Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«mn PMter für-eulscdtmn mwIrweMum Monatsausgabe Oktober 1-2b VjHLM ÜLH l^UtNÜ-'VMMS i Stlmlsvürseriü-mÄmAavvrus'Ät Allgemeine Zeitung des Judentums 3m Kampf für unsere po jener Heimat. von Berthold Hanse. i. Zum Verständnis der nachstehenden Ausführungen ist es notwendig, die allgemeine Lage in Posen nach dein Zusammenbruch des deutschen Heeres mit einigen Worten zu kennzeichnen. Die Revolution vom 9. November 3918 wirkte sich, anders wie im übrigen Deutschland, in Posen nicht als eine soziale und allgemein politische ans. Sie war eine ausgesprochen nationalpolnische. Der 9. November 1918 war für die polnische Bevölkerung, die seit Generationen den Gedanken an eine Wiederherstellung des polnischen Staates in mustergültiger Weise geistig und seelisch vorbereitet hatte, das Signal, den Traum der nationalen Wiedergeburt zu verwirklichen. Die polnische nationale Erhebung, die mit elementarer Wucht hervorbrach, fand kalim einen Widerstand bei den berufenen Vertretern der deutschen Staatsmacht, den verantwortlichen Behörden und den militärischen Befehlshabern. Sie standen, wie der Revolution überhaupt, auch diesen Ereignissen verständnislos und hilflos gegenüber. Die ersten Wochen verliefen in einer dumpfen Atmosphäre der Unklarheit. Von klugen Führern geschickt geleitet, übten die Polen eine verschwiegene Zurückhaltung, durch die sich die deutschen Behörden täuschen liehen. Die militärischen Führer schlugen die Warnungen in den Wind, die ihnen ans den Kreisen der eingeborcneii, die Sachlage erkennenden deutschen Bürger in höchster Besorgnis vorgetragen wurden. Unter dem Deckmantel einer Bürgerwehr rüsteten die Polen, die allgemeine militärische Auslösung benutzend, vor den Augen der gewarnten deutschen Generäle ein kriegsbereites Heer. Die Revolution entlud sich, als am 27. Dezember 1918 der bis dahin nur als Klavierkünstlcr weltberühmte Paderewski in Begleitung von englischen, amerikanischen und französischen Offizieren in Posen erschien. Plötzlich trat, wie aus dem Boden gewachsen, ein vollkommen organisiertes und wohlbewaffnetes polnisches Heer auf den Plan. In kürzester Zeit waren die Polen militärisch Herren der Lage und bemächtigten sich der Amtsstcllen. Ende des Jahres 1918 >var die Stadt Posen und der größte Teil der Provinz in den Händen der polnischen Revolutionäre. Dieser Zustand dauerte, nachdem die Kämpfe mit den deutschen Kreuzschutztruppcn durch die Vereinbarung der sogenannten Demarkationslinie, also einen Waffenstillstand, abgeschlossen Untre», bis zur endgültigen Abtretung auf Grund des Friedens von Versailles. Entsprechend dem nationaleil Charakter der Revolution hatten sich sofort überall in der Provinz polnische „Volksräte" gebildet, die ihre Zentrale in dem Obersten Polnischen Volksrat in Posen hatten. Die tatsächliche Gewalt wurde von den Volkskommissaren ansgeübt, die staatsrechtliche Befugnisse auf allen Gebieten der Staatsverwaltung erfolgreich m Anspruch nahinen, Gesetze erließen und mit diktatorischer Macht schalteten und walteten. Ein polnischer Landtag wurde einberufen, der anfangs Dezember ,1918 in Posen tagte und für den Obersten Polnischen Volksrat eine quasi staatsrechtliche Grundlage schaffte Die d^r^^^ Bevölkerung, die bei den Behörden und der deutschen nulltärischen Leitung keine Stütze fand, war auf sich selbst gestellt. Einige deutsche Männer taten sich zunächst zwanglos in Posen znsammen und gründeten einen Deutschen Volksrat. Auch in der Provinz hatten sich lokale deutsche Volksräte gebildet. In einer imposanten Kundgebung, die am 12. Dezember 1918 in Posen stattfand, schlossen sich die örtlichen deutschen Volksräte zu dem großen Deutschen Bolksrat zusammen. Dieser nahm nunmehr innerhalb des besetzten Gebietes und im Berkehr mit der preußischen Regierung die Rechte und Interessen der deutschen Bevölkerung wahr. In der Stadt Posen gründete Dr. Mar K o l l e n s ch e r auch einen Indischen Volks rat. Das Ziel des Jüdischen Vvlksrates war ansgesprochenermaßen die Geltendmachung der Rechte „des jüdischen Volkes" und die Verwirklichung emer jüdischen nationalen Autonomie auch für die Inden der Provinz Posen. In der allgemeinen Verwirrung der Revolution, in der jeder einzelne und jede auch noch so kleine Gruppe die Möglichkeit hatte, Rechte aller Art zu beanspruchen, war es dem Jüdischen Volksrat gelungen, vorübergehend einige Bedeutung zu erlangen. Er ist nach kurzer Zeit zusammengebrochen und verschwunden. Der C e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war sofort dem Deutschen Bolksrat beigetreten. In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Landesverbandes rmd der Ortsgruppe in Posen gehörte ich zu den Gründern des Deutschen Vvlksrates. Heftig und inaßlos in Wort und Schrift von dem Jüdischen Volksrat angegriffen, hat der Centralvcrein in Posen der Versuchung widerstanden, auf die Heraussordernngen in der Oefsentlichkcit zu erwidern. Leicht ist uns dieser Entschluß nicht geworden. Es bedurfte großer Selbstüberwindung, um so mehr, als die agitatorischen Angriffe einer jüdischen Gruppe gegen eine andere unsere Arbeit erschwerten und geeignet und vielleicht daraus gerichtet waren, unsere Stellung innerhalb des Deutschen Volksrates zu beeinträchtigen. Unser Verantwortungsgefühl machte es uns jedoch zur Pflicht, die ohnedies verhängnisvolle Verwirrung nicht noch durch einen öffentlichen Streit innerhalb der Judenheit zn vergrößern. Wir waren der Ueberzeugrmg, daß sich das nur Aus dem Znhaltr Was in Deutschland im Jahre 1926 möglich ist! Das „jüdische" Wirtschastsmanifest. Äon Dr. Richard Lewinjohn Die Steine reden. Von Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz).