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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-01 · Heft 11 (November 1926) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 11 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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$7 kignissc bcS Weltczeschcheiis nn? bcm Gleichgelvicht czeworfen wurde und ihre fcfte Lrientierniicz nod; nid)t wiedriczesnnden hat. auch Vv» C'ocfrfjöftc'Icutcn, die der 'loiijiuiitmfelgen, loic die Kiinstniittler, die Sir ansühien, so vlrilst dvch die »veitausgedehnte und bedeutende Schar derjenigen übrig, die sich nach dem Programm dieser Hefte auch heute nennen und bekennen als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens". Die im tief st e n mit de m P olle m pfinden , in d e s s e n Mitte sie an f w n eh s e n , in de s s e n Bl i t t e ihre B ater s eh du g elel' t. d e s s c n K n l t n r die L »> fisch i eh t d a r st e l l t, in der ihr E e i st a t in e t. Die ans allen diesen nnzerreißbaren Verbindniiczen heraus zu einer unzerstörbaren Liebe gelangt sind. Bessern die sich, wenn sie sich auch der jüdischen Geschichte und Neberliefernngeii gern und pietätvoll erinnern, v v l l k o in m e n n n d v h n e c i n e n Z >v e i f c l des Herzens als Denis ch e s ü h l e ». Die in diesem Gefühl und Bewusstsein durch niehis erschüttert werdeir können, auch nicht durch die anderste Brutalität von Angriffen und Zurückweisungen, Allerdings: leicht Ivird ihnen diese Haltung oft nicht gemacht, sclpvere Prüfungen treten an sie heran, und es bedarf einer nicht alltäglichen Reife der Seele, um sie immer zu überwinden, Es ist nicht crstannlich, das; andere von schwächerer seelischer Konstitutiv» nicht immer sv standhaft bleiben könne». Hätten tvir in Deutschland viele Männer des Wortes wie Sie, Herbert Enlenberg, sv brauchte uns nicht bange darnim zu sein, das; die unterirdischen Gclvalten wenigstens langsam, iu absehbarer Zeit ans der Welt geschasst lvürden, die aufs neue eine Kluft pvischen den deutschen Inden und ihrem Volke anfreistcn. Aber auch ohne diese Gewißheit sollen Ihre. Worte nicht verhallen, Was kn mme rt es legten Endes den d e n t s ch e n Inden, sv in n s; m an s i ch täglich sagen, wenn kleinliche und gem eine 6 csin n n n g ihn begeifert? Seine i » n c r st e G c - s ü h l s >v c 11 f tt ii n d a s n i ch t a n t a st e n. B! i t doppelter Entschiedenheit mag er si eh davor 1) n ten , ans de m G l e i ch g e iv i ch t seines n a t ü r - l i ch st e n E m p f i n d e n s g c iv v r f e n z u w e r d e» , das i h n zn ei n em Gl i e d und Teil de s dc n tschen Volkes ui a ch t. Als 1918 bie Katastrophe hereinbraeh, sprach der erste österreichische Bundeskanzler das schöne Wort: „Heute liegt das Dentschtmn in der Belt danieder. In diesem Augenblick bekennen wir uns freudig znni Dentschtnin," Aehnlich sollten ivir sagen, weil alles andere uns den Boden unserer ganzen Epistenz unter den Füßen svrtziehen würde: Heute werden die Beziehungen des deutschen Inden zu seinem Volke heimtückischer als je vergiftet, gefährlicher als je durch Lockrufe ans der Ferne erschüttert - in diesem Augenblick bekennen wir uns, unversührt durch Ideengänge, die uns ans unserer festen Lebensbahn zu schleudern versuchen, in ernstem und unlösbarem Jnsammcngehörigkeitsgefnhl zu dem Land und Volk, die unsere leibliche und geistige Heimat darstcllcn. Versteht sich, ohne nationalistischen