Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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n Man verspricht sich vielsach eine Erlösung aus dieser Lage durch den sogenannten M in v r i t cit e n s chn tz, die „Nativnalantvnotnie", den gesonderten jüdischen Wahlkataster, wodurch die Juden als eigene Nationalität anerkannt und der Notwendigkeit enthoben werden sollen, etwa bei Wahlen zwischen zwei Nationalitäten zu optieren, wodurch sie stets den Haß ver einen oder der anderen ans sich ziehen. Eitle T ä u s ch u n g! Die jübifdjcn Vertreter im eigenen Kataster werden ja immer eine Minorität bilden, und die ivird sich zwischen den anderen nationalen Parteien in derselben Lage befinden wie die jüdischen Wühler jetzt. Jede der streitenden nationalen Parteien wird von den jüdischer Vertretern fordern, daß sie mit ihr stimmen, und für das Gegenteil an den Jiiden Rache nehmen. Schließlich werdeil alle über die Kopse der Juden hinweg miteinander Frieden schließen und diese geineinsam bekriegen. Die Lage lvird sich nicht im geringsten ändern. Dagegen bietet die Nativnalantvnvniie immer der einen Nationalität die Handhabe, ein ihr »ubeguemes Bündnis der Inden mit der gegnerischen Nationalität unmöglich zn machen. Darum erklärten die Nnthenen in -Ostgalizien, als sie gleich nach dem Zerfall Oesterreichs dort eine „westnlrainische unabhängige Republik" ansriesen, die sogar einige Wochen dauerte, die Inden zn eiltet .besonderen selbständigen Nationalität mit allen dazu gehörigen Vorrechten, weit die Lvslvsnng der Juden von ihrer traditionellen Wahlbundcsgenvssenschaft mit den Polen diese nugeheuer schwächen konnte. Kurz darauf erinnerten die ruthenischen Organe die Inden an ihre Pflicht der Dankbarkeit gegeit die Ruthenett für diese Anerkennung, woraus nun für die Inden die „absolute Verpflichtung" erwüchse, sich in jeder Beziehung ihnen, den Nnthenen. gegen die Polen anznschließen. Die Polen ihrerseits verpönteit nichts so sehr wie die jüdischen nationalen Sonderbestrebungeit, aber nttr in Russisch-Polen und itt Galizien. Da war das Schlagwort von der jüdischen Nativnalantvnviitie förmlich dein Landesverrat gleichgestellt. Jtn Jahre 1919 scheute sich eilt Polenfnhrer in Paris nicht, öffentlich zn erklären, die Judenpogrome, die damals vielfach in Polen stattfanden, ivären die Rache für den Verrat, den die Juden durch ihre nationalen Aspirationen au den Polen verübt hätten. Aber in Pose n, krirz vor der Aufrichtung der nnbeschräitkteii Polen- Herrschaft, als man mit den einzelnen Teilen der Bevölkerung noch paktieren zu müssen glaubte, boten dieselben Polen dem jüdischen „Nationalrnt" die völlige Nationalautvnomie an. Es gab sogar einige jüdische „Politiker", die auf diesen Erfolg stolz lvaren. Nach Tische sprachen die Polen freilich anders. Die Rumänen, die itt ihrem eigentlichen Lande bis zuletzt noch den Juden die ihnen sogar von Nußland nicht verweigerte Heiinatberechtigung znzngestehen sich sträubten, boten ihnen gleich zu Beginn der neuen Epoche die Rechte einer selbständigen Minoritütsnation an, aber nur in den von Ungarn okkupierten Provinzen, >vo sich die Jiiden als Ungarn betrachketeu. Dadurch wollten die Niimänen die Stärke des ungarischen Elements lockern. Die Tschechen haben sich mit Wonne beeilt, die Jiiden als gesviiderte