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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe März 192$ Stmttsvürseriü-ibLen Ctonbgns’ftt unOTnQgPtum.1 ÄU^emeina. Zeitung des üudeniums M Ti 1 & ij j ' <* TJ 11inj 1 ff nT7 Mtsthastsprobleme / Staatssekretär z. D. Prof. Dr. Julius Hirsch hat aus der Hauptversammlung des Ceiitrnlvcreiiis deutscher . Staatsbürger jüdischen Glaubens im Februar d. I. einen grundlegenden Vortrag über die WirischastSProbteme der deutschen- Juden gehalten. Da in diesem Vortrag gezeigt ist, ivie eng die Verknüpfung des deutschen Judentums mit der -dcutsclien Wirtschaft ist, geben nur ihn n-achstel)eiid wieder. Professor Hirsch führt aus: Wenn ich heute zu Ihnen spreche, so beabsichtige ich nicht so sehr einen wissenschaftlichen Vortrag aber die wirtschaftliche Lage der Juden' in Deutschland zu geben, als ein Bekenntnis. Itiib dieses Bekenntnis richtet sich vor allem au unsere Jugend, die ich von einem eigentümlichen Pessimismus erfüllt sehe für ihre eigene wirtschaftliche Zukunft. Ich sehe ihr Hoffen, ihr Sinnen und Arbeiten — ich spreche aus tiefer Ueberzciigrmg, kann darum nicht mildern — sehlgeleitet, und das gerade bei dem wertvollsten Teil unserer Jugend — wertvoll für den jüdischeit Stamm, bei dein ja die sinkende Geburtenzahl gerade den Wert der jetzt emporwachsenden iveniger zahlreichen Generation um so höher gestaltet, weil sie aller Voraussicht nach länger als die vergangenen eine Wirklichkeit sein wird ivertvoll für dieses deutsche Land, das keine fähige Kraft und feine Energie in dem kühiren Neuailfbau entbehren Samt, in dessen Anfängen tvir eben jetzt darin stehen ivertvoll für Europas Neuaufbau uud für die Neugestaltung der wirtschaftlichen Welt, die tvir ebeit tverden sehen mit neuen ringeahnten kühnen Zielen. — Fehlgeleitet sehe ich die Hoffnungen dieser jnngelr Generation, uud doch ist ihre Einstellung mir allzu begreiflich. Sie kommt ja aus der Not heraris, ans bitterer Erschwerung . allen ivirtschastlichen urrd gesellschaftlichen Daseins. Und was 'für die Jugend säst schlimmer ist: die jetzt noch regierende Generation gibt ihr allzu wenig an Zielen für ihres Tages Arbeit r«nd für das Wollen und Sinnen in dieser Tagesarbcit, das aus der Werkstatt von heute in die von morgen führt, das immerhin auS dem wirtschaftlichen, gesellschaftilichen und zielmäßigen Pessimismus von gesternt in eine bessere Zukunft zeigt. Schtver genug hatte es diese Jugend, die emporgetvachsen ist in der Entbehrung der Kriegsnot lind in dem Schrecken '.der Inflationszeit. Sie sah sich in einer Welt, die sich zu ihren liiigunsten bedenklich verändert hacke. Materiell hatte sich die llmwelt für sie bedrückeiid nmgestnltet; denn soweit das Dasein der jüdischen Familie ans Vermögen berilhte, war cs typisch das mobile Kapital, oas Geldkapital, und das ivnrde für einen großen Teil vor beit Augen einer Jugend zerschmettert, die diesem Prozeß hilflos zusah — ttbriyens genau so wie auch die Alten —, tlnd die auch noch keinen Ausweg ans dieser Not sah, die ihre Lebensgrundlagen ' überall bedrohte und zunächst teilweise zerstörte. Sv erlebte es diese junge Generation, das; man sie, die Juden, als schuldig erklärte gerade an dem Vvlksunglück, das sie am meisten initgetroffe» hat, als schuldig an der - ,, snnatioii. - Aus dem Inhalt: Und doch sind gegen btcfeS Unglück die fortgesetzten War- »Ar Hungen und vor allem die Vorschläge gerade der Wirtschatteb.