Unfug und im Rahmen des guten Eurvpäcrtums und Weltbürgertums, ohne die sich heute ein sinnvolles Leben überhaupt nicht vvrstellen läßt. Ich denke, wenn wir sv sprechen und Sie, lieber Herbert Eulenberg, von der anderen Seite Helsen, solcher Mahnung Durchschlagskraft zu geben, jo ivird cs eine gute »nd förderliche BundeSaenvssenschast sein. Herzlichst Ihr Mar Osbaru. das Testament öes Primaners. Kein I«ve beim Leichcubkgäugnis! Erst jeUt wird ein besonders t r n n r i g e r n n d t i c s s ch >» e r zlichcr Fall ans 2 ch ü l e r k r e i s e n belannl, der i» erschreckender Weise zeigt, ivelche Folgen die Wühlarbeit der Böllischcn auf höhere» Schulen hervvrbringt, bb'r einige» Monoie» siarb ein seit langem lränlelnder Dchülcr einer I>öheren Klasse eines Berliner Realgymnasiums. Bor der Beerdigung wurde plötzlich verbreite!, jüdische Bliischüler dürste» an dem Leichenbegängnis nicht teilnchmen. Der Berschicdcne habe in seinen, Testament ausdrüetlich angevrdnet, Jude» tum inner Leichenfeier n » s z n s ch liehe n. Der Direllor der Anstalt pruste den Sachverhalt, Ns ficUtc sich heraus, das: das Gerücht zntraf, Jnsvlgedesscn lomNe der Direttor eine offizielle Bcteiligmig der Klasse an der Bestattung zu seinem Leidwesen nicht gestatte», -- Das ist ein völlischer „Erfolg", der jede'» ivahren Deutschen crfdjüücvu imd mit tiefem Schmcrz crsälle» wird. Die deutsche Musik und...? Von Pfarrer Lic. Dr. .Hans Harttuanu (Fache bei Soli,«gen). Wert »nd Sinn des Nationalen ist beknimtlich auss äußerste mstrilten. Aber das wird doch ivohl allgemein anerkannt, das; für das Gebiet deS Kulturellen die Idee der Nationalität Gültigteil hat. Für die rein ge soll schn stächen Frage», also im Politischen und Sozialen, mag vielleicht kein feststellbarer Unterschied mehr zwischen den Nationen sein. Aber in den geistigen und lnltn. veilen Dingen gibt cs ohne Zweifel Typisches, Die Begrisse „italienische Musik", „russische Musik" haben ihre Bedentiing, und es lassen sich bestimmte charakteristische Merkmale feststellcii. die tief in der Seele und im erlittenen 'Lchicksal des bcireffcndeii BolkeS verwurzelt sind. So finden Ivir das sangbare, rein klangliche Element als Ansdrnck einer harmonisch hingerissenen Seele im Italienische»: im Russischen die Weite »nd das Verfließende der Steppe, die sich, nfS Gcgenelement, z» einem knappen, verschränkten Rhythnins zwingt, der uns Westler befremdet (ein Beispiel waren die Tvnlosakeii). Im Tcutschcn aber haben wir die Musik als Ausdruck der ticsste» Weltinhalte und Meltcreignisse, als ein ewiges Wandeln an der Grenze, >vo sich das Ausdrückbare und das Nichtinehransdrnckbnrc, das Endliche und das Unendliche schneidet. Die Musik steht da in der Mitte der Dinge, Das hat ja den von manchen als „immnsiknlisch" gebrandmnrkten Eucthe veranlasst, i» „Wilhelm Meisters Wandcrjahren" den Lehrer in der pädagogischen Provinz sagen zu lassen: „Deshalb haben wir denn unter allem Denkbaren die Musik z»m Element unserer Erziehung gewählt, denn von ihr laufen itc Wege nach allen Seiten," Es ist bas die Gesinmnig, die selbst einen Meister deS Wortes wie Goethe dem W orte gegenüber als Ansdrnck des Unsagbaren noch eine letzte Hemmung empfinden lässt, etiva in dem Sinne des kurz zuvor gesprochenen Satzes: „Gewissen Geheimnissen, und wenn sic offenbar waren, muß man durch Verhüllen und Schweigen Achtung erweisen," In der Musik ist dem Denischen das Dasein „geheimnis- Vvll-vssenbar". Das haben dann Sch o p c» h a u c r und Wagner philosophisch zn fassen gesucht, indem sic die Musik als die Ostenbarnng des gestaltenden Wcltwillens und nls den Ausdruck des wahren dramatischen BcrlansS der Dinge begriffen, der gegenüber das Wort nur eine sekundäre Rolle spiele. Man wird -das Jndentn», nicht ohne weiteres in diese Art der Betrachtung vom Nationalen her cinordne» können. Es hat von jeher eine große Fülle der Gegensätze in sich zu vereinigen gewusst: Der ethische, ans die Ncusehöpsmig der Gcineinschaft gerichtete Wille der Propheten ncchm darin ebensogut seinen Platz ein wie die die Welt in „apollinischen" Spekulationen begreifende Weisheit Phi los oder die tiefsinnige Zlihlcnmhstik der Knbbalah, Sv ist es -n n - m ö g l i ch, die G r » n d ch n r a k t c v z» g c im luitnrellen Bilde des Judentums anfznzeigeu. llnd zumal ans dem Gebiete der Musik hat cs das Jndciitnm nicht z» einem ivcltgeschichllich sichtbaren und faßbaren Ansdrnck gebracht. Zwar gibt cs Forscher, die meinen, das sei ivohl »»ti’v der Oberfläche so gewesen, und der Tage stehe bevor, wo die „jüdische Musik" in die allen sichtbare Erscheinung trete: zu diese» gehört zum Beispiel Heinrich Bcrl in seinem Buche „Das Judeistnm in der Musik", dessen Titel n-bsichtlich von Wagners gleichnamiger Schrift enlehnt ist. Aber gerade dies Buch zeigt, wie g c - jährlich eS ist. das Wesen eines Volkes mit feste» Begriffen s n s s e n z u w o l I e n, Für die letzten und feinste» Dinge wird ja doch immer nur das Hvlderlinsche „dreifach umschreibe du es" Leitstern »nd Grenze sein dürfen. A» einem Beispiel sei das aufgewiesen, Bcrl spricht von der Erncuernng und den Möglichleite» einer jüdischen Musik. Da sagt er: „Das Jndenlum als das vollkommen » n n p o l l i n i sch e Volk ist nviwcndig das vollkommen dionysische. Der dionysische Mensch ist aber gerade der irrntionalistischste, nicht Maß setzende Mensch, dcr allcs Starre niislöst und zur Entladung treibt. In dieser E in v t i o n n l i l ä l liegt die Wurzel jenes Sprunghaften des jüdischen Eharnkters, jenes Aiiapästischen der jüdischen Sprache, jener Ilngemessenhe!! der jüdischen Aiusik," Gewiß liegt im Jndentn», «iiich viel Jrraiionales, und es wäre fasch, den Jude» nur in seinem sckpirsen Berstnndr versinnbildlicht zn sehen. Man kann an die rasenden Propheten des Alten Testaments denken und an andere Erscheinungen strömender Hingabe, etiva in der Romantik, llnd cs ist auch lein Zweifel, das; daS Schicksal des Juden in der Kncchtsclpist der Ehristen dies Element verstärkt hat. Dies ewige Sichausbänmeu-Müssen gegen gemeinen Spott und Hohn, und doch sich nicht ansbänmc» können : daS führte dazu, sich in die irrationale Lcbcnstiese zurückznMM, wie sie etwa die Chassidim beseelte. Aber ans der anderen Leite lebt doch auch im jüdischen Geiste so viel Klarheit der Gedanseiibildung, so viel Maß und Verklarung, daß man etiva angesichts eines Mannes wie S p i o n za nur davon reden kann, die hinslrömendc Liebe zn Gott sei hier in eine wunderbar klare und lichtvolle Gestaltimg gebunden. Es zeigt sich dann, daß man das Ehnraktcristische eines BollcS nie mit allgemeinen Begriffen kaffen kann, und zumal bei einem Bolle, das, wie daS ursprüngliche jüdische Bolk, als Mahner »nd Warner, nls Träger und Deuter, nls „Borwürtswuchter" der Menschheit, wie Alfred U e v r sagt, als Ingredienz 2344^4

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