Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1848)
- Date
- 1848-06-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1$4 sie? Wer? der Zunftgeist, der Krämergeist, d-r an seinen Znte. reffen, an seinen kleinlichen Interessen sich gefährdet glaubt. Und auch er will's nicht Wort habe». Verstände er seine Interessen besser, er thäte eS nicht. Eben, daß die Juden von aller Werkthätigkeit, Betriebsamkeit ausgeschlossen, nirgends zugelassen werden. wo Kopf und Herz und Hand sich in Thatkraft bewähren können! daß sie aus den unglückseligsten Erwerb, auf den Handel, an- und zurückgewiesen wurden, den sie gewiß nicht aus eigener Wahl ergriffen; denn „eS soll Keiner ein Krämer sein im Hause Gottes," steht in der Schrift geschrieben; eben die Rechtlosigkeit, der Nothstand, der sch süchtig und erfinderisch macht; die Rechts. Verweigerung und Verkürzung, gegen die er immer und überall anzukämpfcn hatte; die BeamicnwMür und Korruption, mit der er sich abzufindcn hatte, — macht ihn zn dem was er ist, wenn er nicht ist, waS er sein soll. Wo ihm ein Wirkungskreis eröffnet wurde, hat er ihn mit Lust und Liebe ergriffen, und den ehrenvollen Besitz und Ertrag seiner Arbeit immer dem unsicheren und schmählichen Erwerbe vorgezogen. An der vaterländischen Zndustrie, wo ihm der Zugang eröffnet ward, hat er sich auf's verdienstlichste betheiliget. Am Kriegsdienste aufs ehrenhafteste sich betheiliget. Zn der freien Kunst und Wissenschaft aufs ehrenhafteste sich bewährt. Fraget auch in den Staaten und Ländern, wo ihm die Schranken sind ausgethan worden, ob er nicht überall seine Männer stellt, die in jeglichem Gewerbe, in jeglicher Handthirung, kn jeglichem Amt und Berufe eben so tüchtig sich gezeigt, als im Handel und Verkehr? Mißtrauen und Verdächtigung schafft nirgends Heil. Der Mensch muß zum Menschen herangedcdrt. erzogen werden. Wie Ihr den Inden als Menschen und Bürger erzogen und gestellt, ist es ein Wunder göttlicher All« macht und Fürsicht, ein Beweis der läuternden Kraft seines Glaubens, daß er noch Herz und Seele hat für was Besseres, und bei aller Ehrenschändung und Zurücksetzung ein Rechts- und Ehrgefühl und Selbstgefühl sich hat erhalten und bewahren können. (Schluß folgt.) Der kirchliche Verein für alle Religionsbekenntnisse. (Schluß.) Ist die Kirche theilweise die Pflegerin der Unvernunft und der Gewaltherrschaft gewesen — wohlan, so sei sie eS gewesen, aber sie sei eS fortan nicht mchr! Die Kirche ist eia goldener Becher. Za diesen Becher hat mm nebst edlem Wein Gift und Galle gethan. Zhr wollt nicht Gift und Galle — wollt ihr nun Gift und Galle sammt rem Becher wezwerfen? O, nein, gießet doch taS alle bitterböse Getränk auS, behaltet aber den Becher und Met ras edle Gefäß mit lauterem edlen Weine! Eia goldner Decher bleibt golden, ob ihr ihn auch mit schlammigem Waster füllt -an beschmutzt. Und was thut man mit einem verunreinigten Gefäße? Wirft man es sammt dem Schmutze in die Grube? O. urin! Man reinigt das Gefäß und hält cs fort und fort wertmw theuer. So wollen wir cs auch mit der Kirche halten und uns nicht scheuen, unfern Verein einen „kirchlichen" zu nennen. Er sei ein Verein. Durch Vereine werden gemeinnützige Sachen zum Gemeingut des Volkes gemacht. Durch Vereine erhält das Volk jedmännizlich Gelegenheit u»v Recht, sich selbstthätg an einem gemeinsamen Werke zu bethcilizen. Der «kwchliche Verein" macht die Sache rer Religion zum gemeinsamen Werke des Volkes in allen Religionsbekenntnissen. Nicht irgend welche geistliche oder ffaatliche Bevormundung kann in einem freien Vereine stattsinven. Der freie „kirchliche Verein" wählt auS seiner Mittte die Männer seines Vertrauens zur Leitung seiner Angelegenheiten, und die Glieder des Vereins haben ohne irgend einen Unterschied reS Standes und Bekenntnisses das Recht, Vorträge zu halten und an allen Verhandlungen sich zu betheiligen. Zm „kirchlichen Verein" ist also kein confefsienrller Haß und Hader, sondern Liede und Friede der Confessionen; die verschiedenen Bekenntnisse bringen alle ihre reichen Gaben uns ihre hnndcrtjährigen Erfahrungen dar zur Förderung des Gesammtwehkes. Zm „kirchlichen Verein" will man das Unrecht vergangener Zeiten nicht fortsühren und erneuern, im Gegcutheil beendigen uns de. schließen; man will nicht das Unbeil, man will das Heil, welches die Kirche, als die Pflegerin der Religiosität und Sittlichkeit, in der That schaffen und fördern kann. Zm „kirchlichen Vereinist keine priesterliche Zwingherrschaft; nein, da ist freie, ungehinderte Regsamkeit aller Kräfte, damit aller Wohl erblühe. Zm „kirchlichen Verein für alle Religionsbekenntnisse" herrscht der religiös-sittliche Geist, dieser Geist aber ist der Geist der Freiheit und Geuremschaft." 3- Perfonalnachricht, Der Vertreter der Wiener israelitischen Gemeinde, Zofeph Wertheimer, ist von Paris, wo er sich einen neuen Heers gründen wollte, zurückgekehrt, um nun für sein neu erstandenes Vaterland auf's Neue zu wirken. Verlag der Z. C. Hermaua'schea Buchhaudluug ill Frauksurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offeudach.