^ "T^icn^Dr jüdischen Stammes kläglich unbeachtet geblieben. / Ws*»*/ Von Staaissetreiär z.N. Pros. Dr. Mus Hirsch In diesem Saal hier wurden uns drei große Stabilisierungsversnche, von denen zwei zusammen mit Walther Rathenan ausgearbeitet waren, durch engstirnige Jnterefsenangst, lveit mehr noch durch Mangel an urteil und Voraussicht, bei denen übrigens gemeinsam und gleichmäßig die christlichen und die jüdischen Vertreter der entscheidenden Gruppen im Reichswirtfchaftsrat einander nichts nachließen, zerschmettert. Die Inden sahen sich beschuldigt, Nutznießer dieser Inflation zu sein, die gerade das mobile Kapital, eine ihrer Existenzgriliidlagen, zerstört hat, ja, sie sahen sich beschuldigt als der Verursacher dieses großen Volksnnglncks, denn als dessen Ursache sah man ja nicht den Krieg, der gegen achtnndzwanzig Nationen zuletzt verloreiigehm mußte, sondern man sah sie in der sogenannten Sozialisierung, die auch von einigen Politikern jüdischen Stammes theoretisch mitgefordert wurde und von der praktisch nicht das Geringste wahr geivorden ist. Und man beschuldigte an diesem Unglück die sogenannte Erfüllungspolitik, obwohl keiner der sogenannten Ersüllungspolitiker auch nur im entferntesten die Erfüllmigsfreudigkeit gezeigt hat, die die jetzt regierenden Kabinette in so erstaunlicher Weise anszeichnet. 500 Millionen haben >vir im letzten Jahre infolge gänzlich falscher Steuerpolitik mehr gezahlt, als Dawes und die Seinen überhaupt grundsätzlich vorbeschrieben batten. — Das ist Ueber-Ersüllungspolllik mit deutschnanonal besetzter Regierung. In der Zeit, in der unsere jetzige junge Generation anfwuchs, war der Jude auch noch der „nationale Verräter", lveil einer als Unterhändler mitkämpste um ein erträgliches Dasein dieses Volkes und um die. Vermeidung der Ruhrbesetzung, deren katastrophale Folgen wir dann alle erlebt haben. Ein leidendes Volk braucht einen Sündenbock. Der Jude wurde in Deutschland der Sündenbvck. Darunter litt zuerst der Erwachsene. Ihn suchte man zu strafen für die gar nicht vorhandenen Sünden seiner Staminesgenossen durch wirts ch a.f t l i ch e n Boykott. Mit Bewunderung haben wir vor wenigen Tagen in einer Vernehmung gesehen, ivie der jüdische Kanfmmlnsstand des deutschen Ostens unerschrocken diesen Bohkottkampf ans sich nahm, wie er durch äußerste Herabdrucknng seiner Kosten dem Boykott das wirksamste lvirtschastliche Gegenmittel entgegensetzte, den billigen Preis. Viel bitterer litt darunter die Jugend. Sie verstand die Ursachen nicht, warum sie eigentlich schuldig sein sollte: sie sah vor allem nicht, daß dieser Zustand, in' dem sie gerade anfwuchs, schließlich doch anormal'war, daß er vorübergehen mußte, und so erlebte sie die besonderen Leiden gerade dieser Jugend: Abschließung von außen, Abschlicßung von den anderen ans der Schulbank und ans dem Spielplatz, Abschlicßung von der Wanderung, Abschließnng von den Rechten der Studierenden in einer von Jnslationsnnglück überreizten Studentenschaft, Absperrung auch in wichtigen Berufen. Sigmnnd Feist: Neues aus der Rassenrunde. — Major uff (Rathenow): 12 000 jüdische Gefallene. — e. ^Albert Kcwlowih (Breslau): Judentum

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