mit der halbgeöffneten Hand über die Nase gcsahrcn und habe ihn so eingeschläfcrt. Bei seinem Erivnche» habe er sich im Auto zwischen zwei Männern „mit gedrehten Ohrcnlvcken" befunden. Auch der Chauffeur habe einen Spitzbart gehabt. Als er „Retlimg!" schrie, hätten ihm die beiden mit dem Tode gedroht. Ta habe ein auf cincni Rade daherkonnneiider Landjäger sein Rad ans der engen Straße vor das Anto geivorse» und es dadurch zum Hatte» gebracht. Er sei darnris entsprungen, und als er um *^4 Uhr nach Hanse gckominen wäre, hätte seine Mutter von den Nachbarn schon von seinem Abenteuer gewußt. Damit hatte die Geschichte ihre antisemitische Note belommcn, und ein judenseindlicher Berichterstatter hatte nun nichts Eiligeres zn tu», als sie in einer sonst cinwniidsrci geleiteten Zeitung zu verüssentliche». Die darnnshin von der Ortsgruppe des C en t r a lve r c i ns in G r. - S tr e hl i tz erbetene amtliche Untersuchung des Falles ergab, ivie das nämliche Blatt jetzt berichtigend miticilt, daß der Junge, statt in die Schnle zn j gehen und nachher die Gänse zu hüten, sich in der benachbarten Stadt Gr,-Strrh!ih Herumgetrieben und das ihm irgendwie bekannt geivordene Märchen vom „schwarzen Anto" erzählt hatte, um der zu e^vartende» Strafe zn entgehen. Te» Bolkskmidler, den Märchen- und Sagenforscher, mag der immerhin seltene Fall der Enlstehnng eines neuen Sagcnstosses vom „schivarzen Anto" mit den Regnisitcn. Personen imd Motive» des allen Märchens, wie der in den Sack gesteckten Jungfer, dem Juden mit dem schivarzen Bart, dcni Hirtenbube» mit seinen Gänsen nsiv. inlcressiercn. Die Tatsache mag ihn vielleicht sogar ersrcucn, das; die Fähigkeit, Sagen zu gestalte», im Bvlk nicht verloren gegangen ist und selbst vor den Erzciignisse» invderiicr Technik nicht halt macht. Der jüdische Betrachter aber kann sich eines leichten Grauens nicht erwehren, wen» er rückblickend überdenkt, welch cntsetzlick>c Folgen solche antisemitischen Märchen oft in früherer Zeit hatte», ja in manchen Teilen Osteuropas heute noch habe». Dr. I. Jakobowitz (Benthe»). „Ihr" Spstem. Der „jiiöifche Sittlichkeitsverbrecher" — ein Stahlhelmführer. Das System der völkischen Preise ist Miseren Lesern zn Genüge bclaimt. Jede ihr unsympathische Persönlichkeit in Politik und Wirtsclpst, i» Literatur und Kunst wird, wo nur angängig, zum Juden gemacht. Die völkisäM Wochenblätter, die teilweise von Skandalen leben, gehen noch einen Schritt weiter und fabrizieren all die Missetäter, die Schuldigen wie die Unschuldigen, die gerichtlich belangt werden, zu Juden. Selbstverständlich sind auch unter denen, die sich gegen Recht »nd Gesetz vergehen, zweifellos Inden. Leider! Es können ja nicht alle Inden Gelehrte, wie Einstein. Nordpolsorscher wie Pontremvli, Olympiasieger ivie Helene Mayer sein, ja, es sind sicher nicht einmal alle brave, normale Staatsbürger. Wollten wir in dieser niedrigen Weise gegen Völkische jedweder Färbung kämpfen — wir hätten ivahrhastig nicht nötig, erst nichtjüdische» deutschen Missetätern fälschlicherweise dag Hakenkreuz mnznhäiigen. Die völkische Beivegnng der Nachkriegszeit hat so viel misanbere Elemente in ihren Reihen, völkische Sünder ans allen Gebieten haben so ost peinliche Belainitschast mit den Gerichte» gemacht, daß wir in jeder Nummer dieser Zeitung die Spalten mit Berichten darüber überfüllen können. Wir lehnen aber diese K a in Pf e s we i se grundsätzlich ab. Mögen nur die Völkischen immer weiter in den Privatverhültnissen jüdischer und angeblich jüdischer Mitbürger hermmvühlen! Tein a n st ü n * biflc» Deutschland iverden nur die Augen über dieses „arische System" aiifgchen. Heute liegt einmal ein besonders lehrreicher Fall vor, der völkische Arbeitsmethoden auszeigt. Wir veröffentlichen ihn, wir müssen ihn verössentlichen, damit ivicdcr einmal die deutsche Lcsscntlichkeit klar fleht, in lvelcher unausrichtigen, widerlichen Weise gegen u»8 gearbeitet wird. Es soll — obwohl eigentlich überflüssig — unterstrichen werden, daß wir nur in der Notwehr von der politischen Organisation des Angeklagten hier spreclpm, ohne damit etwa diese auch nur in den entferntesten Zusaminenhaiig mit der Anklage bringe» zu wollen. Am 5. August berichtete die völkische „Berliner Arbeiter-Zeitung", am 7. August der Münchener „B ö l - kische Beobachter", das; ei« „jüdischer Kaufitt a n n" aus Berlin, Weener W., vom Schöffengericht Berlin-Tempelhof wegen dreifacher Notzucht, begangen an in» Hause seiner Eltern beschäftigten Dienstmädchen, zn Jahren Gefängnis vernrteilt worden ist. Nach einem blutrünstigen Verhandlungsbericht wirft das Blatt dann die Frag« auf» ob etwa t'A Jahre Gefängnis ohne Verhaftung nach Urteilsverkündung „eine gerechte Strafe sein solle» für ein jüdisches Verbrechen ab»or- »ren Ausmaszes, das unter Mitzbrauch dienstherrlicher Gewalt drei deutschen Mädchen Ehre «nd rassigste Gesundheit raubte". Der nichtjüdische (und der jüdische) Leser schaudert, wenn er in diesem „Jüdische Notznchtsskandale ohne Ende" überschrieben«« Artikel liest, wie dieser jüdische Wüstling die armen, hilflosen Dienstmädchen vergewaltigt, gepeinigt, misshandelt «nd bedroht hat. Er findet es ««- begreiflich, wie der Staatsanwalt, dem eine „schmutzige Phantasie" attestiert wird, und der Verteidiger, Dr. G e o r g Loewenthal, dem der gleiche Vorwurf nicht erspart bleibt, Fragen au die Zeugen stelle» können, die geeignet stnd, die Glaubwürdigkeit der armen Opfer des jüdischen Lüstlings zn erschüttern und ihn selbst herauszureisten. Entsetzen mutz jedoch jede« nichtjüdtschen Leser ergreifen, wenn der „Völkische Beobachter" ihm weiter mittcilt, datz diese scheußliche Untat keinen Einzelfa« darpellt, fondern nur ein Glied in einer Kette jüdischer Notznchtssrandale bildet, ein Fall in der ungeheuren Anzahl der Verbrechen gegen die geschlechtliche Ehre „ichtjüdischcr Frauen und Mädchen, welche dem Inden sein Religionsgesetz, der Talmud, nicht nur erlaubt, sondern geradezn gebietet und deren Ziel die planmätzige Entsittlichung des deutschen Volkes bildet. Der C e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist, wie immer in solchen Füllen, dem Dorfall sofort nnchgegangcn und übersandte den Artikel zur Stellung-

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