Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2571117-2571131-2571141--200-2571507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wir aber' die'wir in betitfdjet Sprache philosophierend lehren und lernen, wissen diesen Männern, die eine unverlierbare und unentbehrlich Stelle m der deutschen Philosophie einnehmen, herzlich Dank für alles, was wir ihnen verdanken. ' . i . Ein Jahrhundert Heines „buch der Lieder". Oktober I827^Oktober 1927.; Es ist wohl Sitte, die Erinnerung an die Geburts- und Sterbetage hcrühmter-'Liänner ehrerbietig zu pflegen; heute fordert die Jahrhundertfeier eines literarischen Kunstwerks unsere Aufmerksamkeit, eines Werkes, das den Weltruhm seines Schöpfers begründet hat. Hundert Jahre sind vergangen, s e i t - d e in H e i n e s „Buch d c r L i e d c r" in die Welt g e t r e t c n ist. Dieses Ereignis, das in der deutschen Literaturgeschichte geradezu Epoche machte, ist vvu der Oessentlichkeit keineswegs sofort und nicht einmal von dem Leo fass er selbst in seiner ganzen Tragweite begriffen worden. „Einige Freunde dringen draus, daß ich eine auserlesene Gedichtsammlung, chronologisch geordnet und streng gctvählt, herausgeben soll, und glauben, daß sie ebenso populär wie die Bürgcrsche, Goethesche, Nhlandsche usw. werde» wird", berichtet Heine selbst. Aber er, der durch die Neuheit und Kühnheit seiner „Rctsebilder" eine unerhörte Wirkung erzielt hatte, hegte keine allzu hohe Meinung von seiner Gedichtsammlung, er meinte, sie würde „wie ein harmloses Kauffahrteischiff, unter dem Schutze des zweiten Reisebilderbandes ruhig ins Meer der Vergessenheit hinnbscgeln". Und die Tatsachen schienen zunächst diesem Selbstnrteil recht zu geben; zehn Jahre vergingen, ehe eine zweite Auslage nötig wurde, dann aber >var der Bann gebrochen, eine Auslage folgte ' der anderen. Es wurde die vielleicht volkstümlichste und beliebteste deutsche Gedichtsamlung, die nicht nur in das Herz des Volkes einging. Heines Originalhandschrift der „Loreley“ (Im Besitz des Verlages Brockhaus, Leipzig.) sondern auch aus die großen Dichter der gleichen und der folgende» Epoche einen außerordentlichen Eindruck machte. Hebbel, der in Paris dem Dichter persönlich nahegetrctcn. war" begleitete den Siegeszng des Buches mit einer tiefgreifenden Rezension; S t v r m bekannte, er sei von diesen stimmungsvollen Liedern wie verzaubert gewesen; Keller feierte Heine in seiner Dichtung „Der Apotheker von Chamomüx", istnd neuerdings brachten ihm Dehmel und Arno Holz ihre poetische Huldigung dar. Suchen wir nach dem unvergänglick-en Werte dieses Gedichtbuck>s, so finden ivir ihn in der offenen Selbstdarstellung einer seelischen E n t w i ck l u n g. Tie literarhistorische Forschung hat ja den tiefere» Zusammenhang dieses künstlerischen Organismus in der Liebe zu den beiden Cousinen Amalie und Therese Heine ermittelt, aber bedeutsam ist doch erst die Art, >vie Heine, schon damals ein Meister in der Anordnling, den Ablauf seiner inneren Erlebnisse zu einem großangclegten und feinabgcstiimntcn Gedichtzyklus zusammengefaßt hat. Daher können >vir von der bloß begabten „Primaucrlyrit" bis zu der künstlerisch vollkommenen Leistung die Abfolge der Stimmungen in der Seele des Dichters als Gcsämtprozeß miterlcben. Ten Dichter übcrkam hierbei das große Vermächtnis der deutschen Lyrik: das Erbe der Kunstpocsie empfing er dttrch Goethes „Westöstlick>en Divan" und nicht zuletzt durch die Lehre von der romantischen Ironie, das Erbe der Volkspoesie dagegen durch das sür seine lyrische Formgebung richtungweisende alte detitsche Volkslied: neben seine süß betörende Liebespvcsie trat vollwertig eine Naturpoesie, die. ivie namentlich in den herrlichen Nordsecbildcrn, einen Gipset der Ratnrpoesie darstellt. Es soll dabei nicht verhehlt werden, daß mit Dichtern wie Stefan George, H o f ma n n s th a l und Rudolf Borchardt. die dti IHÄsche Tradition von 51 loP st o cf, völderli n und P l a t c u fbrtWrten, der Widerspruch gegen den Stil Heines heftig eingesetzt hat, aber cs handelt sich hier um die geschichtlich notwendige Opposition der symbolisch vbjettiverenden Restcrivnslyril gegen die subjektiv-naturalistische Erlebuislyrik, deren Beherrscher Heine war.