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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 8 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe Mgust 1^2S Ällgemeine Zeitung des Oudenrums;JhT«T5 311 i MWMMkkWklilU" . Don Wofesjvr Sr. R. Stlibe WejpzlO. Von der allgemeinen Bedeutung des Alten Testaments sprechen, heißt ein großes und sehr vielseitiges Stück der Kulturgeschichte entrollen. Denn dabei handelt cs sich darum, die reichen Beziehungen und Auswirkungen des Alten Testaments in der Geistesgeschichte mehrerer Jahrtausende zu erfassen. Das Schicksal dieser Schristensnmmlung an sich schon ist merkwürdig genug. Das Alte Testament umsaßt die Reste einer alten orientalischen Volksliteratnr, die ihrem Ursprung nach nur der Besitz eines lleinen Volkes sein konnte, in einer Sprache geschrieben, die von einer Zahl gesprochen wurde, die den großen Kulturvölkern des alten Orients gegenüber gering war. Die Erhaltung dieses Buches allein schon ist ein geschichtliches Wunder. Daß cs aber ein Besitz der Menschheit geworden ist, bedarf der Erklärung. Nach drei Richtungen hin ist das Alte Testament in der Kultnrwelt wirksam geworden: als literarisches Gebilde, als religiöses Urkundenwerk und als ein Werk, das größte k ü n st l e r i s ch e Werte der K u n st g e s ch i ch t e gegeben h a t'i, das der Malerei, P l a st i k, Dichtung und Musik unvergleichliche Anregungen vermittelt hat. Fragen wir zunächst nach der Stellung de8 Alten Testa mcnt s in der Weltliteratur, so muß man sagen: Es gibt kein literarisches Werk, das an Weite und Tiefe der Wirkung dem Alten Testament gleichkommt. Diese Behauptung mag vielen überraschend scheinen. Aber vergleichen wir die größten und wirkungsreichsten Werke, so stehen sie alle dem Alten Testament nach. Vielleicht kann mit ihm am ehesten Homer verglichen, werden, der die Bildung des Griechentums bestimmte und bei den Römern durch B e r g i l eine Nachwirkung erlebte. Aber seit dem Untergang der Antike versank auch Homer; selbst dem griechischen Osten wurde er fremd. Im Orient ist eine syrische Uebersetzung verschollen, während bei den Arabern Homer nur einmal genannt wird; hier aber erscheint er unter den Aerzten. Mit der Renaissance wurde Homer wieder entdeckt, und die humanistische Bildung hat ihn den Gebildeten wiedergegeben. Aber trotz der Uebersetzungen und trotz Goethe ist Homer kein volkstümliches Buch geworden. An Wirkung im Orient wie im europäischen Mittelalter könnte man noch Aristoteles dem Alten Testament nahestellen. Er hat auf die mittelalterliche Philosophie den bestimmenden Einfluß geübt, der von Bagdad bis Paris und Köln reichte. Aber seine Wirkung blieb doch aus die Gelehrten beschränkt. Auch die bedeutendste Leistung der Römer, das Corpus iuris, hat wohl in Italien und Deutschland eine tiefe Wirkung geübt. Spanien, Frankreich, England und der Norden haben aber an den germanischen Rechtssormen festgehalten. Suchen wir die großen Dichter auf — Dante. Cervantes, Wol4 vW*. Shakespeare etwa —, so haben sie alle eine durch Sprache, Nationalität und Kultur begrenzte Wirkung, vor allem sind sie alle nur der Besitz einer höheren Schicht der Kulturwelt geworden. Dem steht das Alte Testament gegenüber. Es ist aus den Schranken seines Volkes und seiner llrsprache gelost, indem es ins Griechische, das heißt in die antike Weltsprache, übersetzt wurde. Das hebräische Original wäre niemals außerhalb der jüdischen Gemeinde bekannt geworden. Aber in der griechischen Weltsprache wurde es ein Buch der Weltkultur. Das hat einen tieferen Grund. In seiner griechischen Gestalt trat das Alte Testament in eine geistige Welt, die innerlich vorbereitet war, es aufzunehmen. Im antiken Seelenleben war das Bedürfnis nach Gewißheit, nach Lebensführung erweckt, die den Gebildeten die absterbende Religion, und den breiten Massen die Philosophie nicht bot. In diesem Sinne hat das werdende Christentum das Alte Testament auch als seine Heilige Schrift übernomnien und es in den geistigen Besitz der Menschheit eingeführt. Dieses Buch aber redet nicht zu dem engen Kreis der Gelehrten und Hochgebildeten. Gerade das Schlichte, das Unmittelbare der alttestamentarischen Erzählungen, die tief-menschlichen Töne, die aus Propheten und Psalmen klingen, machten das Buch zu einem Besitz der Völker, wobei mau von dem national-geschichtlichen Gehalt, wie er etwa im Ritualgesetz vorliegt, absehen konnte. Heute wird das Alte Testament oder wenigstens seine wertvollsten Teile in etwa fünfhundert Sprachen vorliege n. Kein anderes Werk der Weltliteratur wird sich danach an Volkstümlichkeit und Weite der Wirkung mit dem Allen Testament mesien können. Welche Stellung nimmt nun das Alte Testament als religiöse Urkunde ein, welches ist seine Auswirkung im Bereich des religiösen Lebens? Wir sehen ganz ab von den religio nsgeschichtl i ch e n Beziehungen, die das Alte Testament durch zahlreiche Fäden mit seiner religiösen Umwelt, dem alten Orient, ver- Aus dem Inhalt Walter Btoem and Herbert Eulenberg! Die Korps. — Das schwarze Auto. — Die grossdeutsche Frage auf dem Danziger Studententag. — Dr.D.M.s Friedrich II. von Baden. — Privatdozent D.Fiebig (Leipzig): Der Versöhnungsgedanke des Judentums innerhalb der diristlidt-reJigiösen Umwelt. 9291

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