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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-04-09 · Heft 15 (9.4.1848) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 15 (9.4.1848)
Date
1848-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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118 Predigers der Genossenschaft, sich dem Rabtinate beim Zuge anzuschließcn, zu bezeichnen. Wie sehr aber diese friedliche Gesinnung die christliche Geistlichkeit belebt, beweist ihr Verlangen, daß auch die Geistlichen sich nicht nach Confcsssoncn aökondcrn, sondern gcincinschaftlich miteinander gehen sollen. Borden ausgestellten Särgen sprach zuerst der protestantische Geistliche Sydow, dann ein katholischer Priester und zuletzt Dr. Sachs, der aber so heiser war, daß die Nachststehcnden kein Wort verstehen konnten. Der katholische Priester sprach den schönen Gedanken aus, daß aus dem Grabe, welches alle in Liebe zum Vaterlande einig Verbundenen gemeinschaftlich aufnchme, die Liebe kür die Lebenden auferstehen möge, und erhielt einstimmigen Beifall. Am Morgen dieses Tages war in allen Kirchen Trauergottesdicnst. Der im Tempel der Genossenschaft abgchaltenc war zahlreich besucht, und obgleich unvorbereitet, doch sehr feierlich. Die auf den 21. bestimmt gewesene General-Versammlung der Genossenschaft konnte unter den gegenwärtigen Stimmungen natürlich nicht abgehalten werden. Ich kann Ihnen die freudige Nachricht mittheilcn, daß obwohl jetzt die ganze Bürgerschaft Berlins unter den Waffen steht, mithin auch die sonst feindlich sich gegcnüberstehende alte und neue jüdische Gemeinde bewaffnet sind, doch der Friede unter ihnen Bahn zu brechen scheint. So gewaltig ist die über die errungene Freiheit herrschende Freude und friedliche Stimmung, daß man gerne jeden confcsffonellcn Zwiespalt beseitigt sehen möchte. So ließ der Gcmeinde.Vorstand die Genossenschaft auffordcrn, sich durch Deputirte mit ihm in Verbindung zu setzen, um eine friedliche Verständigung anzubahncn. — Daß der König selbst die gleichen politischen Rechte für alle religiösen Bekenntnisse ausgesprochen, werden Sie durch die Zeitungen erfahren haben. So werden denn alle EmancipationskämpH in Deutschland mit dem Siege ihr Ende erreicht haben und alle unsere Aufmerksamkeit wird auf die innere Reform des Zudenthums gerichtet sein müssen. Nun wird man uns aber auch nicht mehr vorwcrfcn können, daß wir der Emancipation wegen das Judenthum verrathen: man wiro glauben, daß cs uns von je her nur um die Erhaltung dcS Hciligthums der Religion zu thun war. Verschiedenes aus Baiern. Bon der Saale. Jetzt oder nie! Die großen Weltereignisse, die ganz Deutschland in Bewegung setzen, lassen freilich auch für uns unser Londerinteresse etwas in den Hintergrund treten , da wir bei den hochwichtigen TageSfragen doch auch gleich den übrigen Deutschen bctheiligt sind. Aber aus dm Augen dürfen wir sie darum nicht lassen und gerade jetzt ist der Moment, wo wir mit aller Entschiedenheit auch unsere Rechte fordern müssen. So lange die deutsche Nation für sich daS Panier rer Freiheit nicht aufgepflanzt hatte, durften wir unsere Ausschließung zwar nicht ruhig mit ansehen, wohl aber als natürliche Folge der Zustände überhaupt betrachten und in der Voraussicht Beruhigung suchen, daß mit der allgemeinen Freiheit auch die Stunde der unserig-n gekommen sein werde. Aber jetzt? wie, wenn auch jetzt noch die Scheidewand nicht gänzlich niedergcrissea werden sollte? Doch nein. der Flügclschlag der Zeit ist ein zu starker und machtigcr, als daß von ihm die morschen Vorurtheilr nicht znsammengebrochen werden sollten. Die wahren Volks, und Laterlandsfrcunde wissen es recht gut. daß Religionsfreiheit das höchste und kostbarste Gut eines freien Volkes ist. Deß sind Zeuge die Adressen aus unserem Vatcrlande. München hatte sie nicht gefordert, aber als die königliche Proklamation nur Verbesserung verhieß, da wurde schnell eine zweite Petition hinzugefügt, in der die volle Gleichstellung verlangt wird. Bamberg hat sie verlangt und dort ist sogar ein Jsraelite (Morgenstern) Mitglied des Comite. eben so Nürnberg und Regensburg, von der Pfalz versteht es sich von selbst und in Untersrankrn die Kreishanptstadt Würzburg. so wie das freisinnige Städtchen Remlingen. In Würzburg gab es hierüber einige Debatten. Von einer gewissen Seite wurde dagegen opponirt, aber Würzburgs Bürger und Studenten stimmten ein. müthig und entschieden, volle Gleichstellung in Anspruch zu netz, men. — Uns könnte dieses zur Begeisterung Hinreißen, wenn nicht die bedenklichen Manifestationen an manchen Orten Angst und Schrecken emgefloßt hätten, und Dank den kräftigen Maaßregeln unserer Regierung, daß diese schönen Tage der Freiheit nicht mit mittelalterlichen Judcnverfolgungssccnen besudelt wurden. Dre ächten Vaterlandsfrcunve werden auch hierin die ernste Mabnung erblicken, solchen Scenen durch Ausgleichung aller Unterschiede vorzubeugen, denn nur wenn im bürgerlichen und politischen Leben diese verschwunden sein werden, wird auch im socialen Leben jener starre Gegensatz sich ausgleichen. — LobenSwerth und erfrculich ist cs, daß die Gemeinde in Fürth dieses Mal mit mehr E-fcr sich der allgemeinen Angelegenheiten annimmt und eine Deputation abzufenden beabsichtigt, hoffentlich wird man ihn in anderen Kreisen nachahmen. — Hören Sie und staunen Sie, wie rasch die Nemesis ereilt! Der judenfcindliche Landrichter Adam von Rain ist nach neuesten Nachrichten vom Landgerichtssitze vertrieben und sind auch von Seilen seiner christlichen Untergedenen schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben werden. Die Jesuiten sind geschlagen, was werden unsere Jesuiten thun? Schon fühlt man in manchem Kreise, welchen harten

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