Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Schriftsteller läßt Jetat Feder ruhen, weil er weiß, daß man ferne Worte nur deshalb abfällig aufnimmt, wer! ihr Schrei- - der dern. Judentum angehürt. Und auch in der Wirtschaft leiten sich die noch vorhandenen jüdischen Führer im Hintergründe, weil sie befürchten, daß den Belangen, die sie verte'.en können und müssen, Schaden erwächst, wenn sie von ihnen gefördert werden. — Resignation breitet sich aus! Wer kann sich, wenn er einmal diesen Dingen nachaeht, noch des Eindrucks erwehren, daß wir im allerschwersteu Maße von dc:q Antisemitismus innerlich betroffen sind. Wenn eben ein Vernichtungsfeldzug nach dem anderen gegen uns nngczcltelt wird, wenn unsere Gegner cs wünschen, daß aus unseren Leibern der Tanz der apokalyptischen Reiter sich austobt, wie sollen wir uns da in Kraft, in Gesundheit und Freiheit so entfalten können, wie es nnserenr inneren Willen und unserer e i q c it 11 i d) e u Begabn n g entspricht! Alle körperliche Ertüchtigung, die wir anstrebcn und die wir mit Erfolg dnrchgesührt haben, täusche uns nicht über die Tatsache hinweg, das; unsere S e e l e, ri u s e r T i e f i n it e r st e s e m p f i n d l i ch st b e e i u s l u s; t ist! Aber aus dieser Not müssen wir heraus. Die Resignation, die uns schon viele Fehler hat begehen lassen, die kaum noch gutzuinachen sind, darf lücht weiter Umsichgreifen. Der W e g a u s dieser N v t he r a u s i st der Weg derUeberivi nd ung des Au t i sem it ism us. Trifft der Antisemitismus uns alle aber, so ist seine Abwehr nur durch u ns alle möglich, A ktivieru it g aller Inden heißt das Z i e l,' n u f das wir hinst r e b e n m ü s s e n. Wie eS schlechterdings keinen mehr gibt, der von der Einwirkung des antisemitischen Phänomen« verschont ist. darf es auch keinen unter uns geben, der sich beiseite stellt. N i ch k s ist h e u t e falsch e r als der Glaube des einzelnen, da er vom Antisemitismus nicht s verspüre, habe er auch keine B e r a n l a s s u n g, sich an seiner Uebcrwindung jit beteiligen. Wir müssen uns ans breitester Basis den anderen gegenüberstellen. Wir müssen überall da — und das ist ja auch unsere Pflicht als deutsche Staatsbürger — Mitarbeiten, wo unsere Mitarbeit möglich ist, und sie ist auch heute vielerorts, auch da. wo wir es gar nicht glauben, möglich. Die Enttäuschungen, die wir erleben, werden nicht geringer sein als die vordem geschilderten; aber wir dürfen uns durch sie nicht beirren lassen. Solange wir uns abschließen, werden wir den Weg zu den anderen nicht finden, und die anderen nicht den Weg zu uns; Brücken, die bestehen, dürfen nicht niedergerissen, vor allem müssen neue Brücken geschlagen werden. Cs handelt sich hier nicht um ein Hineindrüngen in Arbeitsgebiete, auf denen wir nichts zu suchen haben, sondern um die B e r p s l i ch t n n g zu e i n c r A r b e i t, m i t d e r w i r i n n e r l i ch v e r b n n d e u sind u n d die a b z n l e h n e n ein Vergehe ri a m I u d e n t u m, c i n D e r g e h e n a nt d e u l s ch e it H e i - inatlande w ä r e. Aber nicht nur nach außen hin erschalle dieser Rtif zur Aktivierung, auch in iiincrjüdischcii Angelegenheiten muß er ertönen. . Tie Resignation ist so weit fvrigeschritten, daß wir innerjndischen Belangen — ich denke da insbesondere an die Tätigkeit im Gemeindeleben — nicht mehr die Ansmertsamkeit schenken, die diese Dinge verdienen. Mag der einzelne das besondere Interesse für die Fragen, die hier behandelt werden, vielleicht — leider — nicht haben, so möge er aber daran denken, daß es hier nicht nur um dieses geht, sondern das; auch von hier der Weg zur Ueverwindung der innerjüdischen Not geht. Auch das Judentum als solches wird den denkbar größten Vorteil von einer solchen Aktivierung haben. Die jüdische Seele kann sich