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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-14 · Heft 20 (14.5.1848) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (14.5.1848)
Date
1848-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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160 Auf den Wahllisten, welche von verschiedenen Comiteen ver. öffentlicht worden sind, stehen auch die Namen mehrerer Israeliten, von welchen wir den des Rabbiners zu Fürth. Dr. Löwi. hier besonders hcrvorhcden wollen. Ob aber unser Volk bereits so weit in der Toleranz und politischen Bildung fortgeschritten lei, daß ein ganzer Wahlkörper oder die Majorität desselben seine Stimmen auf einen Israeliten vereinige, möchten wir sehr bezweifeln. Freuen sollte eS unö wenn dieser Zweifel ein ungegründetcr wäre; die nächstenTage werden die Entscheidung bringen. Die Judenverfolgungen dabcn sich. Dank dem kräftigen Ein. schreiten unserer Negierung, nicht wiederholt. Die Verbrecher sind festgenommcn und sehen ihrer gerechten Bestrafung entgegen. Doch hat sich in jenen Gegenden , wo die Verfolgungen stattgefunden, selbst in den Gemeinden, die nicht darunter zu leiden hatten, eine sehr große Muthlosigkeit der Israeliten bemächtigt, wozu freilich die allgcmeineSrockung des Handels und Verkehrs auch das Ihrige beitragen mag. Es zeigt sich hierin recht deutlich der verderbliche Einfluß unserer schlechten dcmoralisircnden Gesetze. Wie von rer einen Seite das rohe Volk in seinem Freiheitstaumcl gegen die Inden, als eine vom Staate selbst znrnckgesetzte und halb rechtlosgemachte Klaffe, sich alles erlauben zu dürfen glaubte, so hat von der andern Seite jene schlechte Gesetzgebung in den Unter, drückten und Zurückgesctzten das Gefühl ihrer Menschen, und Bürgerwürrc fast crtödtct, so daß sie keinen Halt und keine Zuversicht in sich selbst finden, sondern völlig mnthlos durch jedes lose Gerücht sich in Schrecken und Angst versetzen lassen. Es triffr hier in Wahrheit der Fluch ein, welcher 3. Buch Mos. 26. 36. verzeichnet steht, und »och lange wird cs währen, bis diese Schmach rer alten barbarischen Gesetzgebung rurch die neue humane, welche wir mrt Zuversicht erwarten, getilgt sein wird. Einer JhrcrEorrespondcnten aus Daicrn theilt in Nr. 12. des „Israeliten" als zuverlässige Nachricht mit, daß mehrere der or> thodoren Richtung angehörcnde Rabbiner, Wechsler in Schwabach und Bamberger in Würzburg an der Spitze, damit umgehen, in der jüdischen Angelegenheit Schritte zu rhun — gegen die Emanzipation, deren Hintertreibung sie für eine 7UL2 halten, weil die Juden, welche etwa zum Staatsdienste gelangen, dann den Sabbath nicht mehr halten. Ich glaube nicht, daß jene Zions- Wächter dieses ihr Vorhaben wirklich zurAuöführung gebracht haben oder noch bringen werden. Dennj so wenig sie auch sonst mit ihrem rückwärtsgekehrtcn Gesichte die Zeichen der sortschrcitcnden Zeit beachten oder verstehen, so halte ich sie doch nicht für so kurzsichtig oder Verblender, daß sie nicht einsehen sollten, wie jenes Beginnen nun ein völlig eitles und vergebliches sein würde. Auch Verlag der ist der Rur der Gemeinden nach Erlösung vom bürgerlichen Drucke und politischer Zurücksetzung zu laut und allgemein, als daß sie eS wagen sollten, demselben offen entgegen zu treten. Dagegrn sind jene Herrn gesonnen, idre dem Fortschritt feindselige W»k. samkeit auf ein anderes Feld überzutragen. Denn vaS Intrizuiren können sie einmal ebenso wenig unterlassen, als die Jesuiten, ihre Vorbilder und Bundesgenossen. Genannter Rabbiner Bamberger mit seinem finsteren Anhänge hat einen lk'reckich nicht öffentlichen) Aufruf an die bairischen Israeliten ergehen lassen des Inhalts; man solle den neuen König bitten, die projektirte oberste Kirchen. Behörde nicht in'S Leben treten zu lassen, weil, was vorauszw eben wäre, diese Behörde aus luntcr Reologcn gebildet werden würde. Diesem Unterfangen nun müssen die bessergessnnten unter ven bairischen Radbinen mit allem Ernste und Nachdrucke entgegen»!eten. Die oberste Kirchen.Behörde ist durchaus nöthig, wenn unsere kirchlichen Verhältnisse, die gar sehr im Argen liegen. zum Besseren umgestaltck werden sollen. Und zwar muß riese Umgestaltung recht bald eintretcn, wenn nicht der Krebsschaden des Inarffcrcmismus alles religiöse Leben in unserer Milte aufzedren und vernichten soll. Diese Umbildung und Verbesserung von Innen heraus kann zwar die oberste Kirchen-Bchörre nicht selbst und allein zu Stande bringen, aber sie kann doch gleich dem verständigen Arzte die noch gesunden und frischen Kräne des kranken Körpers zu erhöheier Thätigkeit erwecken und auf diese Wcne dem Weitergreifen des Hebels Vorbeugen, welches sonst den völligen Tod hcrbeiführen müßte. Auch ist es dringend nöthig. daß unsere Kirche nach Außen eine Achtung gebietenrere Stellung, als bisher, einnchme. was eben nur durch die oberste Behörde, welche sie dem Staate und den anrcrnConfessionen gegenüber gehörig vertrete, bewirkt werden kann. Es ist daher Pflicht aller Wohlgesinnten, mit vereinter Kralt dahin zu wirken, daß die oberste Kirchen-Dehörde für Jfrachtcn baldigst in's Leben gerufen werde uns zwar rncht etwa auf Kosten der Gemeinden, denn diesen dürfen keine neue Lasten aufgebürdet werden, sondern auf Kosten reS Staates. Regierung und Stände werden wohl billig genug sein, um cinzusehen. daß auch die 60.000 Israeliten, welche alle Lasten ras Staates mittragen, gleich den christlichrn Confessionen, eine vcrhältnißinäßigc Unterstützung ihres CultuS auS Staatsmitteln mit Recht beansprücheu dürfen. Säumen wir also nicht, vor dein Zusammentritte der nächsten >?tändeversammlnng, welcher nach der noch in Kraft bestehenden Vcrfassungsvorschrift das Budget auf 6 Jahre vorgelegt wird, die geeigneten Schritte zu thun, um zu bewirken, daß auch für drn israclitsschrn Cuktrrs eine Position in das Budget! eingesetzt werdr. M. I. E. He rmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck vv" Fried. Krähe in Offendach.

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