Nationalität anztierkenneii, weil die Deutschen durch den Berliist dieser treuett Bttudesgenosseti erheblich geschtvächt werden. Die jüdisch-nationalen Schulen zeichnen sich nur dadurch ans, daß in ihnen die deutsche Unterrichtssprache durch die tschechische ersetzt ist. Man sieht, mittels der Nationalaiitvnomie werden die Inden nur für andere die Kastanien ans detn Feuer holen, ihnen selber aber ivird sie nichts nützen. — Nur einen Ausweg gibt cs aus dieser verzwickte» Lage. Es war und bleibt eine unentrinttbare Notwendigkeit, daß die Inden überall dort, ivv sie zivischen zivei Nationalitäten eiiigezivängt waren, sich der höher slehenden anschlvsse», deren Interessen zu den ihrigen machten und so deren Kraft im Verhältnis zitr anderen verstärkten. Die durchsichtige Aiaske einer eigenen sogenaiuiten gesonderten Nationalität anzlilegeii, f ü h r t z u n i ch t s. lind es heißt, ihtien eine G e s i n n n n g sltlmperei ztunnlen, tvenn man von ihnen verlangt, sie sollen sich von ihren bisherigen Bundesgenossen jählings abwenden. Es gereicht den Inden zur höchsten Ehre, daß sie der Nation, in deren Mitte sie als ihresgleichen lebte», deren Sprache sie sprachen, in der Not die Treue bewahrten und für sich kein Sonderschicksal ivüiischteii. Die gegenteilige Handlungsweise würde den Charakter der Judeii in Verruf bringen rutd sie der Verachtung der Welt Preisgeben; ganz abgesehen davon, daß das Herz der Jiiden, z. B. in Deutschland, dein dentscheit Volk unlösbar tt n b u n a b h ä n g i g v 0 tt j eg li cher N ü tz l i ch k e i t s e r w ä g n n g ziigehört. Killer srrlcht wirter. Zu Wem Men Austrelen in München. Seit seiner EnUasimng aus der Festung Ende 1924 war Adolf Hitlers Politische Tätigkeit zu einem großen Teil lnhmgelgH. durch das Redeverbot der bayerischen Regierung, dein sich dann, die Regierungen' dev meisten übrigen deutschen Länder anschlossew. Rur S-achsen, Thüringen, B r a n 11 schw e t g und DJicdlcitbürg gestalteten sein Austrelen als Redner, und im Rheinland vermochte er ein Paarmal zn reden unterdem Borgebeiu, daß es »uiv in geschlossene» Mitgliedervorsaiii-.intniigen geschehe. Hitler und seine AnlMger haben, sich damit nicht abgesiiiidon, sondern ständig gegen das Redeverbot Protestiert und die Begründung, daß er als Staatenloser kein Recht aus Versammlungsfreiheit habe, nicht gelten lassen, weil er vermöge seines Eintretens für Tentsch'.-and in Krieg und Friede» als Deutscher galten, müsse. Mit dem ganzen Pathos und dem blühende» Phrasenschatz, über den die Partei verfügt, wurde der Kampf »in die Redefreiheit Hitlers geführt. Hitlers Freund, der Abgcvrdttrte Buttninn», verkündete pomphaft im Landtag, mit dem Redeverbot habe die Partei kein schlechtes Gcschift gemacht, denn cs mache nur Reklame für sie, aber über der Partei stehe für die Nationalsozialisten das Wohl des gesainten Volkes, und ans diesem Grunde hüllen sie gegen das Verbot angekämpft. Man wird einige leise Zivcifel an der Ehrlichkeit dieser E» klärung hegen dürfen, wenn man nun liest, was für demütigende Bedingungen Hitler auf sich genommen hat, um die Aiishebung des Redeverbots zu erlange». In seinem Buch hat er gegenüber einer Negierung, die das Volkstum dem Untergang entgegenführt, die Rebellion als Recht und Pflicht eines jeden Volksgenossen erklärt und der Frage