Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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5ö gen Sinfjeit jujanuuenfiubcn, die im Gefühl der Liebe und Freundschaft wurzelt; die Seele muf? die Seele suchen, und es darf kein Empfinden der Fremdheit Katholiken, Protestanten, Jude» und Freigeister trennen, ivie verschiede», sie auch ihr Verhältnis zu Kvtt auffassen mdgeu. Das dumme Gerede Vvm Gast- und Wirtsvvlk sollte endlich nufhvreu. Wir können Inden in Deutschland bereits zur Zeit Karls des Grvsien Nachweisen; es gibt jüdische Familien, deren Stanunbauin in Deutschland soiveit zurückreicht, ivie der weniger christlicher, bürgerlicher Familien. Eine bald zwei Jahrtausende umfassende Kultnrgcmemschaft verbindet gerade ans deutschem Boden Christen und Juden. Eine innere, gefühlsbeschnüugtc Gemeinschaft ist nur da denkbar und von Dauer, wo g e in e i n s a ,u e Ziele und Ideale vorhanden sind. Fehlen die etwa in unserem Falle? Ist nicht das Ideal der Hu m anität in gleichem Maße deutsch wie jüdisch? Man dars nur der Nolle gedenken, die die deutschen Juden in unserer beutfdjeiif Kultur gespielt haben. Dies wäre nun freilich ein Thema, das eine besondere Behandlung verdient. Was wäre z. B. aus der deutschen Lyrik ohne Heine geworden? Kann man M e y e r b e e r, Mendelssohn ». a. aus dem deutschen Musikleben wegdcnken? Wer hat Kant besser und tiefer verstanden und auSgelegt als Hermann Evhcn? Lassen nur es hier bei diesen Hinweisen bewende»; man »uisi ohnehin mit geistiger Blindheit geschlagen sein, >ve»u nran die Bedeutung des Judentums für die deutsche Kultur nicht anerkennt. Beginnen wir i» den S ch ulen! Erziehen wir unsere Kinder zu gegenseitiger Achtung und zur Humanität, so wird die Entwicklung des Geisteslebens in unserem Volke friedliche und glückliche Bahnen einschlagen! Zur tzeimatsgeschichte -er öeutschen Juden. Wertvolle Veröffentlichungen ver letzten Zeit. Im Dezember 1927 jährte sich zum fünshundertstcii Male der TodeStng eines berühmten jüdischen Forschers und Lehrers, der dreißig Jahre Rabbiner der Stadt Mainz war; des Moren» Hvrnv N. Jakob den Mosche Hnlevi, nach de» Anfangsbuchstabe» seines Namens kurz Mnhnril genannt. Dein Andenken dieses großen Mannes nüdmete der 1925 gegründete Vereiir zur Pflege jüdischer Altert ü 111er i n Mainz, der sich bereits durch die Gründung eines jüdischen MnscmnS bedeutende Bcrdicnste crworben hat, unter Leitung seines ersten Bvrsitzciideu, Rabbiner Dr. Sali Lebt (Mainz), eine Schrift, die als Sonderheft der „Mcnoratz" unter dem Namen „Magcnza, das jiidische Mainz", erschien. Diese Schrift, die eine Reihe von Eiuzelnussätzeii von der Hand namhafter jüdischer und christlicher Gelehrter bringt, will das bereits über jüdische Kulturdenkmäler in Mainz gesammelte Material weiteren Kreisen zugänglich machen, zu neuen Forschungen anrcge» und somit Bausteine liefern zu der immer noch ungeschriebenen G e s ch i ch t e der Inden in Deutsch- Dic einzelnen Aussätze schildern das Leben und die Kultur der Mainz Jubengcmciudc von der Römerzeit bis ans unser« Tage: Mit beut ältesten iüdischcn Knlturdvknmcnt in Mainz. dem in d Römerzeit gegründeten und bis 1880 in Benutzung besindliche» alte.. Friedhof beschäftigt sich eine Abhandlung von Rabbiner Dr. Bondi. Dieser alte Friedhof erzähtt mit seinen Grabsteinen berühmter Rabbiner und Gelehrter wir glänzenden Leistungen jüdiMr Gcistcsgeschichtc, mahnt aber nnch an finstere Zeiten der Verfolgung: Die Grabsteine sand man z»,n Teit vermauert in Brücken, Toren >md Bauten am Rhein. Gin Streisiicht aus die Lage der