Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatsausgabe März I-Lö Vlütler süröeolscktum^^Mvrym» des lLntral-Verems Sr»tirk§I unö 7uöentum-^ F Atnn ^—ü'yerjüölfcken Ciatü?ens*tt 2Ul^>emein© Zeifun^ des Oudenirums Wege zum inneren Frieden. Eine machtvolle Kundgebung des Lenlralvereins. Reden vonOr.Ludrvig Haas, M.d.R.,Dr-LudwigHoüSnder,Or.msä. Friedrich Bcoünih. Die Hauptversammlung des Eentralvereins wurde durch eine machtvolle Kundgebung am Sonnabend, den 6. März, im Uenarsitzungssaal des Neichswirtschastsrats eingeleitet. Weit über 500 Delegierte und Gäste füllten den festlich-stimmungsvollen Saal. Viele Ministerien hatten ihre Vertreter entsandt; so war Ministerialrat Kaisenburg für den Reichsminister des Innern, Staatssekretär Weißmann als Vertreter des Preußischen Ministerpräsidenten, Regierungsrat H i r s ch s eld für das preußische Innenministerium, Dr. Alfons Steiger in Vertretung des Reichsjustizmiinsters und des Ministeriums für die besetzten Gebiete erschienen.? Oberpräsident Dr. Maier hatte den Oberregierungsrat Dr. : Ahrend ts, die Stadt Spandau den Bürgermeister Herz entsandt. Der Vorsitzende der Deutschen demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Erich Koch, und der Vorsitzende des Bezirksverbandes Berlin der Deutschen demokratischen Partei, Oberregierungsrat Otto Merten, waren der Einladung gleichfalls gefolgt, ebenso zahlreiche Mitglieder des Reichs- und Landtages aller Parteien. Für die evangelische Stadtshnode war Pfarrer B i t t l i n g e r anwesend, und neben ihm sah man zahlreiche Vertreter der evangelischen, katholischen und jüdischen Geistlichkeit. Der Ausschuß der Studentenschaft und die einzelnen deutschjüdischen Korporationen hatten zahlreiche Delegierte entsandt, viele Schulen waren durch ihre Leiter vertreten, und zahlreiche Angehörige von Kunst, Wissenschaft und Industrie saßen in den Reihen der Gäste. Die Eroß-Berliner Tagespresse und die größten Zeitungen aus dem Reiche hatten Berichterstatter entsandt, so daß das offene Bekenntnis' zur Mitarbeit an Deutschlands innerem . Frieden weit über den Saal hinaus im ganze» Reiche Widerhall finden wird. Feierliche Ruhe trat ein, als der erste Vorsitzende des C. V'.. I u st i z r a t D r. Julius Brodnitz, die Zuhörer begrüßte, den Behörden für die Entsendung der Vertreter dankte, und dann in ernster Rede den Geist der C. V.- Arbeit beleuchtete und seine neuen Ziele auszeigte. „Ich heiße Sie", so führte Justizrnt Dr. Brodniü aus, „die ‘ Delegierten des Centralvereins ans allen Teilen des Reiches, am Vorabend unserer Arbeit herzlichst willkommen. Ganz besonders - danke ich den zahlreichen Vertretern hoher Behörden. Korporationen -- und Vereinigungen sür ihr Erscheinen. Wir, die Vertreter des : .Centralvereins, finden uns morgen zu einer Tagung zusammen. »■ In inehr als dreißigjähriger Tätigkeit haben wir die Aufgabe zu : erfüllen gehabt, Unrecht abzuwehrcn. Aber wir haben diese Arbeit stets in der Einstellung geleistet, daß »vir nicht egoistisch für ' unser persönliches Wohl k ä in p f e n, daß unsere Arb e i t n i ch t a l le i ns ü r d i e I »i d e n i st, s o nd e r n d e m W o h l e - u n s e r e s g e s a in t e n V a t e r l a n d e s d i e n t. daß c s s i ch . au ch in u nf er em K amPfe „u m die h vch ste n Gü te r d er -.Nation" handelt. Wir glauben, ein Recht darauf zu haben, in vi diesem Kampfe nicht konfessionell getrennt zu m aschieren. sondern Iauf die Unterstützung aller derer rechnen zu dürfen, denen der deutsche StaatSgedanke eine lebendi ge Kraft dar stellt. Wir sind in unserer Arbeit niemals beim Abwehrgcdaukeii stehen geblieben, denn mir notgedrungen sind wir in eine Abwehrstellung geraten. Unser positives Prog rn in in i st d i c © r f c n'n t iii § d eS dent fche n I »den in seiner wertvolle» E i g e na r t, mir erklärlich tmrcl) seine mehr als tausend Jahre alle Verknüpfung mit dem Deutschtum und der liebevollen Beschäftigung mit »userem ehrwürdigen Schrifttum und unserer alten Geschichte. Wir stellen die Bereinigung aller derer dar, die deutlich in sich ihr Deutschtum und ihr Judentum suhlen, die eines nicht vom anderen loslösen können. Wir bekennen uns z u unsere m Dcutscht n in und Judentum als z u den Elementen unseres Lebens, und wir bedauern, daß das. was die deutschen Juden wirklich sind, in den nichtjüdischen Kreisen zu wenig bekannt ist. Aus dieser Einstellung heraus empfanden wir den Wunsch, unsere Tagung in der heutigen Kundgebung nicht mit Fragen der Abwehr und des Kampfes zu beginnen, und diese Kmidgebinig, 'sowie auch sonst unsere Arbeit, im hellsten Lichte der Oesscntlichkeit zu veranstalten. Wir treten vor unsere Mitbürger, welchem Glauben sie auch angehören mögen, mit der Frage» „I st diese Vergiftung, die augenblicklich in Deutschland herrscht, notwendig? Gibt cs in unserer Zeit bitterster nationaler und wirtschaftlicher Not leinen Wog zur Entgiftung des Politischen Lebens, gibt es keine Möglichkeit des inneren Friedens?" Im vollen Gefühl der Verantwortung bejahen wir diese Frage, wir bejahen sie als Männer des politischen Lebens in Kenntnis der Schwere dieser Aufgabe, Möge der heutige Abend dem gegenseitigen Verstehen gewidmet sein und möge aus ihm gemeinsame Arbeit erblühen im Dienste imfcres Vaterlandes, mit dem wir deutschen Juden im Glück und noch mehr im Unglück unlösbar verbunden Brausender Beifall dankte dein verehrten Vorsitzenden für sein Bekenntnis, das allen Delegierten aus dem Herzen gesprochen war. MrsSemSnkaltr Wege zum inneren Frieden. sKeden von Or. Ludwig Haas, Dr. Ludwig Holländer, I)r. med. Friedrich Lrodnih. Aus dem Frankenlande. Seite 20. Die Friedhofsschändung in Erfurt. Seite 21. Dürfen die Juden nach dem Talmud die Christen betrügen. Von Äezlrkörabbiner Dr. Deermann (Heilbrorin). Seite 24.