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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-11-21 · Heft 47 (21.11.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 47 (21.11.1847)
Date
1847-11-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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370 renzialzölle herausgab, da meinten die Professoren, die auf der Heidelberger Terrasse spaziren gehen und das deutsche Rohmaterial für die holländische Handelsflotte den malerischen Neckar -erunterflössen sehen, und dann ihre Ansichten über Handel und Schifffahrt in der Deutschen Zeitung abdrucken lassen: die Hamburger dächten anders hierüber, und es eristiren etwa Differen. zialmcinungen hierin zwischen Senat und Kaufmannschaft. Jetzt aber hat v:e Kaufmannschaft Cobdens Anwesenheit zu einer praktischen Widerlegung durch ein Freihandelessen — eine köstliche Mahlzeit — durch Freihandellieder und Toaste benutzt. Aber so wenig sich Hamburg jenen Männern gegenüber mit Anerkennung der liberalen Ideen brüsten darf, ebensowenig genügt diese partielle Widerlegung den Protectionsideen gegenüber. Hamburg hat noch nicht einmal bewiesen, daß die Freihandelsidee in seinem eigenen Volksbewußtsein Wurzeln geschlagen hat, und will Andre belehren. Denn werfen wir einen Blick auf die Stimmung unserer Republik in dieser Lebensfrage, so müssen wir lecher an. erkennen, daß Hamburg prinzipiell nie der Idee des Freihandels gehuldigt hat. Der Freihandel ist in Hamburg nur eine Frucht des Zwangs der Umstände; denn daß Hamburg nicht anders Handel treiben kann, braucht nicht bewiesen zu werden. Wenn wir anderweitig Nachweisen, daß, wo cs in Hamburgs Macht stand, entgegengesetzten Prinzipien zu huldigen, es dieses gethan hat, so fällt der Zweifel überhaupt weg, ob diese Prinzipien bei uns volksthümlich sino oder nicht. Um aber den Mangel der Erkenntniß dieses Prinzips zu beweisen, führen wir jetzt nur den Gewerbszwang im Innern neben der Handelsfreiheit nach außen an. Dieser Zunftzwang neben der Handelsfreiheit erinnert an eine Todesstrafe der Perser für Verbrecher, denen man eine Leiche anschmiedcte. Noch greller tritt diese Jnconsequenz dadurch hervor, daß dieser Gewerbszwang die Juden von der Ausübung der Gewerbe ausschließt und sie naturwidrig dem Handel zudrängt. Sowohl die Gewerbe wie der Handel müssen dadurch leiden. Aber wie verhält es sich mit der moralischen Schwäche, die dieses Verkennen der Prinzipien der Handelsfreiheit, ja Mlicher Freiheit veranlaßt? Hamburg geht in Folge dessen seines Berufes — eines Berufes, auf dem seine ganze große Zukunft beruht — verlustig, statt mit gutem Gewissen und der Kraft, den dieses allein verleiht, Deutschland in Gewerbe und Handel voranzuschreiten. Denn mit welcher Stirn kann Hamburg, das prinzipiell unfreie Hamburg, jenen sonst so liberalen Männern der deutschen Zeitung gegenübertreten, die es engherziger, undeutscher Gesinnungen beschuldigen, da wo das deutsche Interesse scheinbar dem Monopol gegenübertritt? Erst wenn Hamburg im eigenen Hause durch die That bewiesen, daß eS an die Segnungen der Prinzipien des Frei- Handels glaubt, die den fteien und gerechten Verkehr unter Menschen, als ihre- Grundlage anerkennen, können seine Beweise, daff die lFrechandelsfrage eine gesammt deutsche sei, Vertrauen einflößen. Gerade wie in England die Freihandelsfrage, als man sie für eine Manchesterangelegenheit hielt, unpopulär, aber als die League bewies, daß sie eine Nationalfrage sei, siegreich war. So So liegen die Mittel des Erfolgs in unsrer eignen Hand. Die League lehrte aber auch das Volk, daß alle Freiheiten Schwestern seien, die religiösen sowohl wie die bürgerlichen, und daß eine mit der andern und durch die andere siegen müsse. Wir müssen dasselbe thun. Wenn Hamburg die Differenzialzölle auf den Glauben abgeschafft, die freie Industrie im eigenen Hause gestattet hat, dann wird sein Wort gegen Differenzialzölle und für deutsche ungeschützte, eigner Kraft vertrauende Industrie doppelt schwer wiegen, Und wenn die Männer, die in der Kräuterschen Reitbahn, Cobden und sich zu Ehren, zusammenaßen, für die Verwirklichung der Cobdenidee im Geiste der Idee arbeiten, dann wird diese Demonstration nicht wie der Duft des Weins verschwinden und dsr Ton der Rede umsonst verhallen; dann war unsere Auffassung der hohen Bedeutung dieser Repräsentation von Hamburgs Reich- 1hum und Intelligenz, als einer würdigen, nicht falsch. Wenn aber nicht, stehen wir beschämt dem Engländer gegenüber, der da sagte: Tbey gave us a very good dinner indeed. R. R. Literarische Anzeige. Steuestes und wohlfeilstes israelitisches Gebetbuch. „Gott fieht ins Herz." Gebet- und Andachtsbuch für fromme Israeliten, sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbath-, Fest- und Fasttagen, wie auch für alle Verhältnisse des Lebens, bearbeitet von I. H. Jacobson, Verfasser des Abtalion re. 300 Seiten in 8vo. Elegante Ausgabe auf Velinpapier. Geh. Preis wegen Concurrenz nur 15 Sgr., bei 6 — 1 Freiexemplar. Der außerordentlich starke Absatz von diesem vortrefflichen Gebetbuch machte es dem Verleger zur Pflicht, den möglichst billigsten Preis zu stellen. Alle Buchhandlungen nehmen Aufträge an. F. E. C. Leuckhart in Breslau. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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