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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-21 · Heft 21 (21.5.1848) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (21.5.1848)
Date
1848-05-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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168 Gedanke! so tönt es jubelnd durch Oesterreichs schone Länder!" Aber in den Gemarkcn des Oesterreichischen Ccntralorgans für Glaubensfreiheit rc. dcr Juden darf das freie Wort ..Reform" nicht genannt werden, der freie Gedanke einer künftigen Umbildung, einer nachhaltigen Regeneration deck religiösen Lebens nilbt zum Ausdruck kommen. ,,Bei der strengsten Unparteilich, keil" versichert die Redaction, will sie „niit dem alles zerfetzen, den philosophischen Radikalismus, mit Streitigkeiten über religiöse Fermen u. dgl. nichts zu thun haben". Wir glauben, daß eine strenge Unparteilichkeit dieRed. hätte bewahren müssen, die Sache dcr religiösen Reform mit solchen gehässigen Namen zu perhorrescircn, und daß ein besonnenes Wirken fürdie Reform deS. religiösen Lebens tcN Oesterreichischen Juden dringend noth thut. Noch.ein Wort über die Ausgleichung des Couflikts des' Lebens mit der Lehre durch die Nabbinerverfammlung. l3» einem Brief.) Du fragst, mcill lieber Freund, ob in diesem Jahre eine Rabbinerversammlung, zu Stande komme, ob diese wichtige Frucht der Zeit, angebellt von den Finsterlingen, geschlagen von seinen anfänglichen Freunden und zerfleischt von feinen eignen Gliedern, verdorren oder durch die innere Kraft ihres Daseins, reifen, leben und beleben wird. Du meinst aber auch mit vielen, die es mit der Sache des Fortschritts ehrlich meinen: vir Rabbinerversammlung sollte sich nur mit Regelung des Gottesdienstes, nicht mit den Maaßnahmcn zur Ausgleichung des Conflikts dcr Lehre mit dem Leben sich befassen, diesen gleiche dag Leben allmälig selbst aus. Mit diesem nun hast du Den Di'ffcreiizpunkt unserer sonst ähnlichen Ansichten ausgesprochen. Here nun die Gründe meiner Abweichung. Das Vorhandensein des Conflikts bedarf keines Beweises und wer daran zweifeln wollte, den werden seine zwei gesunden Augen davon überzeugen. Wer auch in Verhältnissen lebt, für den er nicht vorhanden, und cs sind deren wenige — für seine Kinder must er sich ihm alsbald offenbaren. Er lasse sie studircn — sie sollen am Sabbath schreiben rc. — er widme sie dem Kausmannsfach — sie sollen am Sabbath arbeiten; er lasse sie ein Handwerk erlernen — Speiscgcfetze, Sabbath rc. haben für sic ihre Heiligkeit verloren, wenn sie in der Fremde fortkommcn und sich eine Ausbildung in ihrem Berufe erwerben sollen. DaS geht nun freilich nur allmälig, aber der Fall tritt ein. — Verlag vcr Auf diese Weise gleicht allerdings das L.ben auS, aber der Knoten wird nicht gelöst, nur zerhauen und zwar zum Rachihei! ces moralischen Charakters der Judcnheit, zur Verkehrung! der Erziehung unv des Schulunterrichts, die Lehrer der Religion in die verkehrteste widersinnigste Stellung verletzend, uns die Religion selbst in den Augen dcr christlichen Welt, besonders deS Staates, herabwürdigend. Werden keine öffentliche Schritte zur Ausgleichung gethan, macht die Rabbinervcrsammlung oder eine andere dcrglcichea Versammlung die Aussprüche eines Wechsler, eines Einhorn, .Holdheim u. A. nicht zu den ihrigen, so must eine große Anzahl Israeliten, und zwar gerade der intelligentere Thcrl, diejenigen, welche sich am ersten von ihrem Thun Rechenschaft zu geben vermögen, bei welchen die innere Uebcrzeugnng, die durch Nachdenken unk Studium entstandene Uebcrzcugunz am meisten mit vielcm Hergebrachten nicht mehr harmonirt — die Rabbiner und Lehrer die strikten Thätcr aller hergebrachten Gebräuche bleiben. Thun sie dies nicht, sieht man sie mit scheelen Augen an, sie verlieren das Zutrauen der Menge, und über ein Kleines eröffnet sich ihnen die Perspektive einer Anklage, und den christlichen Behörden bleibt nichts übrig, als einen Rabbiner zu hören, die wieder nach dem noch Geltenden, nach vergilbten Schriften begutachten, und so die Angeklagten gegen ihre eigene Ucbcrzcugunz für schuldig erklären müssen. — Tu meinst, solche Anklagen werden von denen nicht erheben werden, die sich selbst über das Hergebrachte wegsetzen! Mit Nichten! Der Rabbiner, der Lehrer soll „frumm" fein, dafür w.rren sie bezahlt. „Dcr Kutscher muß nüchtern sein." sagt man einem Witzling nach und glaubt, was recht Geschcidies gesagt zu haben. In eine gleich mißliche Lage gcrathen diese Männer bei dcr Erziehung ihrer eigenen K.ndcr! Sie dürfen dabei dcr Welt kein Aergcrniß geben. Du mußt Deinem Knaben sagen, ein Gcäschcn am Sabbath abreißen sei eine Todsünde :e. und morgen siebst Du durch die Finger, wenn rr's lhut. Wahrlich! mir ist dies Verfahren ein peinliches und ich stoße auf einer Seite an, entweder bei meinen Kindern oder bei dcr Welt. Noch schlimmer ergeht cs mit dem öffentlichca RcligioaSuntcrricht. Der Lehrer dcr Religion muß daS lehren, waS er überkommen, er wird nicht feine eigene Weisheit, cr wird aber auch nicht daS lehren wollen, was seiner gesunden Vernunft widerspricht und was er selbst öffentlich und heimlich nicht beachtet. (Schluß folgt.) I. C. Her m an »'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck vo-» Fried. Krähe in OFcndach.

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