Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dogmatische Mb bürgerliche Toleranz. Bon Nr. Al». L R. Kaufmann manlsurl a. R.» Bei der Aujmihiiie des »nchsolneiidni prvstrammntische» vlnssntzeS eines hervorragenden k a t h o l i s ch c n Gelehrten gehen wir van der ffrwägiing ans: Wer Toleranz übt nnd Toleranz oder noch inehr verlangt, mich sich an der Quelle auch anderer Ncligtonen nnlcrrichlcn und die Anssnssima leime,ilerncn, die, nu diesem flallc, das tathvlische Glandensbclenntnis vom Tvlernnzhegriff hegt. jTie Schriftleitung.^ Dogmatische Toleranz. Religiöse Toleranz ist die geflissentliche Duldung einer religiösen Uebcrzeiigting, die man innerlich nicht billigt, äußerlich aber zuläßt lind nicht hindert. Die religiöse Ueberzengnng der Katholiken bernht ans dem von der Kirche gelehrten Dogma. Der Katholik ist dogmatisch eingestellt. Unter Dogma im eigentlichen Sinne versteht er eine von Gott geosfenbarte, also in der Bibel oder Tradition begründete Wahrheit, ivelche die Kirche durch ihr unfehlbares Lehrami verlegt (definiert). Diese dogmatischen Sähe oder Definitionen, die nur ein allgeineincs (ökumenisches) Kirchenkonzil unter Vorsitz des Papstes oder der Papst alteiu, lveun er in feierlicher Weise für die Gesamtkirche bindend (ex cathedra) lehrt, sestlcgen kan», müssen von jedem Katholiken geglaubt werden, d, h. jeder Katholik muß sie fest für ivahr Hallen, nicht etwa, iveil ihm ihre Wahrheit selbst einlenchtet, sondern iveil Gott sie gcojscnbart nnd durch das unfehlbare kirchliche Lehramt übermittelt hat. ES gibt ihrer nur wenige; sie sind jedvnfatls viel iveiiigcr zahlreich, als der Außenstehende, ja selbst der katholische Laie, in der Regel anninnnt. In einer angesehenen katholischen Jeitschrist Frankreichs hieß cs, allerdings mit einiger Uebcrtreibilng, maii könne sie ans einer Handfläche ziisaminenschreiben. In diese» Dogmen mnr ist die katholische Kirche intolerant; daS heißt: sie ist überzeugt, daß ihr Dogma die einzig lvahre religiöse Lehre darstcllt. Der Katholik empfindet diese dogmatische Intoleranz alS etwas Logisches, iveil er sich sagt, daß nicht zwei Lehren, die einander widersprechen, zugleich wahr sein könne», und iveil cs ihm eine Selbstverständlichkeit ist, daß eine Kirche, die an, ihre Wahrheit und an ihre Eristenzbercchtignng glaubt, ihre Religio» als die allein richtige betrachten mufj. Die katholische liirche vcrivirft somit den religiösen I n bisse r e u t i s in n s , der die Gleichwertigkeit aller Religionen behauptet, Ebenso verwirft sic eiir dogmenlvscs Ehristentmn nnd den religiösen Subjektivismus. Das protestantische Prinzip der „freien Forschung" ist dem Katholiken etwas Unverständliches, iveil es die eine objektive Wahrheit entiveder gar nicht erkennen läßt, oder diese Wahrheit zu»! Spielball subjektivttch * Meinungen macht. / Roben den definierten, Dogmen, den Kardinalsätzen der katholischen Religion, die der Katholik wenigstens implicito glauben muß, gibt es noch andere katholische Lehren und in der ganzen katholischen Kirche verbreitete Ansichten, die wohl allgemein angenommen werden, aber nicht znm eigentlichen Dogma gehören, also nicht das Objekt des eigentlichen übernatürlichen Glaubens, der kiäes divina, fein können. Hierher gehören z. B. die Auslegung zahlreicher Bibelstellen, insonderheit die Vereinbarung des Pentateuch mit den Ergebnissen der 'Modernen Natnrfvrschung; die Frage, ob das Leben sich ans einer Urzelle entwickelt hat,, ja, ob der inen schliche Körper (nicht auch die Seele) vorn Tier abstanunc, die Wunder der Heiligen (erst recht die Ereignisse i» Lourdes und anderen Gnadenorten), viele Ansichten der Moralisten über die sittliche Erlanbtheit menschlicher Handlungen usw. Dazu kommen Dinge liturgischer, disziplinärer oder kirchenpolitischer Natur, z. B. die kirchlichen Zeremonien, das Ordenswescn, der Priesterzvlibat, die jüngsten bischöflichen Erklärungen zur modernen Fmuenmode, die Politik des Vatikans, die Stellungnahme der Katholiken im öffentlichen Leben usw, — Von allen diesen Dingen braucht der Katholik nur diejenigen anznerkeimen> die mit dem definierten Dogma in einem notwendigen inneren Zusammenhang stehen und deshalb in der Kirche allgemein geglaubt bzw. gehalten werden. Er hat ihnen gegenüber nicht den eigentlichen göttlichen Glauben (fides divina), sondern nur den sogenannten Kirchenglauben (fides ecclesiastiea). Auch hierauf wird sich also seine dogmatische Intoleranz erstrecken. In allen anderen Fragen aber — und sie sind im Katholizismus sehr zahlreich — kann er seine eigene Meinung haben und die Meinung anderer Menschen gelten lassen. Bürgerliche Toleranz. Der Katholik muß die katholische Glaubenslehre für die einzig wahre halten — darin kennt die Kirche keine Kompromisse. Aber im bürgerlichen Verkehr, also nn gesellschaftlichen, geschäftlichen, wissenschaftlichen, politischen nsw. Leben muß er seine nichtkatholischen Mitbürger selbstverständlich tolerieren: er darf den Vorkehr mit ihnen nicht deshalb meiden, iocil sie andersgläubig sind, er darf ihre ehrliche Ncberzengung nicht verachten, erst recht darf er sie desivegcn nicht bekämpfen nnd verfemen. Damit aber hat er seine religiöse Pflicht Andersgläubigen gegenüber noch nicht erfüllt. Die Kirche ver- Aus dem Ziihalt: Landgerichtsrat Dr. Schwenk (Görlitz). — Die Inden E Bewahrer altdeutscher BoltSsttten. Von Oberlehrer ^vatz (Rer in gen) und Pr. Max G r n n Wald (Wien).