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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-01 · Heft 6 (Juni 1926) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 6 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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48 Ueber althebräische Poesie. Von Geheimrat Er». König Allerdings ist die Seele der nlthebräischen Dichter mich von prosaiien. Motiven bewogt worden. Denn um dies hier nur an einer einzigen Gruppe solcher Motive zu vernnschnnlichen, so fehlt es in der Literatur Altisraels keineswegs an Natur Poesie. Wie deutlich zeigt sich das schon an den interessanten Worten Davids: „Wach aus. Harfe, ich will wecken das Morgenrot!" (Psalm 57.9). Ferner gedenke man auch an die reizenden Zeilen über das Erlvachen des Frühlings (Hohrslicd 2,10 bis 13), oder au die sinnigen Sähe über die Schwalbe, die bei den Altären des Ewigen einen Nistplatz gefunden (Psalm 84,5). und über die Bögel, die „an den Bächen unter den Zweigen singen" (104,12). Aber was dem Inhalt der althebräischen Dichtung seine E i g e n a r t in oberster Instanz verleiht, das ist der besondere religiöse Grnndcharakter des Inhalts dieser Dichtung, Dieser Grnndcharakter prägt sich aber in folgenden Linien aus. Vor allein lvird diese Poesie von der Gewißheit eines l e b e n d i g c n n n d souverän d e r W e l t gegenübersteh cn den Gottesgeistes du r ch str vmt (vgl. z, B, Psalm 8,2: „Ewiger, unser Herrscher, >vie herrlich ist dein Name ans der ganzen Erde!" oder 83,6 bis 9: „Denn so er spricht, so geschieht eS, und so er gebeut, so steht es da"), und an diesem lebendigen Gott wird im einzelnen seine Erhabenheit über die Schranken der Zeit und des Raumes und überhaupt über alle außer ihm liegenden Hemmnisse gepriesen: Psalm 90, 139, 115 »sw. Dadurch überragt diese Poesie nicht bloß die Dichtungen der Babylonier, sondern auch die Dichtungen Homers und Hesiods usw. mit ihrer Vielgötterei und ihrein Götterzank, ihren Götterschinänsc» und Gvtterbuhlschaften, denn auch die babylonische Göttin Jsrhtar ruft einem siegreich heimkehrende» Helden zu: „Komm, Gilgnincsch, sei mein Buhle!" Auch Alexander v. Humboldt rühmt in seinem „Kosmos", Bd. II (1847), S.45ss„ „die Psalmen als Reflex des Monotheismus Israels, der das Ganze des Weltalls in seiner Einheit, sowohl das Erdeulcbcu als auch die leuchtenden Himmclsränme, ans sich wirken läßt". Sodann übt der hebräische Dichter in der Lebendigkeit des Denkens und Fühlens, die ihm ganz so wie allen Poeten eignet, allerdings auch Personifikation der Natur, und spricht deshalb vom Erzähle» der Hinnnclsspharen und vom Frohlocken der Wasserströme oder vom Jauchzen der Wnldbäume (Psalm 19,2, 96,1 l f.; 97,1; 98,8), Aber er kennt keine Nnturbeseelung, geschweige den» eine M Y t h o l o g i s i c r n » g der Naturprozesse. Er bevölkert nicht die Quellen oder Bäume mit Nymphe» oder Dryaden und verteilt nicht das Weltall wie die Babylonier an Nun, Bel und Sa, oder wie die Griechen an Zeus, Poseidon und Plntvn, So wenig der althebrüische Dichter dies tat, ebensowenig hat er zum Beispiel den Sonncuball zu einem Gott gemacht, wie zum Beispiel ' der Pharus Ameuhotep IV. (um 1370). Er hat ihn nur mit einem Helden verglichen, der von Gott, dem Schöpfer der Welt, ein Zelt ansgeschlngen bekommen hat und der, wie das Dichteraugc seine Regelmäßigkeit und seinen Glanz deutet, gleichsam mit Freudigkeit seine Bahn durchläuft (Psalm 