Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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l tz. _ Kalte dich fern von einttn bösen Nachbar. Geselle dich nicht zu. einem schlechten Menschen und wähne nicht, daß die -träfe aus. bleiben tver^: 1, 7. — Mein Leben lang habe ich unter Weisen verbracht und habe gefunden, das; für den Me»scheu nichts heilsamer sei als Schweigen. 1, 17. — Sprich wenig und tue viel. 1. 15. — Spare mit deinen Worten bei der Fra», sei eS eine fremde oder die eigne. ■ Wer viel mit ihr schmatzt, zieht sich BöseS zu. wird von der Thora abgelenkt und gerät am Ende in die Hölle. 1, 5. — Vergnügungssucht und leichter Sinn lenken von Zucht und Sitte ab. Die mündliche Neberliefcrung ist ein Zaun für die geschriebene Goticslchre. Die i'lehntcnabgabeii bilden einen Damin pc-MN übermäßigen Reichtum. Die Gelübde sind Gehege für die Mäßigkeit. Schweigen ist der Weisheit Zaun, 3. 17. — Der Schlaf in den Morgen hinein, das Wcingelage am Mittag, das Schnätzen mit Kindern, der Ausmtljalt unter Ungebildeten führen zur Bersnmpjung, 3, 14. — Verachte niemand und »nterjchätze nichts. Es gibt keinen Mensck>en, der nicht seine Stunde finden, und kein Ding, das nicht irgendwie^zur Geltung kommen könnte. 4, 3. — Ein Rabbi fragte einst seine Schüler: ,LLas ift’3;- ivorauf der Mensch im Leben den größten Wert zu legen habe?" Der ciiie sagte: „ein wohlwollendes Auge", der andere: „ein guter Freund", der dritte: ,,rin guter Nachbar", der vierte: „das Schauen Im Rampf um üen Geist. Friedrich Niebergall über das Judentum. Der hervorragende Marburger Universitütsprofestor Friedrich Nie bergall gibt in seinem jüngst im Verlage Julius Bruckmann A.-G,, München, erschienenen Werk „Im Kampf um den Geist' einen lkcberblick über die Wcltansclmmingcn und die Religionen. Wir geben im folgenden seine Ausführungen über das Judentum wieder: Hier an dieser Stelle, gleichsain vor den Toren des Christentums und der Kirche, möge eine religiöse Gestatt ihren Platz jinde», die mit der unserigen eng verwandt ist, ja. der nur größten Dank zu schulden — zumeist schuldig bleiben. Es ist datz In den l»in. Wir stellten cS nach dem trefflichen Buch von Leo Baeck „Das Wesen des Judentums" dar. Genan besehen ist eS daS freier gerichtete Judentum, das sein sseschichttichcZ Recht von seinem Anschluß an die alten Propheten bezieht — und daS mit großein Recht, Baeck nimmt aus ihrer Gedankenwelt den ethischen Monotheismus als den Mittelpunkt heraus — gerade so wie auch wir diese hohen religiöse» Gestalten verstehen, Gott, wie ihn dieser Monotheismus ineint, ist ei-n Gott der Paradoxie: er Hst erleben und doch nahe, er ist gerecht und doch barmherzig, er ist der Gott Israels und doch der der Menschlput. Religion ist mm allein daS ptnUnd« Verhältnis zu diesem Gott: eS handelt sich nicht um ein Wett Problem, nicht um ein seelisches Problem, sondern nur um die Beziehung zu diesem Gott. Sie ist eine des Vertrauens, das sich in dem verborgenen Gott geborgen fühlt. Gott hat den Bund n,it den Seinen geschlossen: Meine Seele und mein Gott! Gott ist der Schöpfer. alles was ist, ist von ihin gesel-asfen. Aber — und damit kommt dag Ethisdp: zu seinem Rechte — dieses Geschaffen sein von Gott zielt wieder aus Schaffen hin, Religion erfordert nicht Kontenrplation wie bei Plato, sondern dag Kategorische dcS sittlichn Handelns. Sie will nicht Zustimmung zu Dogmen und Bekenntnissen, sie will die ethisci-e Tat. Diese ist der Grund für die recl>te Einsicht; denn Gotteserlernst»!? zielt nicht aus ein Jens-eitS, sondern aus das Wissen um Gottes Gebote, das im sittlichen Menschen wurzelt. Der Glaube, der den Sinn der Welt erfahren hat, gibt ihr wieder handelnd ihren Sinn, um Ewiges in sich zu verwirklichen, denn cs gibt ein Jenseits als daS geistige Reich, als die «läuterte Welt, wo die Seele zu ihrer Reinheit konrmt, die chr hier versagt ist. Der Glaube an Gott wirkt sich mannigfach in anderem Glauben aus; in dein des Menschen an sich selbst, der zur Ehrsucht vor der eigenen Person führt, und in dem Glauben an den Rebcnmenschen, in dem alles wurzelt, was sittlich und was sozial gerichtet ist. Ter Glaube wirkt sich auch in der Hoffnung. in dem Messianismus arS. also in der Zuversicht, daß die Zukunft die Zukunst des Guten sein iverde. Wieder erkennen wir die Grundstruktur unserer christlichen Neltgio»; nur daß eZ hier nicht wie in den vorigen Gestaltungen ein abgeblaßtes Christentum ist. sondern vielmehr eine Gestalt, die ihm geschichtlich vorauSgeht. Wir empfinden auch den Unterschied. Er liegt zuerst einmal darin, daß die Person Jesu von Nazareth oder der himmlische Christus allem Farbe, oft glühende Farbe gibt, wa3 hier so blaß und gedankenhaft vor uns liegt. Aber dazu kommt doch noch ein anderes. ES liegt viellsich: wieder an dem Ideal, an der Erhöhung des Ideals vom Tun und Lasten zum Sein, daß die Religion gleichsam aus dem Aktivuin in das Passivum hinübergesührt wird. Wo sich das Ideal so erhöht, wie cs etwa in der Bergpredigt und sonst in dem Neuen Testament der Fall ist, da der kommenden Dinge" der fünfte: „ein gutes Jottx schloß sich der letzten Ansicht an, »veil in ihr alleS'stF.^ ,st. 2, IS. — Mer Gemütsarten gibt es: schiver zu'P schiver zu besänftigen, leicht zu erzürnen und leicht zu bei beiden iviegt der Nachteil den Vorteil auf. Schwer - und leicht zu besänfsigcn: das ist die Gemütsart der ,, leicht zu erzürnen und schiver zu besänftigen, das ist die G der Frevler. 5, 14. — Lüer ist ein Held? Wer sich selbst h Wer ist reich? Der mit seinem Lose zufrieden ist. Wer p ehrt? Der die Menschen ehrt. 4. I. — Schönheit und Kra tuin, Ehre und Weishit, holM Alter und tugendhaste ein Schmuck der Frommen und ein Schmuck der Welt, 6, 8 — fünften Lebensjahre ist der Mensch reis für das Lesen der THM zehnten für das Lesen der Mhchna, im dreizehnten für die Uel. der göttlichen Gebote, im sünszchnten für die Erklärung der MW im achtzehnten für die Elp, im zwanzigsten für den LebenM im dreißigsten gelaugt er zu voller Kraft, im vierzigsten zu t>ot Verstand, int fünfzigsten zu einsichtigem Rat. im sechzigsten z -gesetzten Alter, mit pebenzig zum Greiscnaltcr. im achtzigsten zM hohen Alter, im neunzigsten zum Bcrlvschen, im hundertsten ist 'J wie tot. 5, 24. macht sich nicht nur der Gedanke der Schuld noch ganz anders in der eben vorgetragcncn Rcligionsform. sondern auch das dürfnis