der Legalität mir eine untergeordnete Bedentimg cingeränmt, jetzt aber ist er gegenüber der bayerisch» Regierung, die er doch früher immer als Nutznießerin des Novemberverbrechcns bekiimpst hat, die ausdrückliche Verpflichtung cingcgniigen, keinerlei gesctzividrige Ziele zu verfolgen und zur Erreichung der Ziele seiner Partei keinerlei gesetzwidrige Mittel anzmvenden. Die Beweggründe, die Hitler und seine Freunde zn dieser llntcrwcrsnng unter die Bedingungen der Negierung vcranlasiten, tverden elivas nnfgchelll durch eine» Bericht, den die „Münchener Post" über einen gerade in diesen Tagen vor dem Münchener Landgericht verhandelten Prozeß bringt, in dem der völkische Rcchtsamvalt Kohl von Hitler auf Grund einer Art von Bürgschaft die Bezahlung der Bertcidigungsgelnchren für seinen Mitverschworencn beim Novemberputsch, Oberleutnant Brückner, verlangt. Gegenüber diesem Verlangen habe Hitler in einem Brief vom November 1925 darauf hingowiesen, daß er zurzeit kein Geld habe, daß aber die Befchnssung der nötigen Mittel keine Schwierigkeiten machen würde, wenn cs ihm ivicdcr möglich sei, Massenversammlungen in München abzuhntten. Es scheint also doch, daß der Partei das gute Geschäft, das sie durch Massenversammlungen machen kann, lieber ist als das „gute Geschäft", das sie nach der Aenßerung des Abgeordneten Butt mann durch Reklame mit dem Redeverbot machen kann. Nach Den Bedingungen der bayerischen Negierung mußte das erste Auftreten Hitlers außerhalb Münchens erfolg eu. Hitler wählte dafür die kleine nicdcrbayerische Stadt Vits bi bürg, um dann wenige Tage nachher seinen Wiederciiiziig in München zu halten. Nach den Mitteilungen der Presse und der Versannnlungsbcsucher hatte seine Rede nicht die alte Frische, offenbar fühlt er sich doch durch die llnterwerfnngsbcdingiingcn elivas beengt, lieber die Inden fiel ln dem ersten Drcivlcrtet der Rede überhanpt kein Wort. Erst gegen Ende ein paar phrasenhafte Sähe, die der „Völkische Beobachter" m folgender Fassung wicdcrgibi: „Sinnlos ist für uns der Marasmus, höchsten Sinn hat er siir den internationalen Inden: sinnlos ist fiic uns der heutige oberflächliche Nativnnlisnius, aber höchsten Sinn und höchste Lochs hat er für den internationalen Inden; er must diesen Llegrisj veräußerlichen, verflachen und vcrsälschen »nd ans der anderen Seile den Irrsinn anfachen, um beide Teile Mgenseilia vernichten zn können. Nicht die Neaktiun marschiert, nicht das Proletariat, sondern das Sllavenheer, der Wahnsinn marschiert, und über beide marschiert und triumphiert der Jude. Er marschiert, während die einen ihr hohles Hurra hinausschincllern und die andere» unter Flüchen znm Stempeln gehen, er ist der Sieger der Zukunft, solange dieser Tvdscind das Pulkes nicht erkannt ivird und das sich znsnnnnensindct, was zusammengchört." Was der Versammlung selbst an großer Wirkung fehlte, sucht der „Beobachter" durch rektamehafte Atisschlachtnng zu ersetzen. Die Versammlung war tatsächlich gut besticht, was nicht verwunderlich ist. Der „Beobachter" aber behauptet, 7000 bis 8000 Zuhörer seien dngeivcse». Laut baupolizeilicher Fcststellnug faßt aber der Bcrsammltntgsrantn nur 3420 Personen. Mögen wirklich noch einige hundert über die zulässige Zahl dagewesen sei», so ist die Besucherzahl doch sicherlich tims Doppelte übertrieben.