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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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kommenden Staatsämtern den ihnen unterstehenden Apparat für die Francfälschungen zur Verfügung zu stellen hätten, und seinem Befehl wurde restlos Folge gegeben. Der Doppelkreuzbund ist aber nichts anderes als eine Zusammenfassung der ehemaligen Weißgarden, die, seit in Ungarn die äußerliche Konsolidierung ihren Anfang genommen hat, in Form von Geheimorganisationen ihr Treiben fortsetzen. Es gM deren mehrere. Ueber allen steht als Generalstab und sozusagen als Bundesregierung der Blutbund Doppelkreuz. Dieser Gesellschaft unterstehen auch die öffentlich tätigen „gesellschaftlichen" Verbände, deren es siebenundvierzig gibt. Diese Verbände gehören wohl nicht korporativ dem Blutbund an, doch da'ihre Führer durchwegs Doppelkreuzler sind, unterstehen sie mittelbar doch dem Nädosyschen Generalstab. Aus ihren Reihen rekrutierte sich' das Francvertriebsdetachement. Sie sind das vollziehende Organ des Doppelkreuzes. Zusammenfassend wird die ganze Gesellschaft mit dem Rainen „Rastenschützler" bezeichnet. Sie hat sich nämlich zu ihrer Hauptaufgabe den Schutz der „ungarischen Rasse" gegenüber der jüdischen gemacht. Ihr sonstiges Programm ist Jrredentismus und letzten Endes natürlich ein neuer Weltbrand. Es wird nicht uninteressant sein, hier wieder einmal die Namen der Akteure in Erinnerung zu bringen, soweit sie eiüe wesentliche Rolle gespielt haben: Windischgrätz, Jankovics, Mankovics, Marsovszkh, Zadravec, Haits, Gero, Kurz und Trstyansky, wie Nädosy früher geheißen hat. Unter neun Namen nur zwei ungarische! Und von diesen zweien klingt Gero sehr nach Gutmann oder Gruber oder sonst einem nichtmagyarischen Namen, denn er gehört zu denen, die zur Zeit der Namensänderungen besonders in Mode waren. Und Desider Räba, der Sekretär Windischgrätz': der ist getaufter Jude und hieß früher sicher Rotberger oder so ähnlich. Lauter Janitscharen . . . Mit Hilfe ihrer hohen Verbindungen genossen die Rassenschützler lange Zeit die ausgiebigste materielle Unterstützung von seiten der offiziellen Staatsgewalt. Die reichdotierten Dispositionsfonds standen sozusagen ganz zu ihrer Verfügung. Doch dann kam Jeremia Smith, der Generalko m missar des Völkerbundes, der für Rassenschutz gar kein Verständnis zeigt und die Geldquellen der Patrioten rücksichtslos verstopfte. Ihm gegenüber war selbst der Doppelkreuzbund ohnmächtig. Mau mußte also Umwege nehmen und sich mit indirekten staatlichen Unterstützungen zufrieden geben. Diese stoffen gerade in der letzten Zeit — ungefähr parallel mit den Francfälschungen — in sehr reichem Maße, so daß die Informationen, die von einer unmittelbar geplanten großen Aktion der R a s s e n s ch ü tz l e r sprechen, nicht von der Hand zu weisen sind. Mitte Dezember wurde bekannt, daß der Innenminister Ivan v. R a k o v s k y die Herstellung des Amtsblattes der Druckerei der Rassenschühler anvertraut hatte, womit er dem in tiefster Agonie liegenden Organ Gömbös' neue Lebenskräfte einhauchte; achtundfünfzig Jahre lang war das Blatt in der Athenäumdruckerei hergestellt worden, die Eigentum des liberalen „Est"- Konzerns ist. Gleichzeitig drangen die ersten Nachrichten von einer T o m b o l a k o n z e s s i o n in die Oefsentlichkeit, die zwei Exponenten deS Verbandes der „gesellschaftlichen" Vereinigungen erhalten hatten. Während alle anderen Verlosungen von privater Seite aufs engste begrenzt wurden, bekamen die Raffenschützler ein großzügiges, auf fünfzig Jahre anberanmtes Lotteriegeschäft in die Hand. Sie verkauften die Konzession alsbald (an einen jüdischen Unternehmer), was wieder als Beweis für ihr dringliches Gcldbedürfnis kommentiert wird. Bezeichnend ist, daß auch die Tombolaaktion von der Postsparkasse finanziert wurde, die statutenmäßig überhaupt keine Privatkredite geben darf. An der Spitze dieses staatlichen Unternehmens steht eben auch einer von den Blutsbrüdern, der Präsident des Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen, Gabriel B a r o ß. Für ihn war der Auftrag des Blutbundkvmmandvs eben bindender als das Statut der Postsparkasse. Erinnern wir uns