19,5 bis 7). Also ist cs ein P!ißgriff, diese Gedichtsstrophe als einen „SouneuhynmuS" zu bezeichnen, wie es in den neuesten Psnlineuerklärungen geschieht, deren Ausstellungen alle im einzelnen in meinem soeben erscheinenden Psalinenkommentar beurteilt werde». Trotzdem war der althebrüische Dichter nicht etwa so religiös befangen, daß er in dem göttlichen Geisteshnnchen (Psalm 104,29 f.) mehr als den a l l e r i n n e r st e n Quell des Wcltlcbcus gesehen hätte. Er verkennt auch nicht die Nächstliegenden Ursachen des Nalnrprvzesses. Denn er Preist auch zum Beispiel die befruchtende Wirkung des Regens (65,19 s.; 104,13) und verwendet den besonders im Morgenlande wichtigen Tan zur Bernnsehnulichnng erfreulicher Erscheinungen (110,3; 133,3). Um den außergewöhnlich weitblickenden Alexander v, Humboldt noch einmal z» zitiere», so sagt er im „Kosmos" II, 45 ss,: „In dem einzigen 104. Psalm ist, möchte man sage», das Bild des ganzen „Kosmos" dargclegt. Mw, erstaunt, in einer Lehrdichtung von so geringem Umfang mit wenig Zügen das Universum geschildert zu sehen." Ein besonderer Glanz schivebt über dieser Poesie auch wogen der W ä r m e d e r N e l i g i o s i t ä t, die in ihr znm Ausdruck konnnt, und lvegen der Schönheit der s i t t l i ch en Ideale, die in ihr empfohlen tvcrdcn. Denn man denke nur an sulche inbrünstige Worte der Sehnsucht nach G o t t e s g e m e i » s ch a f t, wie „Aernimm mein Schreien, mein König und mein Gvit!" (5,3), oder „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir" (42,2), oder „Ein Tag in deinen Vorhäfen ist besser, denn sonst tausend Tage" (84,11), Man erinnere sich ferner an die Innigkeit des Dankpsalms „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, ivas er dir Gutes getan hat!" (103,1 ff.), oder an die ergreifenden Schuldbckonutnisse (6, 32, 38, 61, 106, 130, 148), und vergegenwärtige sich die Zartheit des s i t t l i ch e n P f l i ch t - bewußt sei ns, wie cs in „Herr, wer wird bleiben ans deinent heiligen Berge (darf gleichsam dein Hausgenosse sein)? Der ohne Wandel (in Luthers Sprache - ohne Fehler) cinhergeht und redet die Wahrheit von Herzen usw." (15,2 ff.; 50,14; 133,1) sich ausspricht. Will aber jemand an die Rachepsalmen erinnern, so hoffe ich, in meinem Kommentar bei durchaus ' grammatisch-historischer Auslegung. aber a l l s e i t i g e r Betrachtung des Problems auf Tatsachen aufmerksam machen zu können, die auch diese Rufe nach göttlicher Vergeltung in ihrem richtigen Lichte erscheinen lassen. Also das Schkußurteil kann nur dieses sein: Die althebrüische Poesie besitzt lvegen ihres religiös-sittlichcn Gehalts einen hohen Ehrenplatz in der Weltliteratur, ... ein einziges Tlationalgefühs. Zum Todestage Rathenans. m. Juni 1926. Berlin, 16. November 1918. „Sehr geehrter Herr Doktor! Ihr Protest ist berechtigt; ich schließe mich ihn, an. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Inden, unter ihnen viele, deren Borfahren seit ungezählten Jahrhunderten in Deutschland lebe», hat »nr ein einziges Nationalgefühl: das deutsche. Wir wollen, lvie unsere Väter, in Deutschland »nd für Deutschland leben »nd sterben. Mögen nndere ein gleich in Palästina begründen —: uns zieht nichts nach Asien. In Ergebenheit Nathenan." (Brief Walther Ralhenmis an Rechtsanwalt Dr. Apfel (Berlin). Aus der kürzlich im Verlage Earl iHcifincr (Dresden) erschienenen Sammlung von Briefen Walther Rat y e » n u §.) Gedenkfeiern für unsere