Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1848)
- Date
- 1848-03-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8« ben, unir verschließe bke Thnre, denen, die an Gott glauben und Menschenliebe üben. Wo steht denn geschrieben, daß man diejenigen, welche höhere Wahrheit bekennen, bestrafen müsse? --icllcicht bei Juristen und Theologen, nirgend aber kn N. T. Die Juden seien überall verfolgt worden, aber katholische Länder hatten zuerst sie emanickpirt, das protestantische England möge ihrem Beispiele folgen. Die Einwendung von der Nationalität der Juden fei gänzlich grundlos. Die englischest Juden gehören gänzlich der englischen Nation an, und fühlten mit dieser in Leiden wie m Freuden!! (großer Beifall). M. Newdegate behauptete beweisen zu können, daß die Wahl des Hrn. R. durch Geld betrieben worden fei, für das Hundert habe man 1'/, Schillings geboten', dann sei der Preis auf 3 und zuletzt auf 5 Schill, gestiegen. Auf solche Wahl fei. nichts zu geben. Uebrigcns seien die Juden eine Nation, und sie haben dies selbst unter Napoleon bewiesen, da sie sich freucien, eine besondere Versammlung zu bilden. (!!!) Die Zulassung der Juden wäre kein Fortschritt, sondern ein Schritt zum Verderben! (Die Debatten wurden dann vertagt.) Es ist bemerkenswerth, daß in alten Sfteben für die Bill sich eine lebhafte innere Ucbcrzeugung durchweg mittelst Kraft und Feuer der Darstellung kund gibt, während die Gegner alle in matter Alltäglichkeit sich bewegen. Dabei ist anderersciks sehr ancrkcnncnswrrth, daß auch die stärksten Gegner der GesinmulgStüchtigkeit der Juden nicht nur Gerechtigkeit widerfahren lassen, sondern eigens das Wort reden, um zu beurkunden, daß nicht gegen sie irgend ein Vortag gerichtet worden, sondern die Debatte immer nur Prinzipien betreffe. Noch können die Dculschcn — obwohl bereits kn einigen Länderir der parlamentarische Takt sich zeigt — in den Engländern treffliche Muster erblicken! MarerS Eebetbnch. Berlin. — ES wird Ihnen gewiß ausgefallen sein, daß Kirchcnrath Maier in Stuttgart, ein Mitglied der NedactionS- Commisston des Gebetbuches der deutschen Rab.-Versairimluiig, sich zur Herausgabe eines Gebetbuches auf eigene Hand anschkcke, während man bisher immer das Erscheinen des Gebetbuches der Nab.-Verf. allgemein erwartete. Hierüber soll sich der Herausgeber gegen einen seiner hiesigen Freunde ungefähr ungefähr folgender Weise geäußert haben: ' „Ich habe Dir, wenn ich sticht irre, in meinem letzten Schreiben schon mitgcthcilt, daß Stein, sich durchaus zu einem deutschen Gebctbuche, wie ein solches auf der zweiten Rab.-Vcrfammlung beschlossen worden ist, nicht verstehen will. er will ein mit geringer Ausnahme hebräisches Gebetbuch, nur etwas abgekürzt und modisicirt, ähnlich dem Hamburger Tempelgebeibrrch. Da nach meiner Ansicht ein solches Gebetbuch weder der Idee einer geläuterten Gottcsvcrehrung entspricht, noch ii-grnd ein Bedürfniß zu befriedigen im Stande ist, so habe ich ihm erklärt, daß ich meinen eigenen Weg gehen will, möge auch er thun, was er für gut hält." Wie eS nun nach diesem auf der einen Seite nicht mehr zweifelhaft ist, daß nicht die räumliche Entfernung der Commissionsmitglieder, wie es in einer Correspondenz vom Main in Nr. 4 d. Bk. gemeldet worden, sondern vielmehr das Auseknandergehen der Ansichten das Hinderniß sei, an welchem da- Zustandekommen des Gebetbuches bisher gescheitert, so zeigt sich auf der andern Seite der große praktische Nachtheil, der aus dem Nichtstattsindcn der Rabbiner-Versammlung im Jahre 1347 für die allgemeinen Verhältnisse hervorgegangen ist, da die Versammlung selbst die unter den Commissionsmitgliedern obwaltenden Differenzen leicht beigelcgt und gewiß im Sinne des Fortschrittes, also gegen Hrn. Stein, entschieden haben würde. — Wie aus dem ProspectuS hervorgeht, wird das Gebetbuch nur als Entwurf aus eigene Verantwortlichkeit des Herausgebers hin erscheinen und die Gemeinden, die es bei sich einsühren sollten, würden sich mit autonomifcher Kraft dafür entscheiden müssen. Der ProspectuS deutet darauf hin, indem er die Entscheidung über das Gelingen competenten Stimmen überläßt mit dem Beifügen, daß nach der Ansicht des Vers, nicht sowohl Kritiker von Fach als vielmehr die Gemeinden selber dazu gehören. Wir müssen daher den Zwiespalt im Schoße der Commission der Nab.-Vers. um so mehr beklagen als die erste Frucht desselben schon dadurch, daß sie die Arbeit eines Einzelnen ist, uns nicht geeignet scheint, das Gebetbuch der R.-V., das wegen seiner Autorität von den Gemeinden so sehr gewünscht ward und darum zu so vielen Erwartungen berechtigte, genügend zu ersetzen. Lieber hätten wir eS gesehen, und eS will uns im Interesse der allgemeinen Verhältnisse auch viel wünschcnsweriher erscheinen, wenn Hr. Kirchenrath Maier, da er nun einmal die Rab.-Bers. im Stiche läßt, oder von ihr im Stiche gelassen wird, seinen Entwurf eines neuen Gebetbuches der Berathung fämmtlicher Rabbiner seines Landes unter Zuziehung anderer urthcilsfähiger Männer ans den Gemeinden unterzogen und mit deren Zustimmung das neue Gebetbuch wie einst die Gottcsdicnstordnung vom Jahre 1833 NamcnS der Kirchendehöroe in sämlutkichen Landes-Synagogen eingesührt Härte! Die Nachwirkung hätte sich alsdann wie einst bei der Würtembcrgischen Gottesdienst-Ordnung von selbst gemacht und der Fortschritt wäre ein gelungener, wcitverbreiter, während jetzt das literarische Produkt eines Mannes einem un* sichern Schicksale xreisgegcden ist. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.