nun auch noch an den Oktoberkongreß der ungarischen, rumänischen, österreichischen und bayerischen Antisemiten, über den an dieser Stelle berichtet wurde, und halten wir uns daneben die "von'^ Sauer wein im „Matin" veröffentlichten Tagebuchaüf- Zeichnungen Jankovics' vor Augen, wonach an den Be- ' ratungen über die Francfälschungen der Hossekretär des Erzherzogs Friedrich (des Vaters Albrechts) teilnahm, so finden wir leicht die Antwort aus die Frage nach den Zielen und ausländischen Verbindungen der Fälscher. Diese Antwort, die sich aus dem Neben- und Nacheimuider der Vorgänge und aus den allbekannten Zielen der Akteure logisch von selbst ergibt, sei hier aus Grund positiver Informationen des näheren entwickelt: Die Internationale der Antisemiten betrachtet seit Fahren Ungarn, wo ihre Organisationen am besten ansgebant find, als vre Avantgarde ihrer Bestrebungen. Ihm ist eine ähnliche Rolle in der weißen Welt zugevacht, wie sie Rußland in der roten Welt spielt. Roch im Jahre 1026 sollte in Ungarn offen die weiße Diktatur ansgernfen werden, und zwar unter dem Szepter des jungen Albrccht, der — wieder ein verdächtiges zeitliches Zusammentreffen — Ende des vergangenen Jahres zum Gouverneurpräsidenten aller Rechtsverbände ansgernfen wurde. Für Albrechts Kandidatur machte in Rumänien Professor Cuza unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Budapester Antisemitenkongres; lebhaft Propaganda. Vom antisemitisch-weißen Ungarn sollten Dann zunächst Rumänien, das am meisten für derlei inkliniert, Bayern «nd Oesterreich angestcckt werden. Daß man von Ungarn und nicht vom fafcistifchen Italien die Initiative zur Erhebung der Nationalisten aller Länder erwartete, hat seinen Grund in der ablehnenden Haltung des Fascisinus der antisemitischen Internationale und überhaupt dem Antisemitismus gegenüber und in den wiederholten Erklärungen führender Fascisten, daß Der Fascismns eine spezifisch italienische Sache sei, die sich nicht internationalisieren laste. Inwieweit an den Francfälschungen deutsche Hakenkreuz l e r unmittelbar beteiligt sind, ist noch nicht klar, denn Prinz Windischgrätz und Polizeichef Nädosy, die allein darüber Bescheid wissen, schweigen. Sicher ist jedenfalls, daß Nädosy die engsten Verbindungen mit nationalsozialistischen Kreisen unterhielt. Er hat im Interesse der deutschen Hakenkreuzler schon einmal die internationale Reputation Ungarns auss Spiel gesetzt, als er feine schützende Hand über die Erzberger-Mörder Schulz und Tylesten hielt, die sich monatelang unbehelligt in der unmittelbaren Nähe von Budapest, in der Tötvnher Villa Julius Gömbös' aufhalten durften. Es sei hier kurz an die damaligen Vorgänge erinnert: Ein Journalist entdeckte die Mörder und erstattete, ehe er ein Wort darüber veröffentlichte, die Anzeige. Die Polizei rührte aber nicht an die Gäste, indem die verschiedenen Pvlizeidircktioncn die Kompetenz zum Vorgehen gegen sie einander zuschobcn. Schließlich sah man sich aber unter dem Truck der heimischen und der ausländischen öffentlichen Meinung doch gezwungen, Detektive nach Tvtöny zu schicken. Inzwischen hatte Tylessen das Weite gesucht. Schulz wurde verhaftet, es vergingen aber volle sechs Wochen, bis es gelang, seine Identität mit dem Erzberger-Mörder nachzuweisen — und dann wurde seine Auslieferung verweigert. Auch hier hatte Nädosy die Hand im Spiel. Es ist nicht anzunehmen, daß sich seine Beziehungen zu den deutschen Gesinnungsgenossen seither wesentlich gelockert hätten. Die Annahme, es handle sich bei den Francsälschungen eigentlich nur um ein durch Ungarn vollzogenes deutsches Attentat, wäre aber ganz und gar falsch. So weit gehen nicht einmal die hier weilenden französischen Beauftragten, so sehr sie sich sonst für die deutschen Zusammenhänge der Affäre interessieren. Die irrcdcntistische Aktion, die die Falscher vorgehabt zu haben behaupten, sollte sich übrigens ausschließlich ans ungarische Interessen beschränken, und wäre auch nur Nebenziel gewesen, denn das Hauptziel war die rein innenpolitische Durchsetzung der nationalistischen Diktatur in den Ländern des geplanten antisemitischen Blocks, vor allem und unmittelbar in Ungarn.

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