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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe Mai M7 mtntl M«re1n Blätter sür-eutsclitum unvlu-rnwm^ 'ortzmiöes Stmttsvüryeriüöifcken Vlovdi n m *1 >j uttvJ»ü?1ul i** iTj Vt Q f1»nnP?iT? LIN von Srrbert Eulrnberg. Einmal ganz abgesehen von der u n in e n s ch l i ch e n Rohheit, die darin liegt, sich an Gräbern zu vergreisen, Schandtaten, die wir jetzt fortwährend aus den Berichten unserer Zeitungen über die Verwüstung jüdischer Friedhöfe vernehmen müssen, bedeutet eine solche Zerstörungswut, a u ch mit den Augen eines Künstlers betrachtet, eine Niedertracht. Ich kenne persönlich viele jüdische Friedhöfe, die es an Schönheit mit dem berühmten von Nuisdael gemalten — das herrliche Bild hangt in der Dresdener Galerie — cmfuehmen können. Zwischen Rhein und Ruhr, wo, will ich lieber gar nicht verraten, liegt im Wald ein solch verlassener, aufgegebener Judenfriedhof, dessen schwerinütiger Zauber einen jeden Wanderer ergreifen mutz. „U lt b w e n n einer ein Grab von Euch sieht gen Osten in weiten La n den , w ird e r s e ri f z e n u u d s e i u e S e c l e w i r d st i l l e w e r d e n >v i e beim Anschaue» eines verflogen eil Vogels." Auch bei meiner Vaterstadt Köln gab es früher einen solch abgelegenen alten romantischen Judenfriedhvf vor den Toren, zu dein >vir als Kinder gern hinauSpilgerten, um zivischeii seinen schöneii, teils schon versunkenen Steinen umherzinvandeln und die uns unverständlichen krausen hebräischen Inschriften zu betrachten. Heute wird dieser kleine Begräbnisgartcn in Köln nicht mehr benutzt und hat als Friedhof längst einer großen, neuen Anlage weichen müssen. Aber noch hcitzt das Wirtshaus, das an der Stelle dieses alten Friedhofes vor den früheren Festungswerken steht, in kölnischer Mundart: „Am du de I ü d". („Beim toten Juden".) Und es soll dort an Sonntagen jetzt heiter getanzt und gelacht werden. Aber das ist nicht schlimm. Demi der Lebende mutz ja vergesseii. Und in Köln denkt kein Mensch, ivenn er de» Namen dieses Gasthauses ansspricht, sich irgend etioas Jndenfeindliches Welch eine Rohheit des Herzens aber offenbart cs, wenn Leute ihren Hatz und Zorn an den Gräbern der Toten anslassen! Welch eine Rohheit und zugleich ivelch eine Feigheit! Derin ivas ist billiger und erbärmlicher, als nachts in der Dunkelheit unbewachte Grabsteine umznstnrzen oder zu verunreinigen? Schämt man sich als Deutscher nicht bis in den Grund seiner Seele für seine Volksgenossen, wenn man -von solchen Untaten liest, die au jüdischen Gräbern begangen werden? Selbst ein so glaubenseifriger Herr wie Kaiser Karl der Fünfte sprach mitten in den lvildesten Kämpfen gegeir den Protestantismus, diese neue Irrlehre in seinen Augen, als man ihn am Grabe Luthers aufsvrderte, die Gebeine dieses Erzfeindes und Ketzers in die Elbe werfen zu lassen: sei ferne von mir. Ich führe keinen K r i Cj de n Toten, ich führe n u r Krieg m i t den Lebende n." Jeder völkische Wahnsinn wäre als eine Krankheit zu entschuldigen. Dieser, der sich an den Grüften der Toten vergreift, ist es nie und nimmer. Ich bin überzeugt, daß die Völkischen bei uns in ihrer großen Mehrheit solche Freveltaten durchaus verwerfen werden. Darum richte ich meinen Mahnruf gerade an diese Partei, an sie, die Deutschen, die ihre völkische Gesinnung besonders betonen, und bitte sie: Wehrt Euch in Euren eigenen Reihen gegen solche Bubenstreiche! Laßt die Toten ruhen! Und sorgt dafür, daß wir uns nicht durch eine weitere Häufung solcher niedrigen Greuel vor dem Ausland wirklich den Rainen „Barbaren und Vandalen" verdienen, als ein Schimptzvort, das jenem alten deutschen Volksstannn der Vandalen, wie wir heute wissen, zu Unrecht verliehen worden ist. Und gedenkt schließlich der Tatsache, daß Bismarck, Euer Bismarck, in seinen berühmten Verteidigungsreden, die er für die Ausrcchterhaltung der Todesstrafe in Deutschland von sich gegeben hat, der Meinung lvar, das Henkersbeil müsse bleiben, nicht zuletzt auch, um Grab- und Leichenschünder *u bestrafen. Wieder neue Friedhofsschändungen! Sillesheim, Regensburg, Aufhauken und Rülzheim. Erst jetzt wird bekannt, daß vor etwa vier Wochen der alte Friedhof in Hillesheim beschädigt worden ist. Der Friedhof liegt, wie uns geschrieben wird, etwa 25 Minuten vom Orte entfernt, näher an Dolgesheiin als an Hillesheim. Er liegt abseits von der Straße, durch eine natürliche Hecke umzäunt, ohne besonderes Tor. Arbeiter, die in der Nähe eine kleine Brücke zu reparieren hatten, bemerkten, daß acht Grabsteine gewaltsam umgeworfen worden sind. Sie sind nicht zerbrochen, sondern — wie die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben — aus der Erde herausgehoben. Man ist sich in Hillesheim darüber einig, daß nur Völkische als Täter in Frage kommen können, und zwar wird vermutet, StttL h*m 'tnhrtlf* Götter, Helden und - Günther. - 4H“ vCIll *3lllJUII. Die Träger der deutschen Knltnr nach Osten. Von Dr. Jacob Loewenberg (Hambnrg). — Moses Mendelssohn in Berlin. Von Dr. Kaeber, Stadtarchivdtrektor der Stadt Berlin. — Was lprben die Inden des Mittelalters stir eine Sprache gesprochen? Von osessor Dr. Elbogen (Berlin). 87315 6356

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