Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsausgabe -lpril 192$ ötaatsvüryer iiwtirdrn Vlaudens'Ä» ^UtzsnnSins Lsrkriri^ cZss IucLsnturns Bamat, EMnes."' Non 9r, Norbert Einitein. Der FallBarmat ist vorläufig zu»n Abschlllß gekommen. Wie bekannt, endete der Prozeß, der am 11. Januar 1927 seinen Anfang nahm, am 30. März 1928 damit, das; entgegen den Anträgen der Staatsanwaltschaft für die erhobene Hanptnnklage des Betruges und der Untreue der Schnldbeweis nicht geführt werden konnte. Die Juden Julius und Henry B a r m a t wurden vielmehr wegen aktiver, die Nichtjuden Lbcrfinanzrat Hellwig und Oberzollinspektor Stachel ivegen passiver Bestechung verurteilt. Das ist herausgekommen nach einem ungeheuren Aufwand von Zeit, Geld und politischen Auseinandersetzungen, „nd das Kuriosum der 648 Seiten umfassenden Anklageschrift hat in ernsten Kreisen die Frage veranlaßt, ob es nicht sinnlos lvar, diesen Prozeß in der gewählten Form zu führen. Für uns hat der Prozeß B a r m a t aber noch e i n e besondere Bedeutung. Denn von völkischen Kreisen wurden die Barmats als besonders charakteristische Typen des „jüdischen Wirtschaftlers" bezeichnet, und der Kampf gegen Barmat galt der Stellung der Inden im deutschen Wirtschaftsleben überhaupt. Mit der Bloßstellung der Barmats wollte man den großzügigen Betveis liefern, daß die „jüdischen Geschästsmanieren" für das deutsche Wirtschaftsleben schädlich seien, und daß man sich aller Mittel bedienen müsse, um das Judentum im kommerziellen und ökonomischen Leven zu isolieren. Daher füllte der Fall Barmat seit Jahren die Spalten der gegnerischen Presse, daher war er das Lreblingsthema völkischer Redner, daher spielte dieser unerquickliche Fall während des leidenschaftlichen Wahlkampses zur Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1923 die Hauptrolle. Aber auch nach dem Urteil wird jetzt versucht lverden, die geringen Strafen gegen die Barmats, Hcllwig usw. ans den angeblichen politischen Einfluß des Gesamtjudeutums zurückzuführen, und, wenn nicht alle Zeichen trügen, tvird nur Barmat auch »nährend des kommenden NeichStagswahlkampses gestritten »verden. Trotz der geringen Strafen sind die Barmats nicht etwa ohne ernste Schädigung ihres geschäftlichen Rufes aus diesem Prozeß hervorgegangeu. Ebenso »vie »vir nie diesen Fall beschönigt haben, »vollen »vir zetzt den Barmats kein Ehreirkräuzlein »vinden. Ueber die jüdisch-prinzipielle Seite des Falles hat schon Dr. Alfred Wiener in einem Artikel „Müssen »vir .abrücken'?" in Nr. 9 der „C. V.-Zeitung" vom Jahre 1925 geschrieben. Und »vas dainalS galt, ist noch heute zutreffend: »vrr sind nicht für die Barmats verantivortlich, umso »veniger, als sie im öffentlichen und politischen Leben der deutschen Juden nie eine besondere Nolle gespielt haben. Und »vir »vollen a»cch heute sagen, »vas die ganze obMive und sachliche Handelspresse zum Fall Barmat sagen »nutzte: es hat sich in diesen» Prozeß viel Unerfreuliches ergeben. v. Die Niethoden, »rach denen die Barmats Millionenkredite von der Preußischen Staatsbank und von der Reichspost für ihre Unternehmungen und Konzerugesellschasten erhalten haben, sind bedenklich. Die Sicherheiten, die zur Verfügung gestellt »vrirden, haben sich r»icht immer als »vertvoll ertviesen. Das Gericht verrrat — nach der vorlünfigen Urteilsbegründung (die endgültige erfolgt erst in einigeir Monaten) — den Standprmkt, daß viele Geschäfte mit Treu und Gla»»ben nicht vereinbar »varcn. Und Georg Bernhard schreibt in der „Bossischm Zeitung" vom 1. April mit Recht: „Die Barmats gehören nicht zu den vorbildlichen Kausleuten." Was rur Entschuldigung der Barmats gesagt »verden rnntz, hat der Vorsitzende des Gerichts in seiner vorläufigen Urteilsbegründung in gelvissem Umfange schon ausgesprochen. Die Vorgänge jener Zeit sind überhaupt nur zu verstehen, wenn inan die W i r k u n g e n i» n d N a ch w i r kun ge n d er I u - f l a t i o n s z e i t in i t i n Rechnung setzK Man kann nicht sagen, daß die geschäftliche Moral ganz allgemein außer Acht gelassen »vurde. Aber man kann zusammensassend sagen: d>»rch die Inflation sind »virtschaftliche Grundgesetze (manchmal zwangläufig) zum Wanken gekommen. Es galt damals als höchste »virtschaftliche Weisheit, alles Erreichbare anfznkansen. Die Sorge oes Bezahlens »vrirde dnrch die tägliche Geldeni- »vertnng, »venu nicht überhaupt aufgehoben, so doch unerheblich. Nicht die Barinats allein haben sich in jener Zeit auf den Er»verb schlechter Unternehmungen eingelassen, und nicht ihnen allein fehlten nach der Stabilisierung die Betriebsmittel, die ur Weitersührung der Betriebe und Unternehlnimgen erorderlich »varen. Es »var die Zeit, in der es das höchste Ziel eines Wirtschaftlers »var, nicht mir über einen klemerm oder größeren Einzelbetrieb zu herrschen, sondern an der Spitze eines „Konzerns" zu stehen. Die Ueberspitzung des Konzerngedankens hatte in mancheu industriellen Kreisen einen Leichmnn verbreitet, der sich nach Ende der Inflation gerächt hat; auch stärkere und ältere Unternehmungen als die Bnrmatschen sind znsainmengebrochen. Und »venn nicht nach der Stabilisier»»ng sich hilfreiche Hände gefllnden hätten, »vären noch größere Zusammenbrüche erfolgt. ES ist mir durch die Planmäßige Hetze der Völkischen zu erklären, das; bei der Ausschlachtung des Falles Barmat diesen Geoankengängen durchaus nicht gefolgt »vird. Der Umfang der Konzcrnbildung in Deutschland, der nach einer neuen Untersuchurig des Statistischen Reichsamts heute schon rund 62 v. H. des deutschen Aktienkapitals in Kouzerucu umfaßt, hat sicher zum großen Teil rein »virtschaftliche Gründe. Aber das schnelle Tempo »var dennoch nur durch Beherrscher der öffentlichen HIIW> * fK{|n«iig, — Oberstleutnant a. D. Max Brnnzlow: Drückeberger! — Professor Fri« (Meße»»): Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens. — Rabbiner Dr.B.Jacob (Dortmund): Bon der Mischehe. 415