Gefallene». I» der Synagoge in Fulda fand am ,'!0. Mal eine stimmungsvolle Eedächtnisseier zu Ehren der aesallenen jüdischen Soldaten der Stadt Fulda statt. Gleichzeitig wurde die Eesalleiieugedüchtinstasel, die aus schwarze», Marmor in goldenen Buchstabe» in Tentsch und Hebräisch die Namen der 18 Mitglieder der jüdischen Gemeinde verzeichnet/ die den Heldentod gestorben find, oingelveiht. Zur Godächlnisseier waren neben den All t gl ledern der jüdischen Gemeinde die Spiycn der Zivil- und Militärbehörden erschienen. Außerdem mchiuen Abordnungen von Krieger- und Frvntkämpfervcreinigimge» (darnntor der Stahlhelm) an der Feier teil. Provinzialrabbinee Tr. Eahn hielt die außerordentlich Iveihevvlle und ernste Gedenkrede. Alsdann brachte Landrat Freiherr v. Gagern in einer Ansprache zum 'Ausdruck, daß die Trauer der Gemeinde die Trauer des ,ganzen Volles sei. Für Artillerieregimenl 9h'. 5 sprach Oberstleutnant Schessel, der nebst Oberst Kraus rmd anderen Ossiziereu erschienen Uhu. Schessel betonte, daß es i m , , . ... rischen G rvßtat r n liege. Cüidienrat Eschelbach redete für das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Beigeordneter' A r»d überbrachte in Vertretnug des Lberbürgerineisters den Dank der Stadt für de» Lpferlvd der jüdischen Krieger. Namens des Neichsbnudes jüdisehee Frvntsoldaien sprach Kamerad F. Schuster, der auf die insgesamt 12 001) gesalleueu Juden hiuwies, und Syuagogenältester Dr. Herz sprach nts letzter im Namen des SNnagogenvorstniides ehrende Worte sür die Gesallcnen. — Mit einer schlichten Jeirr wurde in 3! a st e n b u t g (Ostpreußen) die vom R e i ch s b u n d jüdischer F r v » t s v l d a t c n , Ortsgruppe Rastcuburg, gestistete Gcdenktasel sür die gesallcnen Kameraden der jüdischen Shuagogeugemciude übergeben. Im Mittelpunkt der Feier stand die Weiherede des Kantors Hecht. Herr Lewi » »e k übergab die Gedenltasel der Obhut der Synagogeiigemeiude, die der Vorsitzende der Gemeinde, Stadtrat U s i r h a l v w s k i, übernahm. — Auf dem Leipziger Friedhöfe fand die feierliche Einweihung des Ehrenmals statt, das die Leipziger Jüdische Gemeinde ihre» im Kriege Gesallenen, nach der Heimat llebersührten und den an den Folgen ihrer Kriegsverletzungen in Leipig gestorbenen Söhnen errichtet hatte. Durch alle 'Ansprachen, deren Reihe Rabbiner Dr. G o l d - mann (Leipzig) ervssuete, klang hindurch, daß die Juden dm Traditionen derer, die ihre Liebe zum Aale,lande mit dem Tode besiegelt haben, getreu, am Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes Mitwirken wollen. — Am 30. Mai fand in Bernbnrg die Gedenkfeier des hundertjährigen Bestehens des israelitischen Friedhvss in der nenansgestattetcn Friedhvsshalle statt. Das langjährige Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Louis C a l m, begrüßte besonders Herrn Stadtrat Alüllcr als Vertreter des Magistrats, die Herren Oberprediger Dr. Heine, Pastor K i n d s ch e r , Pastor U h l e als Vertreter der evangelischen und als fflcrtvetec der katholischen Geistlichkeit Herrn Pfarrer H v h g r c b e, ferner die Vertreter der jüdische,, Nachbargenieinden, Lnndesrabbiner Dr. Walter (Dessau) und Rabbiner B a ne th (Koitzen). Verlag u. Schriftlellung: Centralverein deutsch. Staatsbürger jitd. Glaubens e. 35., Berit» SW 08. Sinbenftt. 13. Für d. EchrlsUeit. verantw.: D. Dr. Alfred Wiener, Berlin SW. 68, - Druck: Rudels Masse, Berlin 8W 63,

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