Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kevi! Ssegrimm. TL. II. Ter Jnngdeutsche Orden hat von jeher Sachlichkeit und Politischen Anstand für die einzig mögliche Grundlage edeihlicher Arbeit in öffentlichen Dingen erklärt. Sein ührer Arthur Mahrann hat betont, daß die öffentlichen ussprachen in Deutschland ans der Grundlage der Wahr- und Eradheit geführt werden müßten. Wenn eine Bergung über ein täglich erscheinendes Blatt verfügt, wie der ungdentsche Orden, so spiegeln sich Mittel und Erfolge dieser xbeit darin wider. Wir stellen gern fest, daß in der Tageszeitung des Ordens, „Ter Jungdeutsche", lange Zeit hindurch ichts zu finden ivar, was in der Frage der Beurteilung der jüdischen Deutschen gerechten Anstoß Hütten erregen müssen. Ilm so größere Empörung muß ein Aufsatz eines Anonymus, )er sich „Jsegrimm" nennt, Hervorrufen. Jsegrimm nimmt ie Erklärung des Vorstandes des Rabbinerverbandes in dentschland, die in der „C. V.-Zeitung" Nr. 24 abgedruckt var, zum Anlaß einer kritischen Betrachtung. Wer leidenchaftslos die Erklärung des Vorstandes des Rabbinerver- »andcs liest, wird nichts in ihr finden können, was nicht eder anständige Mensch, Jude oder Christ, unterschreiben!önnte, wenn er sich in den Anschauungskreis eines Rabnners hineinversetzt. Wir leben in der Zeit der höchsten jüdischen Feiertage, Seren innere Weihe und Heiligkeit der ganzen Welt bekannt st. Wir wissen, daß in der Reihe auch der christlichen Göttlicher die Würde und Festlichkeit dieser Tage stets anerkannt vorden sind. Man hat es überall rühmend gewürdigt, daß nsere Festeszeit nicht zu übermütigen Feiern, zur Prasserei nd zum Vergnügen ausgenutzt wird, sondern daß sie ihrer estimmring gemäß mit innerer heiliger Einkehr begangen ird. Wenn nun der Rabbinervevband auf diese Tatsache hineist und insbesondere die werktätige jüdische Bevölkerung ^uffordert, dieser Heiligkeit im geschäftlichen Leben Rechnung tragen und auch den Angestellten die Möglichkeit zu geben, Arbeitsruhe ihrer sittlichen Selbsteinkehr zu leben, so hat gewiß nichts getan, was von irgendwelchem Standpunkt Uls beanstandet werden könnte. Herr Jsegrimm zeigt für Wsen Aufruf nicht das Verständnis eines Menschen, sondern hchstens das eines — Wolfes. Beweis: Aus dem Aufruf At er heraus, „wie man mit aller Gewalt künstlich das Netto der Väter inmitten des schachernden Liberalismus ersten will". Und er fügt dieser Deutung noch hinzu, dieser Listige Liberalismus stünde in keinem Gegensatz zur jüdischen Orthodoxie, „dieweil ja die religiöse Einheit zugleich das Dickgrat des Weltmammvnismus in ihrer Auswirkung ist". Nimmt man dazu noch die einleitenden Worte der Jse- ^immschen Betrachtung, so sieht man, wie sehr der Verfasser „nach Wahrheit sucht". Er tischt den Lesern ivieder einmal Herrn Northclisfe auf, den er „berüchtigten Lügenfabrikanten der Angelsachsen, einen Frankfurter Inden" nennt. Die Leitung des Jungdeutschen Ordens, die die Ehrenhaft! gkeit des politischen Lebens wünscht, ivird sicherlich ivisscn, daß die Erzählung von dem „I üben Northclisfe" längst als eine plumpe Sage bewiesen worden ist. Wir dürfen deshalb wohl auch erwarten, daß sie Anlaß nehmen wird, zu verhindern, daß in den Reihen des Ordens mit solchen, aus den Fingern gesogenen Behauptungen gegen die jüdischen Deutschen Stimmung gemacht wird. Ein Geheimnis des Herrn Jsegrimm bleibt es, wie man einen Aufruf zur Einkehr und zur religiösen Weihe als ein „Aufrechterhalten des Ghettos" bezeichnen kann und diese Frage bleibt selbst dann «offen, wenn man Herrn Jsegrimm guten Glauben zubilligen will. Er «sucht es allerdings mit dem „jüdischen Nationalismus" zu erklären. Und er will seine Leser dahin belehren, «daß die „Treue zum Judentum" nichts anderes sei, als der Beweis nationalistischer Denkungsart. Traurig genug, wenn in einem Blatt, das so oft erklärt hat, es wolle der Klarheit der Begriffe dienen, die Wahrheit geradezu auf den Kopf gestellt wird. Fragen sich denn die leitenden Persönlichkeiten des „Jungdeutschen" gar nicht, wie verhetzend, besonders auf die Jugend, eine solche Verwirrung der Begriffe wirken muß? Wenn Herr Jsegrimm so sehr an dem Aufruf unseres Rabbinerverbandes Anteil nimmt, so möge er sich einmal Zeit nehmen, die Gebete zu lesen, die aus Anlaß des kommenden Versöhnungstages in jüdischen Gotteshäusern gesprochen werden. Auch «er kann ans diesen Gebeten etwas lernen. Vielleicht «werden die Worte der Schrift, die am Versöhnungstage in Israels Gotteshäusern vorgelesen werden, auch für ihn von einigem Eindruck sein: . „Ihr sollet nicht stehlen und nicht ableugnen und nicht lügen einer gegen den andern; ihr sollet nicht bei meinem Namen zum Falschen schwören, daß du entweihest den Namen deines Gottes." "Hf Dr. Felix Goldman» (Leipzig); AUS vemottYM: Wieder der gelbe Fleck? — Oberstudiendircktor Tr. K. Müller (Potsdam): Schlitzt die Jugend, vor politischem Mißbrauch! - Rabbiner Tr. Kroner (Oberdors-Bopsingen): Rothenburg ob der Tauber. — Albrecht Montqclaö: Ago Maltzan. — Rabbiner Tr. Lehmann (Berlin): Alle Inden geht es an! — Prof. Tr. C. v. Aster (Gießen): Jiidisch-e Denker in der deutsche» Philosophie.^— Fritz Friedlaender: Ein Jahrhundert Heines „PM» der Lieder". — Chefredakteur Paul Elbogen (Wien),: JU(tyq Popper.