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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-04-16 · Heft 16 (16.4.1848) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 16 (16.4.1848)
Date
1848-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L28 Wie sich der orthodoxe RabbinismuS zur Wiederherstellnng des Epferdienftcs in Jerusalem vor Ankunft des Messias verhalte. Der sehr unterrichtete Verfasser der ungarischen Briefe in der Allg. Zeit. d. I. aus Prcßdurg. um den wir die Redaktion zu beneiden kein Hehl haben, hat in seinem jüngsten VH. Briefe in Nr. 2 rer gedachten Zeitung einige über das in der Ueberschrift brwichnete Thema interessante Bemerkungen mitgethcilt, die wir, um am Schlüsse einige Notizen unsererseits daran zu fügen, unften Lesern nicht vorcntbalteu wollen. Nach einigen geschichtlichen No. tizen über die von Julian rem Apostaten beabsichtigte Tcmpelrcsiauration sagt er: „Interessanter, und für die Kennlniß der heutigen Parteien im Zurenthulne wichtiger ist die Frage: wie sich der orthotore Rabbinismus zur Wiederherstellung des Opfcrdienstcs in Jerusalem vor Ankunft des Messias verhalte. Ich sage vor Ankunft des Messias; denn daß nach Lessen Eintreffen der Preis res Schlachtviehes und der Tauben in Syrien steigen werde» versteht sich von selbst; und wenn den dortigen Viehhändlern die von dem verläßlichen Zakob Emden angeführte Proxbezcihung des Jahres, welcher zufolge in dem gegenwärtigen Jahre, d. i. 560? nach Erschaffung rer Welt der Messias unfehlbar kommen müsse, bekannt wäre, so würden wir ohne Zweifel von bedeutenden Spekulationen in jenem Artikel zu lesen bekommen. Aber ich will von solchen Eventualitäten durchaus nicht reden, sondern mich nur an d:e praktische Frage halten: Was halt die radbini'chc Orthodoxie von dem OpferkulmS in vormcssianischer Zeit? billigt sie das Betragen der jüdischen Zeitgenossen erer billigt sie cS nicht? — Die moderne Orthodorie sazi freilich: nein! ihr Herold Hirsch sagt (§.624): «Als Israel als Volk Getrrs auf GotteS Boden ('.!) lebte, hatte dieser innere Gottesdienst neben seinem Ausdruck in Wort noch den der sinnbildlichen Handlung." Und dieser Ausdruck wird im Laufe des §. noch zweimal wiederholt. Alles im Widerspruche mit dem Talmud, nach welchem das Opfer keine symbolische, sondern wirklich und wahrhaftig versöhnende Bedeutsamkeit hat. Nur nach dieser talmudisch unbestrittenen und von den Pajtanim verherrlichten Throne hat das Seufzen nach Wiederherstellung der Opfer einen Sinn. Der jammerte nach einem Sinnbiloc. daö rem Worte nur als Nebensache zur Seite sianr? — Hr. Hirsch ergeht sich weiter in süßlichen Phrasen und schließt mit den Worten: „Der Tempel ist gesunken, der Altar verschwunden, die Harfen sind verklungen — aber ihr Geist ist JftarlS Erbschaft geworden und durchvringt noch das Wort, das allein zum Ausdruck des inncrn EottrSdicnsteS Gebliebene. — So dozirt der Hr. Landcsrabbiner in naiver Unschuld und ahnt nicht, daß er sich dadurch mit der „Chachomim" in diametralen Widerspruch setze. Aber das ist eben das Bedauerliche der Neu- Orthodorie. daß ihre eifrigsten Vertreter misrrabele Talmudisten find, wovon man sich nicht nur in Nikolsdurg, sondern auch (und ganz vorzüglich) in Wien und Berlin überzeugen kann. In Wahrheit ist der Opferkultus in Jerusalem auch nach Zerstörung des Tempels bis zur hadrianischcn Katastrophe fortgesetzt worden, weil dessen Pstichtmäßigkeit durchaus nicht an den Bestand des Tempels gebunden ist. (S. die Belege bei Chcjcs Derke Haroa 16, 6 ff.) Im Jahre 1357 hat R. Ehcjrm Kohen eine Reise nach Jerusalem gemacht, um ren Dampf der Gemeindeopfer riT-mp) ritualmäßig aufstcigen zu lassen; er scll aber wegen der Echtheit rer Ahroniden Skrupel bekommen haben. Unser verstorbener Rabbiner (Moses Sophcr) und sein Schwiegervatcr Akiba Eiger haben riese Skrupel glücklich beseitigt und letzterer hat Erstem vor mchecrn Jahren aufgefordert, die Erlaubniß zu opfern bei der hohen Pforte zu bewirken. Sophcr schrieb ihm, es wäre unmöglich, dies durchzusetzen. Derke Haroa 22. 6. Daß die Opferung und namentlich die des Pesachopfers auch in unfern Tagen vollkommen legitim sei, steht auf talmudischem Boden unerschütterlich fest. Die Orthodoxie hat also d:e Aufgabe, riese Angelegenheit ernstlich zu betreiben. In Lon. ron und Berlin hat sic ja ihre Fürsprecher. In Wien kann der mährische Landrabbiner wirken, und da bei solcher gemeinsamer Thätigkeit der Errolg kaum zweifelhaft ist. so können wir's ja leicht erleben, daß Rapoport. Adler — wie Schade, daß rer Berliner Fürsprecher nicht einmal ein erdmärcr Kohen ist — und ähnliche Kohcnim pvnt.sieircn, und Andere an rer Seite der 77 ihre Pcrsachlammer tragen werden. Herrliches Schauspiel! So weit der heuere mit talmurischcr Sachkenntnis ausgerüstete ungarl>'che Korrciponcent in der A. Z. r. I., den wir mit einigen thcils berichtigenden tbeikS ergänzenden Notizen begleiten, vor Allem aber ihm bemcrklich machen wellen, daß wir längst vor ihm aui Alles daS aufmerksam gemacht, aber vergebens unsere Mühe an rer apathischen alten und unwissenden jungen Orthodorie verschwendet haben. Der Umstand, daß rerOpfecdienst nur de facto, aber nicht de jure ausgehört habe und raß man noch heute an rer heckizen Altarstätte opfern und namentlich Gemeindeopfer auch im Zustande der ritualen Unreinheit rarbringen dürfe, wenn sich nur Kohenim von zuverlässiger Abstammung — was nicht schwer zu ermitteln ist — vorsinren, haben wir bereits in der Autonomie der Rabbiner rc. S. 164 unter Anführung der betreffenden Belegstellen erörtert. (Schluß folgt.) B.rlag rrr I. C. Hcrmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offcabach.

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