Juden im Mitteinlicr ioirst auch der Bericht von Pwscssor Heinrich SchrosN ,.W i e gelangte A! a i n z zur Herrschaft über die Juden in d e r S i n d t?", der schitdert, >vic 1295 eine Judenversolguiig und -stiicht aus Niainz zu einen, tangdauernden Streit zwischen der Stadt und dem Erzbischof führte, in den selbst der König cingrcifen muhte, weit sich die Parteien nicht darüber einigen konnten, wem die Juden und ihre Habe gehörten. Das Geld der Juden nahm man also schon damals gern. Aon mehr knnstivissciischastiichcn, Interesse ist eine Hhhvthcse von Dr. Klingclschmidt, der einen Fund aus dem Gelände des Rcichs- Ilarcnllvsters — ei» Säniche» und einen reich sknihtiertcn und mit einem Mler als Schutzmarke versehenen Pfeiter — deutet als Fenster vom Hanse des K a l h n o m v s , eines um 10UO in Mainz wohnhaften Gelehrten, der eine besondere Stellung zum Ottvnischen Kaiserhause halte. Wie die Stadt zur Zeit des Mai,mit anssati, schildert Dr, SIttdolf Busch, während Prvscjsvr Nkkb uns einen Mick in das ehemalige Ghetto mit seinen krummen Gassen und cngbriisiigen Hausern tun iaht. Gincn Gang durch das mneiitstaudciie M n s e n in für jüdische Altertümer Iaht uns Dr. Peter Met; tun. Hier zeigt sich das erfreuliche Resultat der Arbeit des Vereins zur Pflege jüdischer Attertüiner. Der kostbarste Besitz des Museums ist eine einzigartige Sammlimg rcichgestickter Thvravorhänge, daneben aber enthält es auch viet Kuitgcrät, meist schöne MetaNarbcitcn des Barock und Rvkokv, und eine Ilrknndcn- „nd Handschristensammlnng, darunter Kuriosa, wie das kreisrunde Handschristensragment, da? einst einem französischen Tambour atS Trommelfeil diente. Während die bisher erwähnten Abhandtnugc» sich mit der Geschichte und Kultur der gesamten Gemeinde befasse», gehen andere, z. B. ,,0 r t - der 9 u bc iiß a {f e', „Das von Sigmund Fridberg, bischer Arzt ' - »Dr. Joseph Hamburg. ...„ Zur K ii r s ü r st e n z e i t" von I. I. Fulda, mehr aus den einzelnen jüdischen Menschen, seine mühjeiige Arbeit und feinen tresfenden Witz ein. Bestimmte Knitgebrüuche der Mainzer Gemeinde teilt Rabbiner IvnaS in den „M n i n z o r Nt i n I, n g i ir e" mit, Ivährcmd Oberkantor Oppenheim eine »rntie Weise Mainzer Shnagogatmnslk, nämlich die ^Nictvdie des im Machsvr des Kot Nidre besindlichcn „I a a l c h", aus- Gudiich ert,alten wir auch Einblick in das Aktcnmaterial der I >> d n i c a, in Stadtarchiv und S t a d t bi b t i o tH c k, in die Akten der Gemeinde, die uns Wissenswertes über Verwaltung. Finanzen, Knttus- und Schulwesen Mitteilen, und in interessante Akten ans der Franzvsenzeit, die n. n. über die Berusnngcn zu dem 1886 von Napoleon nnch Paris bcsohtenen Sanhedrin, über den Neubau des Judcnbadcs 1811 nsw. berichten. , »m das Fgzit zu ziehen: Diese Schrift, der gute Illustrationen beigegcben sind, ist ein höchst erfreuliches Zeichen gediegener wissenschaftlicher Arbeit aus dein ©cbictc der jüdischen Geistes- und Kunstgeschichte »nd wird hossenilich zur Nachfolge anregen. Dr. Gmintz Wiclimcr (Stettin). Die Geschichte des deutschen Jiidenlums im Mittelalter wird hinsichtlich seiner rechtlichen und sozialen Stellung durch einen merk- Iv ü v b i 0 c ii S ch i ck s n l 8 w e ch s e l gekennzeichnet. Bon der Höhe dcS Mittelalters können wir bis in die vorresvrmatvrische Zeit die verschiedenen Etappen des Abstiegs in den einzelne» deutschen Territorien verfolgen: insbesondere für das mitteldeutsche Gebiet hat Rabbiner Dr. Siegbert Ncufeld (Elbing) diese Periode des Tiefstandes in seinem Werke „Die Juden im thüringischsächsischen Gebiet während dcS Mittelalters" erforscht, von dem der erste Band 1917 bei M. Poppelaucr (Berlin) erschienen ist. Ncufeld konnte den ziveiten Band seiner Studien unter dem Titel „Vom .schwarzen Tod' bis zum Ausgang des Al i i t c I (i l i e r I" (Halle 1927, Druck von Gcbaucr-Schivctschke A.