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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-11-14 · Heft 46 (14.11.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 46 (14.11.1847)
Date
1847-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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308 So würde ich Ihnen antworten, wenn mich nicht die Aufrichtigkeit zu gestehen zwänge, daß mir ihre Frage sehr unbestimmt scheint. Alle Religionen find zum Theil theoretisch, zum Theil praktisch. In so weit fie theoretisch find, haben fie nicht immer einen wesentlichen Einfluß auf das Sittliche. Die Menschen haben sehr oft mit wahren Theorien falsche Sittenlchren, und umgekehrt mit falschen Theorien wahre Sittenlehren verbunden. In so weit fie praktisch find, setzen fie entweder Handlungen in die Claffe der Tugenden und Laster, welche nach der Vernunft nicht dahin gehören; —von diesen reden Sie nicht! — oder fie erleichtern die Ausübung des Guten durch die Vermehrung der Beweggründe: dieses thut eine jede Religion, welche dem Menschen nähere Verficherungen gibt, daß das Gute Gott wohlgefalle und das Böse mißfalle; oder sie setzen der Ausübung des Guten ihre Vorurthi entgegen; und nun fragen Sie: in welcher Religion die V< nunft diese Hindernifie am leichtesten dem könne? Hierauf muß ich abermH in welcher der Vernunft die anst^ Aber ich kann Ihnen keinen Namen nennen. Zeis und Umstände verändern dieses in Absicht auf jedes Jahrhundert. Es zeigt sich bald hier, bald da ein Strahl der Vernunft, der auch zuweilen wieder verschwindet. Seit etwa 50 Jahren fängt ein geringer Theil Ihrer Glaubensbrüder an, Vorurtheile aus dem - Wege zu räumen. Die meinigen werden sicherlich Nachfolgen. Die eine Parthei wird vielleicht wichtigere, die andere hingegen mehrere Vorurtheile aufzuräumen finden. Gott lasse diese Bemühungen von schleunigen und dauerhaften Folgen sein. Oder wollen Sie vielleicht wissen, in welcher Religion dem Menschen die Vorschriften ausserordentlich von Gott geoffenbart worden, die ihn allein vollkommen tugendhaft machen können? Jede Parthei wird Ihnen antworten: in der ihrigen; aber ich glaube Gott habe uns das System der Moral durch Natur und Vernunft, nicht durch Worte und Buchstaben offenbaren wollen, was die Menschen als Menschen brauchen, hat Gott allen, was fie als gewisse Menschen brauchen, auch nur gewissen Menschen gegeben. Allerdings kann der kunstlose Grönländer in seiner schmutzigen Hütte beim Fischthran ein Freund der Tugend sein; aber auch du, kunstreicher Mensch! kannst unter Rosen, beim socratischen Becher weise sein und der Tugend leben, wenn du die Pflicht wohlzuthun beständig vor Augen hast, und dem süßesten rt ln uchhanblüngen versa» Genuß des Lebens mit geringer Weigerung entsagst, sobald diese Fust. Es liegt nur an uns, so können wir attische Empfindsamkeit mit natürlicher Einfalt verbinden. Sie find sich so ftemd nicht, wie Sophisten uns einbilden wollen. Von der andern Seite find die Menschen auch nicht bestimmt, Grönländer zu bleiben. Der höchste Zweck der Tugend ist. was verbessert werden kann zu verbessern; und beim Menschen ist das ganze Genus sowohl als jedes Individuum eines unendlichen Fortganges fähig. Aus Liebe zur Tugend diesen Fortgang hemmen heißt, wie Ihres Freundes unsinniger Sokrates, sich erhängen, um das Fieber zu vertreiben. Literarische Anzeige. soeben erschienen Hebräisches Lesebuchs ihl historischer, poetischer und prophetischer MMe aus fast biblischen Büchern, mit Anmerkungen üird^fiiem Wörterbuche , nebst einem Anhänge unpunktirter Texte mit rabbinischen Scholien und Erläuterungen zu denselben von Hr. M. A. Levy, erstem Religionslehrer an der israelitischen Gemeinde zu Breslau, und ordentlichem Mitgliede der deutschen morgenländischen Gesellschast. Preis 24 Srg. Allen Lehrern der hebräischen Sprache wird obiges Lesebuch eine in jeder Beziehung außerordentlich willkommene Erscheinung sein, da es an Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit des ausgewählten Lesestoffs alle ähnlichen Werke ^ei Weitem übertrifft. In demselben Verlage ist auch folgendes in der Gelehrtenwelt mit großem Enthusiasmus aufgenommene Werk erschienen: Lehr- und Lesebuch zur Sprache der M i s c h n a h. Von Dr. Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau. In 2 Abtheilungen. Preis des Ganzen 1 Thaler. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlnng in Frankfurt a. Druck von Fr red. Krähe in Offenbach.

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