Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1848)
- Date
- 1848-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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151 gnr die verbältnlßwäßrg kleine Pfalz wag ia dicsrr Beziehung gut gesorgt sein. Hr. Rab. Sclrgmann in Kaiserslautern ist ein junger Vana, von dessen Kenntnissen und Lrhrgabc uns auS rer Ferne wenig bekannt ist. rer aber schon durch Anklage der Zeloten in seiner Gemeinde dir Bürgschaft einer zeitgemäßen Bil. ruag uns giebt. Er wirv in seinem Religionsunterricht an die ronigen Seminaristen der Zeit mir ihren Anforderungen Rechnung Hr. Rabbiner Rosenfelder in Bamberg, rer Nestor unserer wissenschaftlich gedilvcten Rabbiner, auch auf jüdisch literarischem Gebiete zu einer Zeit schon thätig, ia rer ein deutsches Buch zu schreiben und zu lesen einer Gotresläugnung gleü-geachlet ward, unr der wirklich wegen einer formlosen Broschüre seiner Zeit von rem FLithcr Bchmgericht in den Bann gethan ward, in dem er ssch ohne alle unv jcre Gefährde noch befindet, ist jetzt ein alter Mann. Wir wollen gern annehmen, er besitze Lchrgabc genug, er stände auch jetzt noch auf dem Höhepunkt der Zeit, wiewohl solches von mancher Seite verneint wird, aber das. was durch die von uns beantragte Einrichtung zu erzielen sein dürfte, vermag er gewiß nicht zu leisten. Jedermann weiß, daß der Rabbiner Hr. Seligmanu Bär Bamberger noch vor wenigen Jahren wohlbestallter Kleinhändler in dem Dörfchen Wiescnbrun war, nie eine Prüfung bestanden hat und sich vorher nicht im Traume cinfallcn ließ, Rabbiner und noch weniger Rabbiner einer Kreishauptstadt zu werden. Gleichfalls weiß man, wie er dazu gekommen ist, wie ihn ras gefallene und gerichtete System dazu gemacht hak. Dieser Mann nun prüft die Seminaristen bei der Aufnahme und der Entlassung in der Religion u.-d ertheilt ihnen Unterricht während des Aufenthalts im Seminar. Man darf sich daher gar nicht wundernwenn man hört, daß er einmal vor Allem KD2 N'2 5J’“i zumPrü» sungsgegrnstand machte, einen Seminaristen hart anfuhr. weil er den Vornamen Heinrich zu führen sich erfrechte und dergl. mehr. Indessen will derselbe nichts anderes sein, als rin Rabbi nach al. 1cm Schnitt und eben durch fein extremes Wesen macht er sich bei den jungen Leuten nur lächerlich; sein Einguß ist gleich Null. Eine wahrhafte zeitgemäße religiöse Bildung erhalten aber die angehenden Lehrer Untcrfrankcns, des jüdisch bevölkertsten Kreises, durch ihn gewißlich nicht. Gefährlicher dünkt uns aber der Einfluß des Rabbiners Hr. Wechler in Schwabach, der mit einem amtlichen Ansehen sich brüstend, die Gewalt eines bairischen Rabbiners kenneus, darauf ausgehet, dem Zeitgemäßen aus allen Kräften entgegen zu wirken. Zwar ignorin ihn die Seminar-Jnspektion, aber desto mehr ver. mag er in seinem Hause Einfluß auf die unrrsahrnen Jünglinge I geltend ja machen. Das Grammatikalische der hrbrärschea Sprache ist ihm aus leicht erklärlichen Gründen ein Dorn im Auge, ras Schimpfen und Schelten auf die jüdischen Koryphäen sein Lieblingsthcma und das Durchlciern einer '2TJ ntSH£ und eines Abschnitts km m)3D das Einzige, waS er mit den Seminaristen vornimmt, ein Paar §§. im inVlP nicht zu vergessen. Was wird auf diese Weise aus unserem Lehrerstand werden? Darum einen Vorschlag, dessen Verwirklichung jetzt angestrebt, leichter erreicht werden kann. Statt dreier Scminarien dieseits des Rheines (in dem entfernten RheinkreiS mag cs bei der beregten Anordnung fein Verbleiben haben) bestimme man Seitens der höchsten Stelle, nur ein Seminar, das die jüdischen Jünglinge zu besuchen haben und an diesem Seminar stelle man einen eigenen jüdischen Lehrer von tüchtiger Bildung an, der in Religion und Bibelerklärung, Lesen der Commcntare, auch im Talmud im Scminargcbäude selbst und unter Comrolle der Seminar-Inspektion gründlichen und zeitgemäßen Unterricht zu ertheilcn hat. Auf die Wahl dieses Mannes kommt dann freilich viel an. Emancipation. Turin. — Das Edikt der Judcn-Emancipation im Königreiche Sardinien ward am 2b. März vom Könige vor seiner Abreise zur Armee unterzeichnet und sollte am 27. verkündigt werden. Die Juden in Turin zeigten besondern Enthusiasmus für die Rationalsache. Viele Privaten lieferten Pferde, Wagen, Geldbeiträge u. s. w. für die Armee. (N. Z.) Emancipation. Venedig, 29. März. — Ein Dekret der provisorischen Negierung verordnet völlige' Religionsfreiheit und vollkommene Gleichheit in Bezug der bürgerlichen und polilischenNechte. i V.Z.) Literarisches. Mit den Vorboten des Frühlings beginnen auch wieder ia de» israelitischen Gemeinden Deutschlands die Vorbereitungen ganzer Familien und vieler lediger Personen auf die Auswanderung nach Nord-Amerika, dem — Vielen schon so thcuer gewordenen — Lande der Freiheit. Namentlich in Baiern sollen in diesem Jahre mehr als je auswandcrn, was sowohl von der noch immer gedrückten Lage der israelitischen Bewohner dieses Landes, als auch davon herrühren mag, daß nur wenig Familien eristiren, die nicht einen Sohn, eine Tochter, einen Bruder oder eine Schwester oder irgend einen theuern Verwandten schon