Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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34 Stvicq, Inflation und .fu-ebituot in bcv NachinssaUoiiSzeit möglich. i'iclc Munjevuc umreit glücklicher als der der Brüder Bnrmat. Wir haben schon sehr früh auf die Parallele L t i n n c s—B a r m a t ansmerlsam gemacht und haben die Genugtuung, das; auch in der öffentlichen Diskussion dieses Prozesses und in den Verhandlungen selbst dieser Vergleich immer wieder angewandt wurde, nur die Tatbestände zu Iläre». Die JuslativnSgeschäste der Stinnes und Genossen ans dein Rücken der deutschen Wirtschaft in den Jahren >022 bis ]924 unterscheiden sich durchaus nicht von denen der als leichtfertig und unsachgemäß verurteilten neuen Gruppcnbildungen. sicherlich bestehen gewaltige linterschicde kouimerzieller Art zwischen H n g o S t i n n c § und Julius B a r ina't. Aber auch das G eine i n s a m e: die inanunutartige Entwicklung des Stiiines-Konzerns, der in seinem höhcpunkt 1664 selbständige Unternehniungen mit 2890 Betriebsanlagen und elf mit beut Konzern in Verbindung stehende Banken ninsaßt, hat ldarnuter allein 889 Handelsorganisationen), ist nur durch die Jnslation erklärbar. Wenn den Barmats vorgewvrfen wurde, daß sie von Niargarinehändlern zu Eiseuindustriellen wurden, so ist der Vorwurf, den man gegen Hugo Stinnes erhoben hat, nicht weniger schwer, daß er vom Ähwereisenindustriellen zum Priodnzenteu und Zwischenhändler von Margarine geworden ist. (Vielleicht ist sogar die Stufenfolge bedenklicher.)' Gleichzeitig ist dies eine interessante Variation' zum Gegensatz zwischen „rasfendem" und „schaffendein" Kapital. Aber beim Zusammenbruch hatte e? Stinnes besser. Beim Bar m a t - Zusanuneubruch Staatsanwälte und Uebersallkonnnandos. Beim S ti n n e s - Krach die rettende Hand des „S t i l l h a l t e k o n s o r t i u m §" der D -Banken, die den verhängnisvollen Eindruck im Ausland mildern wollten. Ter von völkischer Seite viel gelästerte I a c o b G o l d s ch m i d t >var es in erster Linie, der schnell und energisch alle geeigneten Schritte ergriff, um eine langsame Liquidation des Stinnesschen Reiches zu ermöglichen. Der schnelle Zusammenbruch der Barmats fraß die letzten Vermögensreste ans, die langsame Liquidation des Stiiines-Konzerns ermöglichte die Ankurbelung der der Familie verbliebenen Unternehmungen, so daß kurze Zeit später wieder eine Amerika-Anleihe in hohe von 25 000 000 Dollar für die Stinnes-Unternehmungen abgeschlossen tverden konnte. Der St i n n es-Ko n z er n als Hände lsg r n pp e b este h t u n d bl üht -da her heute noch. Allen objektiven und sachlich kritischen Aenßerrmgen über die wirtschaftliche Tätigkeit des deutschen Judentums sind wir immer und allezeit zugänglich. Wir deutschen Juden wollen unseren' nichtjüdischen Mitbürgern offen i n s Auge sehen k v n n c n. Es sind auch bei uns llebelstände vorhanden. Aber wir lehnen alle Verallgemeine r lt n g e n ab. Wohin würde das führen? Von den Barmäts sagen die Völkischem so wie sie sind alle Inden. Was ivürde man dazu sagen, lvenn wir auf die sinnlose Idee kämen, das gesamte deutsche Beamtentum beschuldigen zu wollen, weil der Oberfinanzrat Hell!v i g der Preußischcn Staatsbank nunmehr der passiven Bestechung überführt wurdet WaS ivürde man uns vvrivcrsen, lvenn wir den Fall Stinnes — der in seiner Auswirkung sehr bedenklich war — dem ganzen deutschen Unternehmertum ankreiden würden? Würden es sich die deutschen Offiziere gefallen lassen, wenn wir die Transaktionen des K a p i t ä n L o h m a n n als typisch für den Geist des deutschen Lssizierkvrps bezeichnen würden? Aber im Fall Barmat svll es erlaubt sein, zu verallgemeinern, weil man zu einer zugkräftigen Wahlparole kommen will! Die Transaktionen des Kapitän Loh mann: Ohne daß ' bisher restlose Klarheit vorliegt, kann doch gesagt lverden, daß hier ein .Konzern" entstanden ist, der das Reich rmid 80 Millionen Reichsmark gekostet hat. Auch hier lag keine wirischaftspolitische Idee zugrunde, hier ivürde — viele Jahre n ach der Inflationszeit — mit inflationistischen