- Jedock, auch die positive Heine-Kritik wertet jetzt die spätere lyrische Produktion Heines hoher und stellt sein Alterswerk „Rowancero" über das „Buch der Lieder". Seit Ra it f e ist es der Grundsatz jeder entwicklungsgcschichtlichm Geistcswissenschaft, den einzelnen Epochen einer Entivicklungsreihe ihr eigenes Recht und ihre Besonderheit zuzugestchc». daher ivird das „Buch der Lieder" stets Zeutznis dafür ablegen, daß ein junges Genie zu in, Instrument seiner Zeit wurde und, mit seinem Meister Hegel zu sprechen, den Geist jener Zeit in sotiivn Gedanken erfaßte. Fritz Friedlaender. Julius Ein unbekannter jüvischer'1 Im Jahre 1885 dräng die erste Nachsicht 'W»™, Feuerlaude nach Buenos Aires, ' FeuerlanhFW amerika. war bekannt als ein tvildes und großartiges^ ivaltigen Gletschern und Hochtälern, kaum besiedelt unzugänglich und zu einem groß;,, Teile noch r ’1 neues Kalifornien lockte. . . Da trat ein Mann ans, ein rumänischer Jude Julius Popper, der bis dahin in Buenos Ingenieur (gearbeitet hatte. Es gelang ihm, einen Trupps fünfzig Mann um sich zu sammeln — „Flüchtlinge und R schlimmster Sorte", wie Monsitrnore de Agostini in st landwerk sagt —, und er machte siel, mit seiner Expedition-a ~~ g. Seine Leute waren gut ausgerüstet und bewaffnet,' ° gelang es ihnen, unter Popperskluger und verwegener Führü kurzer Zeit tatsächlich reiche Goldlacgcr zu finden. Popper g die Niederlassung El Parnmo, und durch die LautenmgsanstaA er dort einrichtete, gingen unglaubliche Mengen Metall. * Aber die Nachricht von Poppers Funden 'pwcy hü, Ijevumj** Punta' Arenas an der Magalhaesstraße brach eine Men, Abenteurern nach EI Parnmo aut. Popper fürchtete. s:ch kleinen Schar der disziplinlosen Zupialer nicht erwehren So ließ er Strohpuppen mit NnUorme» veile,de» und ans binden, dann ging er allein zu den Nenamommtingen, forderte iW das schon gesniideue Gold ab »ud besaal. das- Gebiet sofort zn räumiK Man weigerte sich, man bedrohte tlitt. Als aber in der Ferne M „Kavallerie" Poppers anitanchte, Heien die netten Schatzgräber dapK Im Jahre 1S88 imiernalim der liihne Man» mehrere groß! Entdeckungsreisen ins- Innere des Landes. Er fand wieder gewaltkgs Goldlagcr. Aus der Lonnoxin.^ol uud der isla Xnova erbeutetN vierzehn Lesterreicher von Poppers Truppe in 07 Tagen 115 Kilo! gram nt Gold. Eine andere Gruppe fand an einem Tage 14 Kil» gram»,. | Nach seiner Rückkehr ging Popper daran, seine Kolonie auch inne8 lich ztt konsolidieren. Er lies; Münzen prägen (deren VorderansW ein Lama, deren Kehrseite einem Indianer darstcllt), er führteM den Verkehr mit EI Parnmo eigene Marken ei», er schuf eine M richtsbarkcit. eine Miliz. Aber eben diese Maßnahmeu und vor allM auch die Verjaguug der Leute von Punta Annas durch PoPPerk „Armee" brachte ihm die Feindschaft des legitimcir Gouverneurs des Provinz ein. Mau konstatierte, das; Popper keinerlei sorincllcs Rech aus das von ihm au-gebcutcte Land besaß, man entdeckte, daß Poppet ein Jude ivar und schlug daraus Kapital, man hielt zu Puntr Arenas am 9. August 1888 eine große Prvtcstoersammlung gegen der „Jngeniero" ab, mau rüstete gegen ihn eine Expedition ans. Ab«' Popper hielt sich in seinem El Parnmo um io leichter, als an krieA rische Maßnahmen größeren Stiles im arktischen Klima des { landc-s nicht gedacht iverden kann. Es scheint, das; die Regierung Popper chließlich wider Willen erkannt und sich mit ihm versöhnt hat. denn im Jahre 1891 sin^ wir ihn in Buenos Aires, wo die Geoguwhüche Gesellschaft ihm!Z Ehren eine Volloersninmlung abhielt. Er hielt eine Rede, die.dH der Gesellschaft mit Poppers- Porträt und ei» genommenen Karte des Feuerlaudes herausgegeben wurde. diesem Bericht, der znin Teile ernste und fruchtbare GelehrtenM zum Teile eine Zurückiveisting der gegen Popper gerichteten BoM darstcllt, sei nur erwähnt, das; er allein in El Paranio (500 KilvsiA Gold erbeutete, tvovvu 175 Kilogramm nach Buenos Aires a>Ü Münze gegangen sind, 90 Kilogramm an die Firma WchrhaW Puiita Arenas, ein Hamburger -vans; der Rest ist verstreut. -sM Begleiter nennt er „ergebet? und energisch" unb erwähnt, daßM seinen 540 lst Arbeitern in der Zeit von 1888 bis 1891 nur'« durch Krankheiten gestorben seien — fügt allerdings hinzu, dabei die „Unfälle" nicht rechne. Nach der Ehrung durch die Geographische Gesellschaft und d zielten Herausgabe seines Berichtes verliert sich Poppers Spur,.M er den Rest seiner Tage in Bnenos Aires verbracht? Ist er i(W rumänische Heimat zurückgekehrt? Ist er noch einmal ins F«uM gegangen und dort verschollen? Wie dem auch sei — er ist decket: und vielleicht der letzte große Abenteurer inmitten eim nüchterten Welt. Chefredakteur Paul Elbogen (WiH Verlag u. SKristleikung: Ccntralverein deutsch. Staatsbürger litd. Glau Berlin LW «8, Lindenstratzc 13. Ftir d. Schristlcit. veranw.r Holländer. Berlin SW 08. - Druck: Rud ° lfM » l l