-G.) vorlegcii. Als die unter dem Namen dcS „schwarzen Tode s" berüchtigte Pest den Wahnwitz der Judenpogrome nach,sich zog, da wurde auch das thüringisch-sächsische Gebiet ein Herd der Verfolgung, die cntiveder vom Landesherrn oder von der Bevölkerung ausgiug; fast sämtliche Gemeinden wurden vernichtet, und ihr 'geraubtes Gut bildete eine Ivillkommenc Beute. Da mau aber die von ihnen erzielte» Einkünfte schmerzlich vermißte, duldete nm» allmählich ihre Wiedcransiedlimg, wobei, sie freilich durch harte Steuern »nd entehrende Kleidervorschriftei! ebenso eingeengt ivurden ivie anderseits durch ihre zwnugSmnßige BerusSbeschräukuug auf Geldhandel und Pfandleihe. In der Folgezeit ivußte mau sie gleichfalls, und zwar lediglich als gute Steuerzahler, zu schätzen. Durch diese planmäßige Ausbeutung wurde die Lage der Juden genau so unhaltbar, wie ihr Verhältnis zu der christlichen llmivelt sich als unerträglich crivies. Die Folge dieses Zustandes ivar d i e A c r t r e i b u » g der Juden aus Halle, Erfurt, H n l b e r st a d t und Magdeburg; ivnhrscheiulich sandc» die Vertriebenen im Osten des Reiches eine neue Heimat, aber eigentlich erst in der bormcudelssohiische» Zeit vernarbte» die damals geschlagenen Wunden. Ncufeld hat seine mit reichen Quellcubelegeii versehenen Studien nur mit beiinnsigein Räsonnement begleitet. Mit Recht; den» solche tcrritorialgeschichtlichen Untersuchungen sind uuerläßlich, bevor ein auf die allgemeine Geschichte bezogenes Gesamtbild dieser fragivürdige» Epoche entworfen wird. F. F. In Nr. 10 des Jahrgangs 1926 konnte ich von dem Erscheinen des erste» Bandes des Werkes „Geschichte der Juden in Frankfnrt am Main (1150 bis 1824)" von Professor I. K r a k a u e r (Verlag I. Kaufsmnnn, Frankfurt am Main) Kenntnis geben. Es liegt jetzt der zweite Band vor, den die Gattin des verstorbenen Autors unter Mithilse des Herrn Professor Dr. Freimann und anderer Herren sertiggestellt hat. Der Band umfaßt die Zeit von Beginn des Dreißigjährigen Krieges, dem Erlas; der letzten Frankfurter Judenstättigkcit". Ein ausführliches Namen» und Sachregister ist angeschlvssen. Alle Vorzüge, die bei der Besprechung des ersten Bandes hcrborgchobc» iverden konnten, eignen auch dem Schlußbaude. Ein großes, bisher meist ungedrucktes Onelleninatcrial ist verarbeitet. Die Darstellung verliert sich nirgends in Kleinigkeiten. Sie gibt uns, bei allein Eingehen ans wichtige Details doch immer einen Blick auf die Gesniuteutwickluug. Ein besonderes Licht fällt auf die Beziehimgcu der Juden zu der Herrschaft des Fürstprimas D a l b e r g, unter dessen Szepter die Juden aus ihrer noch ganz den Geist des Alittelalters atmenden gedrückten Stellung z» menschenwürdigen Verhältnissen gelaugte». Bis dahin hatten sie noch nnter der „Judenstättigkeit von 1616" gestanden. Auch das Wiederaufleben der Reaktion in Frankfurt, nach dem Sturze Napoleons, findet eine lebendige, anschauliche Schilderung. AtleS in allem bietet das nun geschlossene vorliegende Werk einen' wertvollen Beitrag zur Allgemcingeschichte der deutschen Juden. Moritz 21. Korb. Bering u. Schrifileiiimg: ffcnlcaluercin deutsch. Staatsbürger iilb. Glaubens e.B., Berlin SW 08, Liudcnstr. 13. FUr die Cchriftl. vcranlw.: Dr. Lirdwig Holländer, Berlin 8ZV v«. Druck von Rudolf M.o f f e, Berlin SW 19.