Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-06-01 · Heft 6 (Juni 1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 6 (Juni 1927)
Date
1927-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2571117-2571131-2571137--157-2571460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7m Kampf Zur AimsteMgimg -es E. B. r. j Wer öfter Gelegenheit hat, Bar st a n d s i tz u i> g e n Id V e r t r e t e r t a g u n g cn grv st e r V e r b ä n d e beilwvhnen, der ist mit ihren Gesehen wohl vertrant. Schlägt M Taguugssvimtag die Mittag»glocke. so lichtet sich die Teilehmcrschar. Gröster nnd immer größer werden allmählich ie Lücken. Die lehte halbe Stunde der Verhandlungen kann Ochsten-:- ans das „Fähnlein der (dreimal! sieden Ansrechten" thlen. t Diese nnn schon eherne Erfahrung mnst nach dem Mristentag de» G. B. ernstlich geprüft werden. Geäß, nicht alle 400 Teilnehmer an» Berlin und dem Reiche Men getreulich stand, bi» die Sitzung geschlossen >var, aber pe stattliche Schar war geblieben nnd lebhafteste Teilnahme ( ihr. Und — wie bezeichnend! — stark beschäftigte Abfordnete, Anwälte, Richter nnd Staat»anwülte, die, für eine iitznng fern von ihrem Wohnorte, auch nur für ein paar Kunden, „einzufangen" schiverer hält, al» den Ossa auf den stion zu stülpen — sie fasten geruhig am Sonnabend und dnntag ihre zwölf Stunden Sihaing ab, nnd die Augen Achteten am Sonntag um 7 Uhr genau so frisch von innerer Heiligung wie einen Tagc»lauf vorher. kW a rum diese lange Tauer? Warum diese innere eidcnschaftlichkeit der Teilnahme? Viele mögen auf R c n - Süd geschritten sein, dessen Art sie fesselte. Das; hier und « eine Urteilsbegründung mit der sogenannten Rasseivissen- «aft uns Juden bedenklich zu nahe trat, war ihnen nicht Wangen. Auch höchst merkwürdige Auslegungen des § löst WtGB., die der jüdischen Religion den gesetzlichen Schutz »zogen, hatten sie in diesen Blättern gelesen. Aber sic waren vtaunt, ja sie waren erschüttert über die große Fülle Mch en Materials, solcher Minderwertung von Inden Sb Judentum. Und wenn auch jeder der Berichterstatter, »er der Ausspracheredner sich ängstlich hütete, einem deut- Wn Richter etwa einen bewußten Fehlspruch auch nur im Merntesten zuzutrauen — alle fühlten, gegenüber den Wenden und aber Tausenden gerechter Urteile im Zivil- und Uafverfahren, bei denen Juden beteiligt sind, sind die zahl- Wen vorgetragenen Falle von Fehlurteilen, richtiger Fehl- Mündungen, keine Entgleisungen einzelner, sondern oft Minatische Folgen einer erschreckenden U n k e n n t - lg, ja Verkennung jüdischer Lebens- und Mischer W e l t a n s ch a u u n g. Mber noch ein a n d e r e s , e i n L e tz t c s hielt die Teillrer in so langem Bann. Nicht das: „Tun res agitur", t. daß gerade Juden und Judentum betroffen wurden. ums Recht. MerM - Ablauf - Ergebnis. packte alle so im Inneren. An der Saalwand war unsichtbar mit leuchtenden Buchstaben geschrieben: „Justitia 1‘undanioatuin regnonim, „Gerechtigkeit i st des Staate s G r n n d st e i n". Jeder Rcchtsbcslissene in der Versammlung fühlte sich als Hüter dieses Grundsteins, dieses sozusagen heiligen Steines. Und schon die Möglichkeit, diesem Pfeiler könne ein Leid geschehen, hatte alle ans die Schanzen gerufen, Rudolf v. I h e r i n g hätte die Versammelten freudig als solche erkannt, die mit ihm den dauernden „Kampf ums Recht" zu führen hingebungsvoll bereit sind. Und auf wen ander» als ans diese Tagung träfen besser seine Worte zu: „Die Gewalt, mit der das R e ch t s g e f ü h l gegen eine ihm widerfahrene Verletzung tatsächlich reagiert, ist der Prüfstein seiner Gesundheit. Der Grad des Schmerzes, den er empfindet, verkündet ihm, welchen Wert er auf das bedrohte Gut legt"'). Hochachtung vor solchem Rechtsgefühl der jüdischen Juristen! U. LandgerichtSrat Tr. Jagues Ster n entwickelte am Sonnabend nachmittag nüssenschaftlich gründlich, richterlich leidenschaftslos ein Bild der „Völkischen Rechts- und S t a a t » p h i l v s v P h i e". Vertraute Rainen wie Professor Mar Wandt (Jena)), Tr. Hermann M e y e r (Leipzig), Amtsgerichtsrat a. T. Wage mann (Güttingen), Landgcrichtsrat Je n ne (Berlin), Vorkämpfer völkischer Weltanschauung, völkischer Rechtsgestaltung erklangen. Hinter ihnen reckte sich vor den Augen der Kundigen stets und ständig Houston Stewart K f) a m b e r l a i n s Gestalt auf: Ohne Rassenlehre kein völkisches Recht. Nur wenn die bestehende Staatsform und die Mehrzahl ihrer Träger nicht minder das geltende Recht als rassisch verdorben hingestellt nnd „bewiesen" werden, kann die „völkische Erneuerung" durch die Tore ziehen. Verdienen die „rassisch bedingten" kühnen Darlegungen >) Rudolf v. Ihcring: „Der K « m p f ums Roch t." Mit einem Vorwort oon Dr. Rudolf Wassermann (München). Berlin 1925. (Philo Verlag und Buchhandlung.) (3. 43. Aus dem Inhalt: Stndienprofessor Arnold Knrzman» (Gimzenhansen i. Bayern) und Dr. Kroner (Oberdorf-Bopfingen): Ruhe den Tote«. — Realschuldirektor Jakob Seifensieder (Nürnberg) nnd Prof. Dr.-Jng. Alfred Grotte (Breslan): Wohin mit den dcntsch-jiidischen Altertümern? — Dr. Hans Wesemann (Lissabon): Die ,Movos-LI»rt8ta«8" in Portugal. — Dr. Norbert Einstein (Berlin): Die „reichen" Juden. — Ernst Liffaner (Wien): Sagen von Moses.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.