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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Date
1928-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Morratsarrsgavr Zebruar 192S PMter fürKeMkcdtm^MSrmm ües LntM-1-erems Srrrtscker undÄwenkunr Lsttui^^ ciss Iucjsntlurrvs Wm. Mlitttt wld SW«. Bon Prof. R. Paul Aldebkandt GerliT Gretel GolWein WkmstM Wb Albe EMkim GerW. Artikel 148 der deutschen Reichsverfassung lautet in seinen ersten beiden Abschnitten: „In allen Schulen ist sittliche Bildung, staatsbürgerliche Gesinnung, persönliche nnd berufliche Tüchtigkeit im Geifle des deutschen Volkstums und der Völkerversöhmmg zu erstreben. Beim Unterricht in öffentliche« Schulen ist Bedacht zu nehmen, das; die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden." Dieser Artikel der detrtschen Reichsverfassung ist bis jetzt ivohl am lvenigsten berücksichtigt »vorden. Dafür hat man ihn nm so mehr angeseindet: man hat erklärt, derartige Vorschriften seien viel zu allgemein gehalten, als das; man sich im Unterricht danach richten könne, man hat weiter die Behauptung ausgesprochen, die Bestimmung über die Völkerversöhnung sei unter dem Druck unserer ehemaligen Feinde entstanden und verdiene um so weniger Nachahmung. Dies ist parteipolitische Mache, jenes bewußte Entstellung, denn selbstverständlich kann eine Verfassung nur allgeineine Grundsätze aussicllen, die durch die Praxis ausgesührt werden müssen. Es ist nichtsdestoweniger Pflicht jedes deutschen Lehrers, sich mit diesen Sähen der Verfassung zu beschäftigen und ihnen, wenn er Wert daraus legt, wirklicher deutscher Staatsbürger zu sein, nachzukonrmen. Die deutsche Verfassung ist bekanntlich die erste, die, über die engen Grenzen des Vaterlandes hinausdenkend, im Sinne von Kants kategorischem Imperativ das sittliche Gebot des w i r k l i ch e u Menschentums verkündet, das als Vorbild für sämtliche Verfassungen dienen könnte. Und deshalb sind die Schmähungen, dre sich gegen die Weimarer Verfassung richten, so besonders verwerfuch, weil hier nicht nur mit hohem Pathos das Ideal des Menschentums verkündet wird, sondern weil auch der Versuch gemacht wird, es in die Praxis zu überführen. Nicht lmtsonst stehen ja diese Restintmungeu gerade inmitten der Artikel, die sich mit der Erziehung der nächsten Generationen beschäftigen, die also bewußt der Weiterentwicklung des de titschen Volkes Vorarbeiten wolle n. „Im Geiste des deutschen Volkstums — ein wirklich wegweisendes Wort: der Deutsche sagt ja seinem Volke einen besondere» Siiut für Gerechtigkeit ebenso tvie ein hohes Streberi nach Kultur nach. Das heftige Wort, das die im Auslande lebenden Dentiche» als Kulturdünger für die Völker bezeichnete, zu dencrt sie sich gewandt Habei;, bedeutet einen Hoheit Anspruch an die Leistnugssähigkcit der Deutschen. Und das; alle innere Kultur des Menschen auf dem Begriff der Gerechtigkeit beruht, wer wollte das leugnen? Nichts aber verstößt, wie der Absatz 2 sehr deutlich sagt, mehr gegen diesen Anspruch auf Kultur, als tvenn im Unterricht in ö s f en t1 i rf) e n S dj u l e « b i c 6 m p f in* dungen Andersdenke » der verletzt werden. Dieselbe Empfindung, die den Geschichtslehrer veranlaßt, bei der Darstellung der Kämpfe der katholischen und Protestantischen Religion das Schwergewicht nicht auf die Religion, sondern ans die Macht frage, p verlegen, religiöse Ueberzengungen noj^ Möglichkeit im Hintergründe zu lassen tind etwa den Reformwillen der katholischen Kirche in dem Zeitalter der Reformation zu betonen, müßte auch den Lehrer verhindern, überh a u v t e i n e S ch ü l e r g r u,p p e d u r ch h e r a b s e tz e n d e Aeuf;eru ngen üb er ihre Reli gi on in Opposition gegen ihn zn treiben, und zwar nicht deshalb, tveil ihm das vorgeschrieben wird, sondern einfach deshalb, weil er ein Deutscher sein will. Man kann nicht auf der einen Seite für sein Volk den Anspruch auf ein besonders feingelnldetes Gerechtigkeitsgefühl erheben und auf der anderen Seite gegen dieses Gerechtigkeitsgefühl dadurch verstoßen, daß man eine Gruppe oder einen Wehrlosen beschimpft oder verächtlich inacht oder verspottet. Wehrloser: — Immer wird noch viel zu wenig bei dem Begriff der Erziehung in Betracht gezogen, daß der Erzieh e r d i e M a ch t h n t. 30, 40 Schüler sind dem Lehrer aus Gnade oder Ungnade überliefert. Eine ungeheure Verantwortung für ihn. mit der leider oft höchst leichtsinnig umgegangen' wird. Jedes Wort des Lehrers prägt sich ja den Schülern ein, viel tiefer, als er selber weif;. Ich entsinne mich eines Kollegen, dessen Ivettes Wort war, wenn man einmal nervös oder ungeduldig ivurde: „Nur keine jüdische Hast!" Gewiß keinerlei Ausdruck konfessioneller Verbohrtheit, und doch kann es a>rf die jüdischen Schüler nicht angenehm gewirkt haben, wenn er dieses Wort bei allen möglichen Gelegenheiten gebrauchte. Es gibt Schlimmeres. Von der Lachertichmachung bis zur Verspottung oder gar der Bcrhöhiiiing werden von veranwvrtungslosen Lehrern alle Stadien der Verächtlichmachung jüdischer Schüler durchlaufen, und die Eltern beschweren sich liicht, weil sie fürchten, sich dadurch mißliebig zu machen. Kein Zweifel, das; es in letzter Zeit besser geworden ist, aber man hört doch noch imnicr hier und da Aeußerungen, die n n P ü d a g o g i s ch , u n d e n t s ch, taktlos >v i r k e u. lieber alle diese Rücksichten hinaus sollte das Bewußtsein des Lehrers von der r c i n e n Menschlichkeit seine r M i s s i o n ihn vor Aeußerungen gegeir diese oder iestc Konfession, ganz gleichgültig, ob'die Minderheit aus Katholiken oder aus Juden besteht, behüten. Er steht vor der Klasse als das Vorbild, zu dem sie aufblicken soll. Wir haben gerade mit der Verfeinerung der Jugendpsychologie immer wiedxr erfahre», daß keine Vorschriften, keine Bcstrasringen, auch keine Belobigttnaeu letzten Endes aus die Kinder so stark wirken wie das Vorbild und Beispiel selber. Wir wissen, daß Taten unendlich viel mehr noch bedeuten als Worte, daß das Wissen um die Tüchtigkeit, Menschlichkeit und nm den Fleiß des Lehrers unendlich viel eindrucksvoller ist als altes Reden von der Not- Attä hf>m Der Weg des Centralvereins — VUIUHVHI». Nachwort zum Krtzütz Prozeß- Regier,rugsrat Dr. Alsous'Steiger: Das „Geistchristentum" — Die bayerischen Bauernhöfe — Dr. Theo (München): Alte jüdische .Kunst in Bayern.

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