Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Morratsausgabe September mm lroHiÄÄiis SeutsrkerR 1 iMlckrnVlauveus«Ä ISfeto l«nt>ol svvrntum, Allgemeine Zeitung des Judentums NechtSftaat - oder? lvorr Albsvt Weidnev. Es ist unverkennbar, daß in demselben Maße wie die völkische Propaganda an politischem Einfluß einbüßt, sie sich in den geistig minderbemittelten Volkskreisen, die ihr noch das Ohr leihen, durch hyperradikale antisemitis che Hetze zu halten sucht. Ganz wie die politische Mordhetze gegen Staatsmänner des republikanischen Deutschlands, als deren hervorragendste Opfer Erzberger und Rath enau fielen, arbeitet auch die neuzeitliche „Rassenhetze" mit den niedrigsten Mitteln der Lüge. Sie spekuliert auf die völlige Unwissenheit des einfachen Volkes und auf die Ignoranz der auf so vielen höheren Schulen nationalistisch präparierten Jugend auch der sogenannten „gebildeten" Schichten, und sucht dieses ihr Publikum auf die frivolste Weise mit aus den Fingern gesogenen Verleumdungen jüdischer Kreise und Personen zu angeln. Diese Hetze hat im Lauf der letzten Jahre einen Grad der Verworfenheit erreicht, der alle Leistungen etwa eines Ahlwardt und Grafen Pückler aus den neunziger Jahren in den Schatten stellt. Diesen beiden wirren „Politikern", deren geistiger Defekt sehr bald offenbar wurde, mochte man immer noch zugute halten, daß sie eben vom Wahn Besessene waren. Was dagegen jetzt Leute vom Schlage der Hitler, Holz und Streicher sich an Beschimpfung der jüdischen Bevölkerung leisten, ist durchgängig so handgreiflich verlogen, daß kein Milderungsgrund „guten Glaubens" dafür zu finden ist. Bor mir liegt die Nr. 34 des Nürnberger Skandalblattes „Der Stürmer" vom August d. I., herausgegeben von dem Völkischen Julius Streicher, verantwortlich gezeichnet von seinem Genossen Karl Holz, ein Organ, das sichtlich dem einzigen Zwecke dient: das Gift antisemitischer Verleumdung zu verbreiten. Die Methode ist so primitiv wie nur möglich: für alles Uebel in Deutschland werden als Schuldige die Juden bezeichnet und beschimpft; dabei gibt es keine Hemmung sachlicher oder moralischer Art. Im Gegenteil, je unsinniger die zu jenem Zwecke erdachten Znsammenhünge sind, mit um so größerer Schamlosigkeit werden sie journalistisch zu Sensationen ausgemacht. So werden jetzt die furchtbaren Ei se nb a h n k at a str o p h e n bei Langenbach und Leiferde zu einer antisemitischen Hetze benutzt, die geradezu einen Gipfel böswilliger Verleumdung darstellt. In großen fetten Lettern springt die Ueberschrift ins Auge: Jüdischer Massenmord. Eisenbahnattentat der Dawes-Juden 12 Tote, 15 V e r st ü m m e l t e. Darunter wird dann nichts Geringeres behauptet, als daß die Juden an jener Kata str oph e schuld seien. Und das wird sogar „bewiesen". Nicht möglich — meint der ahnungslose Leser. Aber doch „möglich", wenn Fälschung und Lüge von der vertrottelten Leserschaft solcher Blätter nicht»., als das erkannt werden, was sie sind. Da erhalten nächst ein glatterfundenes „Talmud-Zitat" ins Hirn gespritzt: „Wenn es nicht möglich ist, die Anhänger des Gehenkten (Christus) direkt zu töten, so verursache man ihren Tod indirekt." Im Anschluß daran folgt dann die Behauptung, daß der D a w e 8 - Vertrag schuld an der mangelnden Verkehrssicherheit der Reichsbahn sei. Und dann kommt als Haupttrumpf der Unsinn: „Der Dawes°Pakt ist verfaßt im Aufträge der jüdischen Wcltbankiers. Der Verfasser des Paktes ist ein russischer Jude, der früher auf den Namen Davidsohn hörte und. sich heute D a w e 8 heißt." Darin gipfelt die Darstellung des internationalen Abkommens über die Verwaltung der deutschen Reichsbahn, eines Abkommens, dem bekanntlich sogar 51 deuts ch nationale Reichstagsabgeordnete zugestimmt haben. Kein Wort davon, daß der Generaldirektor und sonstige Sachwalter der Reichsbahn einwandfrei „arische" Männer sind, die für die Durchführung ihres fragwürdigen Abbausystems Riesengehälter beziehen. Kurz und bündig nur — Judenattentat: „Die Schuldigen, aus deren Judengchirnen die Maßnahmen stammen, die den Tod jener Unglücklichen verursachten, kümmein sich nicht darum. Ob an dem Gelbe, das in ihren Säckel fließt, der Schweiß der Arbeiter, daS Blut der Opfer und der Fluch der Verwaisten klebt, das ist ihnen gleich." Neben dieser Höchstleistung gewissenloser Rassenhetze des genannten Organs verschwinden fast gleichzeitige Leistungen, wie die Umfälschung eines Zitats aus Dr. Beer» -wsüemjSnlrattr Württembergifche jüdische Seiden. Von Oberstleutnant a. D. Max Lrunzlow. -"Rationale Autonomie/Von Or.p.Nathan. Gustav Roethe. Von Frih Engel. Rudolf Gurken. Von Dozent Dr. Albert Lewlowih (ÄreSlau). GhamberlainS „Rasse und Persönlichkeit". Von Prof. Or. Goldsteln (Darmstodt). Die SedrSer an der Quelle. Von Prof. Or. Fiebig (Leipzig).