nach göttlicher Gcistcshilsc geltend, um den Willen Gosi ausführen zu können. So tritt denn in allen tiefen Sprüchen Neuen Testaments und in vielen Kirchenliedern auch das. was uns Menschen gefordert wird, in dnZPassiwim, wird also Gegenstand der Bitte an Gott oder des Rühmens seiner Gnade. wenn cs wirklich geworden ist. So kommt es zu dom Glauben au die Erlüstnrg, so auch zu dein au eine Uebenvelt, in der sich die Seele vollendet. — ES ist mm unsere Ausgabe, den Formen nachzugchen, in denen sich diese Grundüberzeugung dcS Christentums verwüst! illu. Professor Hans Driesch. Irr seinem 00. Geburtstage am 29. Oktober 1927. Der wissenschaftliche Werdegang des Leipziger Ordinarius für Philosophie, ProscsiorS Tr, Haus Driesch, erschein! u»S in der Rückbctrnchtung symbolisch für de» Wandel im weltanschaulichen Denken um die Jnhrhundertivcnde, Aon der craltcn Naturwissenschaft aus-,, gehend, ein Schüler Hacckclö, überwand er die mechanistisch-.' materialistischen Natnrlchrcn seiner Zeit und wurde der Neubegründer einer v i t n l i st i f di e i, T h e o r i e, mcl ehc die Eigengcsetzlichkeit der Lebe „svo r g ü„ ge lehrt, Schon die Fragestellungen, die der Ausgangspunkt zu seinen bcrühinten biologischen Versuchen waren. verrieten den dementat philosophischen Geist öa»S Drieschs, Ilnd so ivar etz lonsequcut, daß die logisch Fundierung seiner naturwissenschaftlichen Ergebnisse und P h i l o s v p h i als B i o l o g Phie des überper Geschehens ih» in die >, als Philosoph weit rtenmuig und Gesolggilt >nehr als den Logiker und Driesch zu feiern, den gütigen, er nicht mir Philosoph, sondern Die großen Gedanken der Volkshm einen begeisterten, stets über die deutsche Kultursphl schast gesunden. Doch gerade an dieser Stelle Metaphysiker den Mensche u verstehenden Menschen, den K ä m p Wie einst SokrateS und Spinoza i st er handelt >vic ein PhilosopI und Bölkervcrsöhnung finden i nehmen Bcrkünder, »ad in der Zeit der unhilvollen AercngungM des Nationalbegriffs betont er en t sch iedc n die Tatsache^ der Einheit der Menschheit, je,re Tatsache, die i Sichstzegenscitig-verstchcn-Kvnnen und dem einigen Drang Wahrheit ihre Wurzel hat. In diesen Blättern hat Driesch verschiedentlich zur Rassen»- frage und zur Frage der Volksgemeinschaft Slcllung' genommen. Für ihn, der als Biologe und Geisteswissenschaftler dasW Problem von vielen Seite» steht, ist Rasse nichts Trennendes, ja _ soweit z. B. der europäische Kulturkrcis in Frage kommt —' ou®| nichts „Weltlvcsentliches", Die Linie sittlicher und geistiger Vervoll-W koinmming geht durch Angehörige der verschiedensten Rasten un""l Böller und hat nur e i n großes Endziel, eben V c r b o l l k o m »l«Ä n u n g. Die Ergebniste seiner moralphilosophischeu Betrachtungen^ hat uns Driesch übrigens in der gerade an seinem Geburtstag schienenen Ethik („Die sitttichc Tat"; Verlag Emanucl tzteinea^H Leipzig) vorgelegt. Wir begrüßen in Hans Driesch somit den Denker und ctn£ Mitstreiter gegen den Antisemitismus »ud sprctt ihm unsere besten Wünsdje aus. Harrö Herzfelv.M Verlag u, Schrtftiritung: Centralveretn deutsch. Staateblirgcr >lld. Glaube»» Berlin S^VVS, Lirrd-nstrake 12, Für d, Schrlltlelt. verantw.: Dr„