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Central-Verein-Zeitung · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe Januar 1927 Mein pffithT fär ftrw»fcfrhW um) Tnpnttutn.^ mt Oie wahre nationale Gesinnung. Lin Ma-nwort an die Zagend / Von Sr. L. v. Aster, Professor an der AniverfitA Ließen. Der preußische Kultusminister, Herr Dr. Becker, veröffentlichte im „Berliner Tageblatt" (Morgenausgabe vom 25. Dezember) einen Weihnachtsgruß an die deutsche Jugend. Besser gesagt an die a k a d e m rsche Jugend, die tvir .Akademiker noch immer angesichts der längst erwachten Arbeiterjugend viel zu leicht und sehr mit Unrecht der fugend schlechthin gleichzusehen geneigt sind. Er knüpft seine beherzigenswerten Gruß- und Mahinvorte an die Bedeutung des Weihnachtssestes als des Geburtsfestes des Christeiitums, mit dem zuerst ein neues M c n s ch h e i t s b e w u ß t s e i n aufkam, jenes Menschheitsbewiißtsein, das über den Gegensatz der Völker und der Klassen, der „Inden" und „Griechen", der „Griechen" und „Barbaren", der Römer und Nichtrvmer, der Freien und Sklaven hiiüveg die Menschen in einer Sphäre geistigen Lebens als Brüder einte. Gewiß hat nicht das Christentum allein diesen Gedanken und dies neue Menschheitsgesühl geschaffen, die Philosophen des Hellenismiis waren gleichfalls seine Verkünder, und an dieser Stelle darf ich besonders betonen, wie es iin späteren Judentum sich ans Licht arbeitet. Der hellenistische Jude Philo prägt den schönen Satz von der Toleranz als der Ehrfurcht vor jeder, auch der von Jrrtümern durchzogenen Form des Gottesglaubens, die der Name Gottes von uns fordert. Aber richtig ist es, daß in jener Zeit dieser neue Menschheitsglaube und der Gedanke der geistig geeinten Menschheit geboren wird — für uns ein lebendiges Zeichen dessen, daß die Menschheitsgeschichte keine eintönige Wiederkehr des Gleichen ist, sondern schöpferische Entwicklung, Weg zu Neuem und nicht vorher Gewesenem. Pionier dieses Neuen aber muß die Jugend sein. Ist das Alter der gegebene Träger der Tradition, so muß die Jugend zuerst den Tauwind spüren, der von der Zukunft her in die erstarrten Formen der Vergangenheit hineinweht. Daraus beruht ihr unverlierbares Recht zur Opposition. Darum ist es aber auch die heilige Pflicht der Jugend, sich Herz und Sinne ossenzuhalten für das Kommende und nicht in eigensinniger Verdrossenheit sich an vergangene Ideale zu Kammern. Tut sic das, mißversteht sie Recht und Sinn ihrer jugendlichen Opposition in solcher Richtung, so trifft sie das . strenge Wort des Stifters der christlichen Religion, das Wort von den Toten, die ihre Toten begraben sollen. Becker weist daraus hin, tvie heute wieder ein neuer Mcnfchheitsglaube durch die Welt gehl als dringendstes, lcidenschastlichstes Sehnen der Böller. Auch er muß mit belebenden! Hauch in die Herzen der Jugend dringen und in ihr seine Pioniere finden. Er ist, wie Beckers Weihnachtsgruß mit Recht betont, auch keine bloße Wiederkehr des Vergangenem keine lateinische Gesamtkultur des Abendlandes, tvie sie damals dem Christentum entwuchs. steht heute in Frage. Gegen sie erhob sich auch einstmals, in der Renaissance, ein neuer jugendlicher Geist, der Kampf für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, individueller Eigenart, auch für das Persönliche der Völker und den Ausdruck ihres eigensten Lebens, ihre nationale Sprache. Das damals Errungene ist unverlierbar. Auf der Grundlage freier Entwicklung der persönlichen und nationalen Eigenart soll der Zusammenschluß der Völker erfolgen, der uns von dem FlE des zu Haß und Bernichtungskrieg gesteigerten Gegensatzes erlösen soll. Ideen klingen hier an, die uns Deutschen aus den Anfängen der Romantik, aus der Gedankenwelt unserer Klassiker wohl bekannt sind: Wir denken an Herders Idee einer großen Weltsymphonie, zu der die Stimmen der einzelnen Völker harmonisch zusammenklingen; aber auch der bekannte Ausspruch unseres größten Historikers, daß jede Epoche, jede Kultur, wir dürfen hinzusetzen jede Nation, gleich unmittelbar zu Gott sei, weist in die gleiche Richtung. Unsere Jugend, schreibt Becker, will vor allem national sein, und sie tut recht daran, ihr Gefühl ist richtig. Aber eben dieses Nanonalgesühl, wie es heute noch in weiten Kreisett herrscht, muß, um den hohen Aufgaben der Gegenwart zu dienen, eine innere Wandlung erfahren. Das Wort, das der Sehnsucht nach Einheit Ansdruck geben soll, ist heute zum Kampsgeschrei, zum Kampfmittel, zum Ausdruck des Hasses geworden. Wir müssen ein Nationalbewußtsein ausbilden, das die Achtung nud Anerkennung fremder Nationalität und vor allem diejenige jeder kulturellen und persönlichen Eigenart innerhalb der eigenen Nation nicht nur ermöglicht, sondern unbedingt fordert. Echtes Selbstbewußtfein, lehrt Fichte im Anschluß an Kant, ruht auf dem Bewußtsein der Freiheit, Freiheit aber erweist sich erst, Freiheit entsteht erst in der freiwilligen Anerkennung fremden Rechtes. Wer Sklaven und Entrechtete um sich sehen-will, ist selbst ein Sklave seines Machtstrebens, nur wer selbst haltmachen will vor der Freiheitsfphnre des andern, ist frei. Und was für das Selbftbewußtsein des einzelnen gilt, gilt genau so für das nationale Selbstbewußtfein, denn dies nationale Bewußtsein ist nichts anderes als das Selbstbewußtsein des einzelnen, bezogen auf ihn als Glied einer Nation. Ist doch die „Nation" ihrerseits kein wirlliches, metaphysisch-mystisches Wesen außerhalb des Individuums, sondern sie ist die Summe der Individuen, die durch Gemeinsamkeit des Schicksals und der Sprache verbunden sich als zusammengehörig empfinden, Leid und Lust miteinander zu teilen entschlossen sind. Weder die Nation in diesem Sinn noch die „Menschheit", d. h. die größere Gemeinschaft, in die die einzelnen Nationen als gleichberechtigte und das Recht der anderen anerkennende Glieder sich einvrdnen sollen, ist von, vornherein fertig vorhanden, sie müssen geschaffen werden in Aus dem Sudaltr Der Guilav-Freytag-Lärm. Don Iuiius Lab. Vom „schnoddrigen Berliners Eine Betrachtung von Ludwig Holländer. ZüdWe Sandwerlerfamilien kn Kurhessen. Don Lehrer L.Horwitz (Kassel).

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