Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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StanisMrocrjöwfthsn »tntentiiro.^jfr Allgemeine Zeimnjä des Oudenrums JHUt gege« einen. Son Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander (Krefeld). Es tft erstaunlich, wie wenig wir Juden über Dinge unterstet sind, die unsere LcbenSregungen in entscheidender äse beeinftusjen. Worin liegt der Grund für diese Erinungl Vielleicht ist die Ursache darin zu suchen, daß diel auf umi einftürmt. daß wir nach zu vielen Richgen hin kämpfen müssen, das; unsere Kräfte, vd ivir cS lten oder nicht, so unendlich stark in Anspruch genommen rden. daß uns zur Erforschung der tieferen Gründe;nrf)er Ersckwinungcn keine Zeit vleibt. In den Fragen. :r deren Beantwortung ivir recht im unklaren sind, gestört se: Wirkt der A n t i s c in i t i s m n S ans d a s u de nt um und seine Bekenner ein >d in welcher 'Weise? Für die einen ist das chentum völlig ttndeeinfkusrt dein Antisemitismus', für anderen eriftiert es nur um des Antisemitismus willen, id wieder andere möchten die Inden so formen, das; sic jede cer Handlungen aus die Wirkung nach außen hin abschützen. >ese Feststellungen erschöpfen das Problem nicht restlos, uns; allerdings fcstgesteltt werden, daß d e r A n t i > t i tz m u§ in ei nschn ei de n der W ei se da S n t n in b c e i n f l n ß t. DaS kann auch gar nicht iders sein bei einer Gemeinschaft, die zwischen Menschen die einen solch andauernden und ernsthaften Kampf zcn sie führen. Noch nnchtigcr aber ist es. zu erkennen, ls; wir nicht bewußt auf diesen Druck reagieren, svnn daß dieser Ansturm unwillkürlich Erscheinungen bei uns iSlösi. und über diese müssen wir uns einmal ansiprechen. Es ist das große Verdienst deS Buches von Arnold oig ..Eatiban oder Politik und Leidenschaft". daß es hl nur wertvolle Erkenntnisse zur Erforschung des antiitischeu Phänomens selbst gibt, sondern daß es auch einmal wohl grundlegend — darstellt. wie durch dieses ankiitische Phänomen die .jüdische Seele geformt Keiner, der sich ernsthaft mit jüdischen Angelegengtcn besaßt, kann an dem Zweigschen Buch Vorbeigehen, kann gewiß vieles an ihm tadeln, und gerade wir den den Lösungsversuchen, die es anstellt, nicht beiichten, aber wie es den modernen Antisemitismus wertet » wie e3 seine Reaktion auf das Judentum beleuchtet, ist Mach neu. wesentlich und wissenswert. Nach ihm — und * ist richtig — ist der AutiseinitiSmus eine Erst n u n g des IN o d e r u e n Kollektivismus. Er ine G r u p p e n l e i d e n s ch a f t. Der jede Gruppe bestehende Differenzaffekt, mit dem sie alle anderen Gruppen wrtend ächtet, veranlaßt die Gesamtheit nichtjüdischer schm, sich absolut abschließend und abstoßend gegen die M>pe jüdischer Menschen zu verhalten. Ist aber der Anti- '' Ismus ein« Masienerscheinung, so wirkt er sich gegen Masse der Juden aus. In jeder anderen antihtischen Aera konnte der und jener mit Fug und Reckst 'n, daß er vom antisemitischen Angriff unberührt sei. geht das nicht mehr. ES gibt in dem Augenblick keine Möglichkeit des Ausschlusses mehr, denn das G e s a mt i u d en t um und die jüdische Bl a s s e n s e e l e sind Gegenstand des Angriffes. Jeder von unS. vb er will oder nicht, ob er es glaubt oder nicht glaubt, ist hineingczvgen. Seelisch, geistig und auch körperlich werden wir ivvht in verschiedenen Graden gepackt, und ivir sind gar nicht in der Lage, uns diesen Angriffen?>ii entziehen. Zweig führt mit Rocht ans. daß heule der Antisemitismus die Juden da timt, wo sie am enigsteii getroffen werden dürien: er trisst ihre angebliche riit zeigt und fühlen ihl verzehrender Art l i ci, e K v n st i t » l i o n d e r j ü d i s selbst. Dadurch, daß wir. jovald ivir einer Aiasse gege»überstel>ei!. die uns U e der >v e r t i g kc i t auf Schritt und I läßt, breitet sieh ei» Minderiverligkeitsges über uns aus. Die Neurose wird die Schuliaistrankheit der jüdischen Die geistige Begabung wird durch diesen Maffeiianstiirm geringer. ES setzt eine Ileberzüchtnug de« Intellekts eilt; aber ivir haben nicht die Möglichkeit, dieie überzüchteten Intelligenzen nutzbringend zu verwerten. Jniolgedcisen führt diese Abschivächiing der Geistigkeit letzten Endes zu einer Deravsetzuiig der Begabung und damit zu einer Verminderung der Lebensteiftung. Statt erhöhter LebeiiSIeistnng. die wir so dringend notig hätten, ivird sie also vermindert. Seelische Enttäuschungen schiverster Art kommen hinzu. Ueberall da. wo ivir Ideale finden, für die ivir arbeiten, für die wir Opfer bringen, für die wir unser Höchstes hi »geben wollen, sehen wir. daß die Sache, für die mir uns ei nseßen. als „jüdisch" verworfen und verächtlich beiseite geschoben wird. Schon ist zu beobachten, daß im Bereich der Politik, der Wirtschaft, des Geisteslebens jüdische Persönlichkeiten immer seltener zu finden sind. Der Politiker hat sich zurückgezogen, weil er gesehen hat. daß die Partei, der er angehvrt und in der er gern gearbeitet hat. durch seine Mitarbeit an der Verfolgung ihrer Ausgaben gehindert ivird. Der jüdische Dichter verstunimt. wenn er fühlt, daß man sich nur aus dem Grunde, weil er Jude ist, seinen Ideen verschließt; der jüdische Pietsch. - Erst die Frieddie Synagogen? - Oberstndiendirektor Dr. K. Mütter (Potsdam): „Erzichungöideale der völkischen Lehrer'. - Pfarrer W. Nithack-Stahn (Berlin): „Der österreichische Evangelische Bund." 77 Dr. Felix Goldnran» (Leipzig): „Bon jüdischen Namen.* — Dr. Jacob Fromer (Berlin): „Sprüche der Böter.? — Professor Friedrich Niebergall (Marburg): „Im Kamps um den Geist."