Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1848)
- Date
- 1848-02-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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<§4 Alles nutzt sich in gcistlähmcndcn, gcdankenmndcn Zwergncckercken ab, vergeblich spührt man nach einem geisterfüllten und g ed an! endur chd rungeneu Kämpfer, eS sind noch die alten von vor zweitausend Jahren, cs sind noch dieselben urthümlichen Grillenfänger, wenn sie gleich für Las am Festtage gelegte Ei zum Thema die iHülsensriichte nehmen. Und Liese Geistes« und Gedankcn-Armnth, die Seichtigkeit ».Verachtung gegen Prinzipien, gegen Ibeen gibt unfern Nabbincn jenes Aussehen von Authlosigkcit, Furchtsamkeit Mangel an Selbstvertrauen, vorzüglich aber jene Entsittlichung der Heuchelei. Es gibt so viele und so mancherlei Dinge in unserer religiösen Observanz, die wir bei jedem vernünftigen Menschen als überwunden betrachten inüffen, aber die Heuchelei sitzt zu Gericht. Wer kann cs z. B. Rapoport glauben, daß er wirklich nach menschlichen Gedanken glauben könne, inan müsse den Ln lab nach der 'Mystik schütteln, oder man dürfe nicht ohne Mütze essen, und soll man ries glauben, so müßte man den Verstand solcher Rabbinen bezweifeln. Wenn inan den Verstand solcher modernen Mückensänger nicht bezweifeln wckl, dann muß man sie als der Fahne der Heuchelei dienstbar anschcn." Bist ru nicht, lieber Leser, ganz erstaunt, in unserem Dr. Fürst rem .Herausgeber des Orients, den mivcrsöhulichstcn Feind der ialmundisch - orthodoxen, rabbiuisch - orientalischen Anschauung und den glühendsten Lobredncr und Verfechter der radikalsten Reform reo Fneenthliiirs zu finden? Mit unwiderstehlicher Kraft der Wahrheit hat er den tiefen Krebsschaden unserer Verhältnisse, die zur Euisiulichimg mw Heuchelei führende tieswnrzclndc ericnta-- icschc Anschauung, geschildert. Hat ihr auch sein Eifer zur ungerechten Verkennung des Instituts der- Rabbiner - Bersannnlung hingerissen und übersieht er all das Gute, was sie außer der Reis, und Erbscnsragc in viel wichtiger!, religiösen Lebensfragen gelci'- stet, so hat er doch der Nesormgenossensehaft, die sich mir einem Ruck über alle die minutiösen Fragen zu erheben und in einer Versammlung, zu der mir drei Rabbiner zahlten, die wichtigsten Prineipien zu diökutircn wagte, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wie Hr. Dr. Fürst bei tiefer radikal rrformalorifchrn Gesinnung dennoch im Orient die Reform systematisch verfolgt und anscindct, darüber müßte man freilich den Verstand ver- Die Ntttcvlnnrö-Debatten über die Inden. Die Rcligionsschule des Dr. Sachs. Berlin. Bei W. Adolph u. Eomp. sind soeben eie am 10. u. 11. Decembcr v. I. im englischen Uutcrhause gcpstogcnrn, höchst interessanten Debatten über die Emancipatkün der Inden, nach den Berichten der Times von einem tüchtigen Gelehrten deutsch bearbeitet, erschienen, die wir alten Denen, welche sich für diesen menschenfreundlichen Gegenstand interessiren, dringend cm« psehlen. (Hände u. Spen. Zeit.) Dieselbe Zcilnng und auch die Vossische berichten über die im v. I. von der hiesigen Gemeinde errichtete Rcligionsschulc wie folgt: „Die unter Leitung des Rabbiners (?) Dr. Sachs stehende jüdische Rcligiensschule, deren geräuschloses aber segensreiches Wirken immer mehr Anerkennung findet, wird, sicherem Vernehmen nach, den bevorstehenden Schluß des ersten Jahres ihrer Thätigkcit in der Art begehen, daß eine Anzahl Schüler und Schülerinnen, welche die gehörige Reise erlangt haben, von dem Dr. Sachs in der großen Synagoge consirmirt weiden, eine Feier, die in dieser Weise zum ersten Mal in der hiesigen Gemeinde vorkommt.,, Wie diese geräuschlose aber segensreiche Wirksamkeit mit der allbekannten eklatanten Erklärung der sieben und zwanzig Männer, die vom Gemeinde-Vorstände beantragte Gcldunterstützung für gedachte Rcligionöschule ab lehnen zu müssen, weil sie sich von dem miserabcln Zustande derselben überzeugt haben, zu vereinbaren sei, darüber mögen Diejenigen Auskunft zu geben wissen, welche eine in den Traditionen der Synagoge unbekannte, bekanntlich dem protestantischen Ehristenthum entlehnte Institution, welche anS diesem Grunde in Preußen bis ans die neueste Zeit als eine Neuerung Polizei, lich verboten war. feierlich in die große Synagoge cinzusühren mit ihrer Anhänglichkeit an ras historisch-traditionelle Indcnthum verträglich finden, während sie nicht begreifen können, wie die stc'esoruigrnosseiischaft. La sie sich von reu Satzungen des traditionellen Indeiithnms öffentlich losgesagt, innerhalb einer Syuagogcn-Gemcinde beharren will. — Den Berliner Lesern braucht nicht erst gemeldet zn werden, daß die fragliche unter Leiumg des Herrn Dr. Sachs gestellte (aber nicht stehenvcj Rckigionsschnle erst nachdem die in jugendlicher Kraft emporstrc. beuve Reform-Genossenschaft eine solche für ihre Jugend beschlos. sen und in'sLeben gerufen hatte, als eine schlechte Eopie Dieser . i in klägliches Da fern cvfyiclt. (Schluß folgt.) A »zeige. Einer Familie, oder kleinen Gemeinde, die einen Lehrer sucht. kann ich einen sehr gebildeten jungen Mann empfehlen. Eisenach. Dr. Heß. Verlag der I. E. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Truck von Fried. Krähe in Offenbach.