Methoden gearbeitet. Roch weiß man nicht, welche Kreise und Persönlichkeiten sich an den von Lohmanu „verwalteten" Geldern bereichert haben. Aber schon versuchen die völkiseheu Zeitungen — ohne Beweis und handhabe — in dunkeln Andeutungen es so darzustellen, als ob Juden die Nutznießer dieser bedenklichen Wirtschaftliehen Transaktionen geivesen seien. Besteht nach allen Ziisammenbrüchen n i ch t jüdischer Unternchmmigen und Konzerne, nach den Unregelmäßigkeiten, die lvir schaudernd erlebt haben, die Berechtigung, den Fall der Juden Barmat zu verallgemeiiieru? Wir glauben daran, daß die große Mehrheit dös deutschen Volkes die Objektivität aufbringt) sich nicht weiter verhetzen zu lassen, und daß es nach dem Ausgang des Prozesses den.Bürgerschreck Barmat nicht mehr fürchten wird.' Die Lehre dieses Prozesses aber sollte sein: m e h r O b j e k t i v i t ä t und W a h r h e i t i n d e r I n d e n ° frage ganz allgemein! Ist Kurie veMteilt den 8udenW. Anslösmig Der „Freunde Israels". In den „Acta Aposlolicao" Nr. 4 wird ein Dekret veröffentlicht, welches die Auflösung des Vereins „Amid Israel“ enthält. Man wird sich erinnern, lvie lebhaft diese Gesellschaft, als sie vor ungefähr zivei Jahren gegründet wurde, die Oefseutlichleit beschäftigte. Der Papst empfing damals den Gründer der Gesellschaft, Monsignore van Aseldonk, in Audienz und erklärte diesem, daß er den Kampf gegen den Antiseinitismiis, die auch in den katholischen Ländern angewcichsene Bewegung, unterstütze. Wörtlich erklärte Pius XI.: „Es ist gegen Vas katholische Prinzip, die Inden zn verfolgen." Nach dieser Vorgeschichte der Gründung mußte es von vornherein klar sein, daß der Grund für die Auflösung der Gesellschaft n i ch t in einer Wandlung der Kurie zur Frage des Judenhasses zu erblicken ist. Der Wortlaut des Dekretes bestätigt auch diese Aiisfassiing, denn es heißt Die katholische Kirche war den, jüdischen Volke immer giinstig gesinnt . . . Im Geiste dieser Liebe zu Israel Hai der Apostolische Stuhl das jüdische Volk gegen «ngerechte Bedrückung geschützt, nnd ebenso sehr wie er jeden Haß nnd jede Feindschaft nnter den Völkern verwirft, so verwirft der Heilige Stnhl dies aufs schärfste gegen das erkorene Volt Gottes, jenen Hatz, der in, Antisemitismus in Erscheinung tritt. Der weitere Wortlaut des Dekretes gibt dann die — man möchte sagen innerorganisntorischen — Gründe an, die die Aiiflösiiiig veranlaßt haben. * Die Deutlichkeit, mit der der Vatikan den Antiseinitismns verurteilt, ist sehr zu begrüßen. Ein so klarer Ausspruch wie: der Heilige Stnhl verwirft anfs schärfste „jenen Hatz, Der im Antisemitismus in die Erscheinung tritt", wird feinen Eindruck auf die katholischen Massen sicher nicht vcr- Stimmzwang durch öopkott. „Vornehme" Wahlmcthoden. Die Dcutschnationate Volkspartei, KrciSberci» Mäusterberg, hat ein Flugblatt an die Parteimitglieder hcrausgegebeii, in dem neben der Aufforderung zur Zahlung der VcrciuSbeiträgc auch folgende Lätze stehen: „Wir aber, die wir in schwerster Stunde, gleich den Soldaten au der Front, «nscr Vaterland bis zum letzten verteidigen, werden den Kauen und Gleichgültigen durch wirtschaftliche» nnd gesellschaftlichen Boykott zeigen, -atz «ns nichts mit ihnen verbindet." Die „Kölnische Volkszeitnng" vom 22. April 1928, die dieses Flugblatt v e r d i o n t e r m a s; c n — nicht um seines Wertes, sondern seines Unwertes willen — veröffentlicht, knüpft hieran solgendcu Komcntnr: „Wir sind vielleicht doch schon tiefer im Wahlkampf als wir geglaubt haben. Denn ans dem Morast steigen schon etliche Snmpfblasca auf. W c n n d n Z s v w e i t c r geht . . Wozu von unserer Leite zu bcmerkeu ist, d a ß e 3 {o in e i t er. geht und in noch schlimmerer Form gerade gegen un 8' deutsche I u d e n w e i t e r g c h t. Gegen eine solche Politische Gesinnung und ihre Praktische Betätigung kann die Anstrengung aller, für Politische Sauberkeit Besorgten gar nicht groß genug sein. Und der Unterstützung nufer cs C e nt r a l-Ve re i n s gerade' auf diesein Gebiete sind Nur bei allen Miseren Freunden gewiß. .