erst dami wieder frei entfalten, wenn der Druck von ihr genommen wird. Erst daun werden wir uns auch mit ganzer Kraft und mit ganzem Herzen für das einsetzen können, was wahrhaft jüdisch ist. Nur de r Mensch, der in dem Kultur- ' kreis, in den er hineingebvren ist. nicht mehr als Geächteter und Entwerteter steht, wird auch in der Lage sein, die in ihn! schlummernden religiösen Güter zu hegen und zu Pflegen, Arnold Zweig, dessen Buch vielfachen Anlas; zu ötefeu Ausführungen ■ gegeben hat, hat sein neuestes Werk „Der Streit um den Sergeanten Grischa" ursprünglich „Alle gegen einen" genannt. Das Schicksal des Mannes, der tu öett Mittelpunkt dieses Romans M an das Schicksal der jüdisch«, GcmeikW Ansturm einer ungeheueren Umwelt gegenüverlkA Ende dieses Mannes darf nicht unser Endels wird es nicht werden, wenn wir alle aufftefierf uns aktivieren lassen und alle Kraft daran setz, ' jüdische Not zu überwinden. MM!« A. WW k,! Das „leutfdje Tageblatt" nimmt Bezug auf einen A- Reichstngsabgcordnctcn Dr. Ludwig Haus ..Die internationa'. tcidlguiigder im ..Berliner Tageblatt" im Oktober 1918 erlc Mt. Da« Juat des „Deittlckieii Tageblattes" ist - Wjc nut dem Vlvtitcl an sich zeige» wird ein Musterbeispiel.pol^ Demagogie. In Wahrheit „l seine Tendenz gerade die nmaek,' als das „Deutsche Tageblatt" darznstellcii ivagt. ". Dr. Haas vertrat damals in Uebercinstimmnng mit 3.« naii und Friedrich Bau in nun die Auffassung, daß ein^ große Bolkserhelmng zur Abwehr eines unerträgliche» Friedens wendig werden kann. gn Weitpreunen bildete sich dann Volks au 4 sch ns; für nationale Verteidigung. .Uiannov und ,z rauen der Vaterlandsparle, aiigeliorlen. ArtiteMvaudke sich nun Dr. vaas dagegen, dag in hvchstrvAok derartig t ör l chten Dr. Hans schrieb dama „Bringen die mir Wiiiv» emgeienen Friedens Wird ein lecher großer Verleid nächste Zutniisl gibt uns Antwort. Der Feind kann Bedingungen aiisttclleii. die f Volt unerträglich sind: wir wollen den F d e r g eg e n^d i e E l, r e ge h t und der i, ,, cu berhnndlnngen btn ßskamps nötig? Die; das deutsche' ^Frieden A n sga e u g st c r F ü h l n n g z u r Ailso u s ch e „ R v t e - l e l l u nicht gut. Entsche,düngen von uiigelien kundgebnngen beeinslaisen;n imnlni. Weil wir de» Frieden noch nicht Hai 9 n g.^ t,t dUun.'lSU :rr durch VolN •uanun not»; iveroen lann. i;u;o uuiu ml), de» wedaiiten der iiatio»s aale» Verteidigung zur 'barinsache zu machen. Wir schaffen? die Stimmung nicht, die wir brauche», wenn die natto-' »alc Verteidigung zur Parteisordcruug, zumal zur konservativen »Forderung wird. iBv» uns fett. Die Lchrifi ii»;.) ui hat dieW riegsmiuisteriiM r.M„"Mß.^ w»r die üationl» u>ck)tsrcich. z d . das dann volkskmnltche .grafte nch »ulibar nationale Berteidlgnng zu organmere». he — zum Frieden gewillt, zu», uamzg de» hinter der Regierung liehen, desto wehr m, Lehmerz und die Large, die uns alle bewe> Worte? aber das geht nicht an, daß jetzt Ltaiiimliich Proklamationen erlaßt." „Viel sieht zwischen uns und de» .um»«' der Li ii len verkennt, daß sie, in gleicher schivere» vaterländischen Lorgen er füllt ß Jfntupf, dann stehen alle in einer Fron Ist cs nicht cinc Ungclicuctlichlcit, . , beweisen zu wollen, daß Tr. Haas die Verteidig«»^ heiniifchc» Bodens avlchnct Empfindet das „Deutsche Matt" nicht dach vielleicht ein Gefühl der Lchani? Bor etwa Jahre war übrigens schau eine Lteile ans diesem Artikel.di fälscht durch deuisch.intivnale Blätter gegangen. Dr. .Haa damals Strafantrag gestellt; einer der Redakteure hatte Beleidigung mit Bedauern znrtickgenoiiimen; daS Bcrsalzrew. wegen, der Amnestie gegen die übrigen Redakteure nicht burchk werden. Es ist bezeichnend für die Methoden eineS Teils de.« stehenden Presse, daß immer wieder der Sinn und Sr" Anittls enlstellt und verfälscht wird. i diesen» Art